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Andreas Hanakamp verwirklichte seinen Traum, er ist als erster Österreicher Skipper beim Volvo Ocean Race

Auf hoher See, rund um den Globus

Die Yacht ist ständig in Bewegung: "Hobbysegler hätten Mühe, überhaupt an Bord zu bleiben." Foto:  lloydimages.com

Die Yacht ist ständig in Bewegung: "Hobbysegler hätten Mühe, überhaupt an Bord zu bleiben." Foto: lloydimages.com

Andreas Hanakamp war zweimal bei Olympischen Spielen, nun segelt er einmal um die Welt. Foto: Mark Covell

Andreas Hanakamp war zweimal bei Olympischen Spielen, nun segelt er einmal um die Welt. Foto: Mark Covell

Von Simon Rosner

Aufzählung "Wie mit 200 km/h in einem Rallye-Auto."
Aufzählung Russische Millionär finanziert das Team.

Alicante/Wien. Vor zwei Jahren hat Andreas Hanakamp eine nicht uninteressante Bekanntschaft beim Segeln gemacht. Er traf den russischen Unternehmer Oleg Scherebzow, einen Multi-Millionär, der nach dem Ende der Sowjetunion eine große Supermarkt-Kette ("Lenta") aufgebaut hat. Man redete über dies und jenes, vor allem aber über das Volvo Ocean Race, eine alle drei Jahre stattfindende Regatta, die einmal rund um den Globus führt.

Hanakamp, zweifacher Olympia-Teilnehmer, zuletzt vor vier Jahren in Athen an der Seite von Hans Spitzauer, hatte vor sieben Jahren die Medienarbeit für das Rennen konzipiert und das Medienzentrum aufgebaut, er konnte also viel erzählen.

Im April des Vorjahres traf man einander dann erneut, Scherebzow hatte den Wiener Neustädter zu einem Essen eingeladen. Und um das Gespräch in aller Kürze wiederzugeben: Scherebzow: "Ich möchte beim Volvo Ocean Race mitfahren." Hanakamp: "Gute Idee."

Von da an sahen einander die beiden recht häufig, denn es galt, in recht kurzer Zeit ein Projekt auf die Beine zu stellen, um tatsächlich am 4. Oktober 2008 mit einer Yacht in See zu stechen. "Wir hatten den knappest möglichen Zeitrahmen, um ein gutes Projekt auf die Beine zu stellen. Aber egal wie viel Zeit man hat, es ist immer zu wenig", sagt Hanakamp.

Schubladen-Projekt

Der 42-Jährige ist beim "Team Russia" Skipper, also gewissermaßen Kapitän an Bord der "Kostatka" ("Killerwal"), einer mehr als 20 Meter langen Yacht. Zehn weitere Segler werden mit ihm auf dem Boot sein, darunter auch Scherebzow, der Gönner. "Ich habe fast 17 Jahre an so einem Projekt gearbeitet, es lag bei mir in der Schub lade", erzählt Hanakamp. Dank Scherebzow kann er nun seinen Traum verwirklichen.

Das Team hat praktisch bei Null begonnen. Bevor es ans Segeln ging, hat Andreas Hanakamp eine Mannschaft zusammenstellen müssen, das Boot musste konstruiert, die Segeln designt werden. "Du bist Segler und Manager in einer Person", sagt er. "Allerdings musst du immer zu 100 Prozent Segler und auch zu 100 Prozent Manager sein, ständig umschalten. Das kostet enorm viel Kraft."

Insgesamt acht Syndicate nehmen am Volvo Ocean Race (früher "The Whitbread Race") teil, der Auftakt erfolgt am Samstag im Hafen von Alicante mit einem sogenannten In-Port-Race. Es dient vor allem der Präsentation der Yachten, rund 30.000 Zuschauer werden erwartet. Eine Woche später geht es dann so richtig los, da legen die Boote in Richtung Kapstadt ab. Etwa drei Wochen wird die Fahrt dorthin dauern. Drei Wochen, in denen Hanakamp und seine Crew neben Wasser, vor allem Wasser und Wasser sehen werden. Ab und zu vielleicht einen Wal, ein paar Delfine, Möwen und gelegentlich andere Boote.

Extreme Bedinungen

Als entspannter Segeltörn darf man sich die Weltumsegelung, die am 25. Juni in St. Petersburg ihr Ziel finden soll, aber nicht vorstellen. "Es gibt keinen Unterschied, ob es Nacht oder Tag ist. Es muss immer gesegelt werden", sagt Hanakamp. Zumindest vier Mitglieder sind immer an Deck, Hanakamp als Skipper stets auf Abruf.

Schlafen muss auf derartigen Booten ohnehin geübt sein, die Yacht ist ständig in Bewegung, die Wellen bis zu drei Meter hoch und es wird mit Windstärken bis 100 Stundenkilometern gerechnet. "Es ist so, als würde man mit einem Rallyeauto über eine schlechte Straße mit 200 km/h fahren", erklärt Hanakamp. "Hobbysegler hätten Mühe, überhaupt an Bord zu bleiben."

Die Risiken bei der Weltumsegelung sind kalkuliert, auch weil die Wetterdaten ständig per Satellit überwacht werden können. "Man fürchtet eher Krankheiten und Verletzungen, das ist auch viel wahrscheinlicher."

Nicht chancenlos

Hanakamp, der als erster Österreicher am Volvo Ocean Race teilnimmt, sieht sein Syndikat in der Außenseiterrolle. Das Budget des "Team Russia" dürfte zwischen 13 und 17 Millionen Euro liegen, das schwedische Syndikat Ericsson, das gleich mit zwei Booten vertreten ist, kommt auf 70 Millionen.

Dennoch: Chancenlos glaubt Hanakamp nicht zu sein. "Nichts ist unmöglich", sagt er. Und er weiß natürlich, wovon er spricht. Schließlich hatte sich einst sein eigenes Projekt mangels finanzieller Möglichkeiten in die Schublade verabschiedet. Dann aber ging Hanakamp segeln und traf Scherebzow. Unmöglich ist seit damals nichts mehr.

Printausgabe vom Freitag, 03. Oktober 2008
Online seit: Donnerstag, 02. Oktober 2008 17:38:20

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