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Die Islamische Glaubensgemeinschaft gerät auf Grund der Äußerungen eines Wiener Imams ins Zwielicht

"Ein Hort des Fundamentalismus"

Von Stefan Beig

Aufzählung Umstrittene Personalentscheidungen bei Österreichs größter Moslemorganisation.
Aufzählung Zweifelhafte Schulbücher und fehlende Lehrer-Ausbildung.

Wien. Die islamische Gemeinschaft in Österreich legt Wert auf gute Beziehungen: So war bei einem Koran-Rezitationswettbewerb im Oktober in der Wiener Stadthalle der Sieger der Nationalratswahl, SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer, Gast der Islamischen Föderation in Wien, einer der wichtigsten Vorfeldorganisationen der Islamischen Glaubensgemeinschaft. "Gusenbauer hielt eine zehnminütige Ansprache. Die Veranstaltung diente der Integration und dem Dialog, um sich besser kennen zu lernen." So erklärt SPÖ-Kommunikationschef Josef Kalina den Auftritt seines Chefs.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) ist laut eigener Satzung die europaweit einzige Institution, die alle in einem Land lebenden Muslime vertritt. Kritiker bezweifeln allerdings, dass die IGGiÖ wirklich repräsentativ für alle etwa 400.000 Muslime Österreichs ist. Nur wer den jährlichen Mitgliedsbeitrag von 43,60 Euro zahlt, ist wahlberechtigt und hat Einfluss auf die IGGiÖ-Vertretung.

Günther Ahmed Rusznak, Generalsekretär des Islamischen Informations- und Dokumentationszentrums Österreich (IIDZ), beobachtete die letzte Wahl im Jahr 2001 in Oberösterreich. Er schätzt, dass rund 3600 Muslime, also weniger als ein Prozent aller Muslime Österreichs, wahlberechtigt sind. Die IGGiÖ selbst hält sich bedeckt. Bis heute legt sie der Öffentlichkeit keine Zahl der Wahlberechtigten vor. Der Vorsitzende der IGGiÖ, Anas Shakfeh, spricht von "einigen Tausend".

Kritik an Schakfeh

Der in Österreich lebende arabische Journalist Riyadh Amir schätzt, dass an der letzten Wahl höchstens tausend Muslime teilgenommen haben. Die Zahl der Muslime, die einen Mitgliedsbeitrag zahlen, beschränke sich auf 360 Islam-Lehrer, etwa 160 Obleute von Vereinen und ein paar weitere Personen. "Wenn das Präsident Schakfeh bestreitet, möge er endlich die Zahlen vorlegen."

Umstritten sind einige Personalentscheidungen der IGGiÖ. Der erste Leiter der Islamischen Religionspädagogischen Akademie (IRPA) war Hassan Mousa. In die Medien kam er in seiner neuen Funktion als Schulerhalter der umstrittenen Al-Azhar Schule in Floridsdorf. Nicht bezahlte Lehrergehälter, nicht gemeldete arabische Lehrer und ein islamischer Lehrplan trotz Öffentlichkeitsrecht sorgten für Schlagzeilen.

Jetzt leitet Elsayed Muhammed Elshahed die IRPA. "Der Islam sieht nicht ein, wieso der säkulare Weg ein Fortschritt ist", meinte Elshahed vor einem Jahr bei einer Diskussion. "Europas säkulare Gesellschaften sind blutleer. Sie brauchen Blut, das nur die Religionen liefern."

Amir Zaidan lehrt ebenfalls an der IRPA und ist Leiter des Religionspädagogischen Instituts. Bis vor wenigen Jahren war Zaidan in Deutschland, das er aber wegen wachsender öffentlicher Aufmerksamkeit für seine Person verließ. Er gab die so genannte "Kamel-Fatwa" heraus, wonach eine islamische Frau ohne Ehemann nur die Strecke eines eintägigen Kamelritts zurücklegen darf. Als Chefredakteur der neuen "Muslimischen Allgemeinen Zeitung" forderte er "echte" Islamschulen, die nicht mehr dem österreichischen Lehrplan folgen und keine österreichischen Lehrer haben.

Wirbel gab es auch um das Schulbuch "Erlaubtes und Verbotenes im Islam" von Scheich Yusuf Al-Qaradawi. Auf äußeren Druck zog Präsident Schakfeh das Buch zurück, nachdem es bereits zehn Jahre im Unterricht verwendet wurde. In dem Buch wird betont, dass nur Allah sagen kann, was erlaubt und was verboten ist. Gesetze von Menschen sind abzulehnen.

"Fast nur Verbote"

"Ein Hort des Fundamentalismus" ist die IGGiÖ in den Augen von Rusznak. Das betrifft etwa die islamischen Seelsorger. "Die Imame kommen großteils aus Ostanatolien, können kein Wort Deutsch und sind mit der westlichen Gesellschaft nicht vertraut." Das fördere eine negative Einstellung zur hiesigen Gesellschaft. "Was die Imame nicht kennen, verbieten sie rigoros und bald besteht ihr Islam fast ausschließlich aus Verboten."

Die Vorfeldorganisation "Islamische Föderation in Wien" unterhält sehr gute Verbindungen zu der in der Türkei regierenden Partei von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Bereits mehrfach seien Spendengelder für Wahlkämpfe in der Türkei verwendet worden.

Sehr große Mängel sieht Rusznak auch beim Lehrpersonal: "Etliche Religionslehrer haben keine pädagogische oder akademische Ausbildung." Sogar IGGiÖ-Präsident Anas Schakfeh hat keinen akademischen Abschluss.

Heute erteilen 350 Islamlehrer rund 40.000 Schülern Religionsunterricht. Sie werden vom österreichischen Steuerzahler finanziert. Ihre Ausbildung wird allerdings von keiner Institution überprüft.

Printausgabe vom Mittwoch, 03. Jänner 2007
Update: Mittwoch, 11. April 2007 13:55:00

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