• vom 09.05.2017, 17:50 Uhr

Weltpolitik

Update: 11.05.2017, 17:24 Uhr

Grenzschutz

Türkei grenzt sich ab




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Von WZ-Korrespondent Frank Nordhausen

  • Ankara plant Befestigungsanlage an Schnittstelle mit dem benachbarten Iran.

Wie gegen Syrien möchte sich die Türkei auch an der Grenze mit dem Iran gegen den Nachbarn mit einer Mauer abschotten. - © afp/Messinis

Wie gegen Syrien möchte sich die Türkei auch an der Grenze mit dem Iran gegen den Nachbarn mit einer Mauer abschotten. © afp/Messinis

Nikosia/Ankara. Weil sie sich von Feinden und Flüchtlingen bedroht sieht, mauert sich die Türkei immer weiter ein. Laut Berichten türkischer Medien plant Ankara jetzt den Bau neuer Grenzanlagen zum Iran, die auch eine 70 Kilometer lange Betonmauer an den östlichen Provinzen Agri und Igdir einschließen. Die Befestigungsanlage soll offiziell Angriffe der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) aus deren Lagern im Iran verhindern, dürfte aber auch gegen neue Migrantenankünfte aus Asien gerichtet sein.

Die Tageszeitung "Hürriyet" berichtete unter Berufung auf einen hochrangigen Regierungsbeamten, dass der neue Grenzwall 800 bis 1000 "PKK-Terroristen" abwehren soll, die sich in sechs Lagern nahe der Grenze zur Türkei und Armenien aufhielten. "Sie dringen in die Türkei ein, führen Anschläge durch und verschwinden wieder", wird der Informant zitiert. Außerdem nutzten die Militanten die grenznahe Region West-Aserbaidschan im Iran als Rückzugsraum, wenn die türkischen Sicherheitskräfte Anti-Terror-Operationen in den Grenzprovinzen durchführten. "Als Abwehrmaßnahme werden wir eine 70 Kilometer lange Mauer entlang der Grenze in den Provinzen Agri und Igdir bauen und den Rest (der 500 Kilometer langen Grenze) mit Wachtürmen und Stahlzäunen befestigen", erklärte der Regierungsbeamte.

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Allerdings ist die türkisch-iranische Grenze nahe Armenien bisher keinesfalls unbefestigt gewesen. Zäune und Wachtürme sind in dem bergigen, beiderseits von Kurden bewohnten Gelände seit Jahrzehnten türkischer Standard. Sie richten sich nicht nur gegen die PKK-Rebellen, die im Iran rund 3000 Kämpfer unter Waffen haben sollen, sondern auch gegen die zahlreichen Schmuggler, die in dem unwegsamen Gelände Zigaretten, Heroin oder Benzin transportieren. Und zunehmend befördern sie auch Menschen, vor allem aus Afghanistan.

Militärische Abschottung und
Mittel für Flüchtlingspolitik

Seit dem Beginn der Kämpfe in ihrem Land vor fast 40 Jahren sind Millionen Afghanen in den Iran geflüchtet, nicht wenige wollen inzwischen in die Türkei oder von dort nach Europa weiterziehen. Vor anderthalb Monaten schlug der türkische Vizepremier Veysi Kaynak Alarm und warnte in einem Interview mit dem TV-Sender CNN Türk, dass rund drei Millionen "illegale Migranten", vorwiegend Afghanen, vom Iran auf dem Weg in die Türkei seien. Laut Kaynak seien allein im Vorjahr insgesamt 30.000 Flüchtlinge in die ostanatolischen Provinzen Agri und Igdir gekommen. "Wir befürchten, dass der Iran die Wanderbewegung in die Türkei ignoriert, auch wenn er sie nicht unbedingt befördert."

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Dokument erstellt am 2017-05-09 17:54:06
Letzte nderung am 2017-05-11 17:24:08




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