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Von Stephen Trilling
Im Jahr 1999 traf uns der
Melissa-Virus völlig unvorbereitet und versendete weltweit Millionen
infizierter E-Mails. Nur ein Jahr später, im Mai 2000, sorgte der Love
Letter-Wurm laut Berichten weltweit für Schäden in Höhe von 8,7
Mrd. US-$. Nimda und Code Red läuteten 2001 eine neue Ära komplexer
Bedrohungen ein.
Komplexe Bedrohungen können sich ohne
Benutzereingriff über das Internet ausbreiten und dann automatisch weitere
Angriffe, wie beispielsweise Denial-of-Service- (DoS) oder Hackerangriffe,
initiieren. Im Januar 2002 verbreitete sich der Slammer-Wurm über das
Internet und sorgte für weit verbreitetes, jedoch nur kurzfristiges,
Internet-Chaos.
Zweifellos werden wir in Zukunft sogar sich noch
schneller verbreitende und erheblich bösartigere Bedrohungen erleben. Die
so genannten "Warhol"- und "Flash"-Bedrohungen könnten theoretisch
große Netzwerke bzw. große Teile des Internets innerhalb von
Minuten oder gar Sekunden lahm legen, ohne dass IT-Mitarbeiter auch nur eine
Chance zu Gegenmaßnahmen hätten.
Anstieg bei
Vorfällen
Die Bedrohung durch Cyber-Angriffe nimmt jeden Tag
zu, vor allem aufgrund der wachsenden Abhängigkeit von Unternehmen im
Hinblick auf E-Mail-Dienste und das Internet. Laut Statistiken des Carnegie
Mellons CERT Coordination Center ist die Zahl der gemeldeten
IT-Sicherheitsverstöße von 52.658 im Jahr 2001 auf 82.094 im Jahr
2002 stetig angestiegen. Allein im ersten Quartal dieses Jahres gab es 42.586
gemeldete Vorfälle, die hochgerechnet auf das gesamte Jahr zu einer
Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr führen könnten. Die
Ergebnisse der aktuellen CSI/FBI-Studie zu Computerkriminalität und
Sicherheitsaspekten für 2003 zeigt, dass E-Mail-Bedrohungen weiterhin die
häufigste Art von Angriffen darstellen. Die Studie bestätigt
darüber hinaus, dass der Diebstahl unternehmenseigener Informationen noch
immer ein weit verbreitetes Problem ist und dass die Mehrzahl der mit
Cyber-Kriminalität im Zusammenhang stehenden finanziellen Verluste darauf
zurückzuführen ist. An zweiter Stelle der Liste der häufigsten
Cyber-Angriffe stehen die Denial-of-Service-Angriffe. Diese stetige Zunahme bei
sicherheitsrelevanten Vorfällen deutet auf ein weiteres Jahr voller
Herausforderungen für IT-Mitarbeiter im Bereich Sicherheit hin.
Das Angreiferprofil im Wandel
Mit zunehmender Zahl und
Komplexität der Angriffe zeichnet sich eine Entwicklung im Hinblick auf
das Angreiferprofil ab. Viele der in jüngster Zeit ausgeführten
Angriffe wurden von Amateuren ohne bestimmtes Ziel oder Motiv initiiert. Da
jedoch mittlerweile immer mehr geschäftskritische Unternehmens- und
Regierungsfunktionen online ausgeführt werden, ist eine Entwicklung hin zu
professionelleren Angreifern mit konkreten Zielen und spezifischen
Beweggründen zu erwarten. Diese Angreifer verfügen über bessere
Ressourcen, gehen zielgerichteter vor und können Schwachstellen schneller
entdecken und ausnutzen, als es den Amateuren bisher möglich war.
Weniger Zeit zur Reaktion
Komplexe Bedrohungen,
Würmer und Hacker nutzen oft bekannte Software-Schwachstellen aus.
Üblicherweise treten diese Sicherheitsverstöße einige Zeit nach
Entdeckung der Schwachstellen auf. Wir bezeichnen die Zeit zwischen dem
Entdecken einer Schwachstelle und der nicht autorisierten Ausnutzung der
Schwachstelle durch eine bestimmte Bedrohung als Angriffsfenster.
Beispielsweise hatten die Würmer Nimda und Slammer Angriffsfenster von bis
zu mehreren Monaten, so dass die Hersteller von Software, in der Schwachstellen
entdeckt wurden, über genügend Zeit verfügten, um einen Patch zu
entwickeln und die Benutzer zu warnen, wodurch potentielle Schäden
begrenzt werden konnten. Im Durchschnitt werden Angriffe sechs Monate nach
öffentlicher Bekanntgabe der Schwachstelle ausgeführt. Aufgrund der
im vorherigen Abschnitt beschriebenen Verschiebung hin zu professionellen
Angreifern sind in Zukunft sehr viel kürzere Angriffsfenster zu erwarten.
Je stärker der finanzielle Hintergrund des Angreifers, desto mehr
Ressourcen hat er höchstwahrscheinlich zur Verfügung, um neue
Schwachstellen aufzudecken und umgehend darauf zugeschnittene Bedrohungen zu
erstellen. Dies könnte schließlich zu einem Angriff am Tag Null
führen. Ein Angriff am Tag Null liegt vor, wenn ein Angriff unmittelbar
nach Entdecken der entsprechenden Schwachstelle erstellt und ausgeführt
wird, so dass Software-Herstellern, Computer-Administratoren und Benutzern
keine Zeit zur Reaktion bleibt. Gegenwärtige und zukünftige
Bedrohungen Die gegenwärtigen Bedrohungen lassen sich von den neu
entstehenden Bedrohungen durch Einstufung in allgemeine Klassen unterscheiden,
je nach Geschwindigkeit, mit der sich die Bedrohung ausbreitet. Mit
aufsteigender Klasse von I bis III verringert sich die Chance der
IT-Mitarbeiter, Administratoren oder Benutzer auf eine Reaktion zur
Eindämmung der Bedrohung. - Gegenwärtig: Bedrohungen der Klasse
I: Bedrohungen der Klasse I verbreiten sich innerhalb von Tagen oder Stunden.
Bisher fiel die Mehrzahl der Angriffe in diese Kategorie. Zu den Bedrohungen
der Klasse I gehören E-Mail-Würmer und eine Vielzahl von komplexen
Bedrohungen. Diese können durch Virenaktualisierungen, Router-Filter und
Firewall-Regeln kontrolliert werden. - - Gegenwärtig und
zukünftig: Bedrohungen der Klasse II: Bedrohungen der Klasse II
können sich innerhalb von Stunden oder Minuten über das Internet
ausbreiten. Der Angriff des Slammer SQL-Wurms zu Beginn des Jahres gibt uns
einen Vorgeschmack darauf, was eine Bedrohung der Klasse II anrichten kann. Die
Infizierungsrate des Slammer-Wurms verdoppelte sich in der Anfangsphase alle
8,5 Sekunden und verursachte im Laufe der ersten fünf Tage
Produktivitätsverluste in Höhe von schätzungsweise einer
Milliarde US-Dollar. Die schnellsten Bedrohungen der Klasse II sind nur sehr
schwer oder gar nicht durch Reaktionsmechanismen von Seiten des Benutzers zu
kontrollieren. Sie erfordern weitgehend automatisierte Reaktionsmechanismen. -
- Zukünftig: Bedrohungen der Klasse III: Zukünftige Bedrohungen
der Klasse III werden in der Lage sein, Systeme innerhalb von Sekunden
über das Internet anzugreifen. Die umfassende Vernetztheit trägt zur
Wahrscheinlichkeit solcher Bedrohungen maßgeblich bei. Ein Eingriff
seitens des Benutzers wird unmöglich sein, und selbst die schnellsten
automatisierten Reaktionsmechanismen werden nicht viel ausrichten können.
Zur Abwehr von Bedrohungen der Klasse III werden grundlegend neue aktive
Technologien erforderlich sein. Solche Technologien werden in der Lage sein
müssen, neue Bedrohungen auf Host- und Netzwerk-Computern zu blockieren,
bevor sie sich ausbreiten können.
Die gute und die schlechte
Nachricht
Die gute Nachricht ist, dass Unternehmen im Hinblick auf
die Durchsetzung von Sicherheitsrichtlinien klüger geworden sind und
Mitarbeiter um die potentiellen Bedrohungen wissen, die sich beim Klicken auf
.EXE-Dateianhänge oder Öffnen nicht erwünschter E-Mails ergeben.
Zusätzliche Ergebnisse der CSI/FBI-Studie für 2003 zeigen, dass 99
Prozent der Unternehmen Virenschutz-Software einsetzen, 98 Prozent über
Firewalls und 73 Prozent über Intrusion-Detection-Systeme verfügen
(gegenüber 60 Prozent im Jahr 2002). Sicherheitslösungen haben sich
weiterentwickelt und decken mittlerweile mehrere Ebenen ab. Darüber hinaus
wird die Verwaltung durch zentrale Konsolen, Korrelation und automatisierte
Reaktionsmechanismen erleichtert. Funktionen zur Frühwarnung, heuristische
Erkennung und die Richtlinienverwaltung tragen ebenfalls zum Schutz der
Unternehmensnetzwerke vor der wachsenden Zahl an Sicherheitsbedrohungen bei.
Auf der anderen Seite nimmt jedoch die Raffinesse sowohl der Angreifer als
auch der Bedrohungen stetig zu. Jetzt ist keinesfalls der Zeitpunkt, sich
zurückzulehnen, sondern vielmehr verschärft auf der Hut zu sein.
Zukünftig werden wir mit schnelleren zielgerichteten Angriffen rechnen
müssen, die nur wenig oder gar keine Zeit zur Reaktion lassen. Warten Sie
nicht den nächsten großen Cyber-Angriff ab. Der Luxus, auf einen
Cyber-Angriff reagieren zu können, wird bald der Vergangenheit
angehören.
Zum Autor
Stephen Trilling ist Senior Director von Symantec
Research Labs, der Forschungsabteilung des weltweit führenden Unternehmens
für Internet-Sicherheit. Diese Abteilung ist für die Erforschung
neuer Cyber-Sicherheitsbedrohungen und die Entwicklung innovativer Technologien
zum Schutz von Computersystemen zuständig. Als führender
Sicherheitsexperte war Stephen Trilling bereits Gast bei verschiedenen
US-amerikanischen TV- und Radio-Shows wie Nightline (ABC), The Today Show
(NBC), The Early Show (CBS), Nightly News (NBC) und Evening News (CBS). Er
hält regelmäßig Vorträge auf Konferenzen und Seminaren in
der ganzen Welt und hat als Sachverständiger in Sicherheitsfragen vor dem
US-Kongress ausgesagt. Der Autor hat einen Abschluss in Computerwissenschaften
und Mathematik der Yale University und einen Abschluss in
Computerwissenschaften des Massachusetts Institute of Technology.
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