Start

Aktuell

Viren

Background

Schutz

Hilfe

Links

Übersicht

Software

Messaging

Training

Tipps

Instant Messaging: Plaudern mit Risiko

Eric Cheng, Symantec
Mehr zum Thema

Instant Messaging (IM) erfreut sich wachsender Beliebtheit: Nach einer Studie der Radicati Group soll die Zahl der Teilnehmer in 2004 auf 1,38 Milliarden weltweit ansteigen. Allein AOL versendet für seine Kunden nach eigenen Angaben rund 1,5 Milliarden Instant Messages weltweit - und zwar täglich. Besonders attraktiv: IM-User können sich online unterhalten - schriftlich und in Echtzeit. So ist ein lebendiges Frage-Antwort-Gespräch mehrerer Teilnehmer möglich. Wir fragten den Sicherheitsexperten Eric Chien von Symantec, wie sicher IM ist.

Herr Chien, Instant Messaging wird immer beliebter. Was halten Sie als Sicherheitsexperte von Instant Messaging?
Anders als bei E-Mail wird bei Instant Messaging in Echtzeit, also ohne Zeitverzögerung kommuniziert. Das ermöglicht einen lebendigen Gedankenaustausch und trifft somit den Nerv der Zeit. Die Vorteile: kürzere Kommunikationswege und ein schnellerer Austausch von Informationen. Das haben auch Unternehmen erkannt und hoffen auf eine Produktivitätssteigerung mittels IM. Trotz der vielen Vorteile sollten sich Anwender jedoch darüber im Klaren sein, dass IM auch eklatante Risiken für die Datensicherheit birgt.

Wie sehen diese Risiken aus?
Da gibt es eine große Bandbreite: von der Live-Attacke über die Überwachung ganzer IM-Sessions, bis zur Fernsteuerung von Systemen via IM ist alles möglich. Auch Viren oder Würmer können sich ungehindert über Chat-Kanäle verbreiten. Darüber hinaus gibt es auch in IM-Anwendungen Schwachstellen, die Hackern Fernzugriff auf fremde Rechnersysteme ermöglichen und Schadprogrammen Schlupflöcher bieten. Hier liegt das Hauptproblem von IM: die Vertraulichkeit bleibt auf der Strecke.

Was bedeutet das genau?
IM-Anwendungen, die als Freeware im Internet erhältlich sind, enthalten keine Funktionen, mit denen Informationen verschlüsselt werden können. Das heißt, alle Botschaften nehmen für jedermann sichtbar den Weg durchs Internet. Für den Austausch sensibler Daten eignet sich IM daher sicherlich nicht.

Aber wenn Anwender sich auf ihre ausgewählten Kommunikationspartner beschränken, was soll dann schon groß passieren?
IM-Nutzer haben keine Möglichkeit, ihr Gegenüber zu identifizieren. Wer gibt mir eine Garantie, dass mein Chatting-Partner tatsächlich der ist, für den er sich ausgibt? Hacker können nicht nur Chats "belauschen" und manipulieren, sie können sich auch als ein Freund aus der Buddy-Liste ausgeben und auf diese Weise sensible Informationen ergattern. So ist es zum Beispiel ein Leichtes, Passwörter, Kreditkartennummern, Firmeninterna oder Angaben zur Systemkonfiguration zu erschleichen.

Was ist der Unterschied zwischen herkömmlichen Schadprogrammen und solchen, die IM für ihre Verbreitung nutzen?
Herkömmliche Cyberbedrohungen müssen erst einmal verletzliche Computer ausfindig machen, um sich zu verbreiten. Mit IM sieht das anders aus: Hier liegen in den Buddy-Listen die angreifbaren Rechner quasi auf dem Präsentierteller. Mit dem Echtzeit-Medium IM sind daher Cyberschädlinge möglich, die sich noch schneller verbreiten als CodeRed oder Slammer, und nicht mehr Minuten sondern nur noch Sekunden benötigen, um Hunderttausende Rechner lahmzulegen.

Gibt es überhaupt schon IM-Bedrohungen?
Jede internetfähige Anwendung ist ein potenzieller Träger für Würmer und andere Malware. Wer glaubt, Instant Messaging bilde da eine Ausnahme, täuscht sich: Wir kennen derzeit etwas mehr als 30 Würmer, die sich mittels IM verbreiten.

IM wird oft als Rettungsanker vor der Spam-Flut angesehen, die via E-Mail auf Privat- und Unternehmensanwender hereinbricht. Ist da etwas dran?
Leider nein. Es war nur eine Frage der Zeit, bis IM als Medium für Massenmails (Spam) entdeckt wurde. Dabei hat sich das Aufkommen solcher Werbemails für Instant Messaging - auch Spim genannt - innerhalb eines Jahres verdreifacht.

Spam hat also einen kleinen Bruder bekommen?
Ja, und zwar einen besonders unangenehmen: Während sich Spam im E-Mail-Eingang ignorieren oder besser noch mit einem leistungsfähigen Spamfilter aussortieren lässt, springt einem Spim beim online-Plausch mitten ins Gesicht. Die viel gepriesene Unmittelbarkeit des Mediums wendet sich auch hier zum eklatanten Nachteil: Bei Instant Messaging sind die Nutzer noch unbedarfter als bei E-Mails. Daher wird der virenverseuchte Dateianhang einer Spim-Botschaft sehr viel spontaner geöffnet als bei einer vireninfizierten E-Mail.

Würden Sie von der Verwendung von IM abraten?
Es kann nicht darum gehen, ein Kommunikationsmittel zu verteufeln, nur weil es Sicherheitsrisiken beinhaltet. Viel wichtiger ist es, sich über die Risiken im Klaren zu sein und notwendige Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen.

Und die wären?
Privatnutzer sollten ihre Rechner mit einem leistungsfähigen Virenschutz, der auch Instant Messaging Anwendungen prüft und einer Personal Firewall schützen. Das stoppt nicht nur schädlichen Code, sondern verhindert auch den Zugriff von Hackern auf den PC und damit das Ausspionieren von Daten oder eine Fernsteuerung des Computers. Das Problem der mangelnden Vertraulichkeit ist damit jedoch noch nicht gelöst: Sensible Informationen gehören deshalb nicht in die IM-Kommunikation. Für Unternehmen gibt es mittlerweile IM-Provider, die Lösungen mit Verschlüsselungsfunktionen anbieten.