Der meistgesuchte NS-Verbrecher und Lagerarzt von Mauthausen soll schon 1992 in Kairo an Krebs gestorben sein
Aribert Heim: Zweifel am Tod von "Doktor Tod"
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Die jahrzehntealteAktentasche von Tarek Hussein Farid alias Aribert Heim. Foto: dpa/zdf
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Fahnder wollen in Ägypten nach Leiche suchen lassen.

Seit den 1980ern nannte sich Heim Tarek Hussein Farid.
Stuttgart/Wien. (kats/apa) Der meistgesuchte NS-Verbrecher Aribert Heim alias "Dr. Tod" ist vermutlich tot. In einer gemeinsamen Recherche haben "New York Times" und das ZDF Zeugen und Dokumente gefunden, die belegen sollen, dass Heim bereits am 10. Aust 1992 an einem Enddarmkarzinom gestorben ist. Sein Sohn Rüdiger, der in Baden-Baden lebt, erklärte in einem Interview, dass er den Vater in Kairo sterben gesehen hat (Kasten).
Heim soll bereits ein Jahr, nachdem er 1962 aus Deutschland geflüchtet ist, in Ägypten untergetaucht sein und dort zunächst unter dem Namen Ferdinand (sein zweiter Vorname) Heim unbehelligt gelebt haben. Anfang der 1980er hat er sich in Tarek Hussein Farid umbenannt und ist zum Islam übergetreten.
Heim, 1914 im steirischen Bad Radkersburg geboren, war 1941 als SS-Arzt in Mauthausen tätig. Davor arbeitete er in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Buchenwald. In Mauthausen soll er hunderte Häftlinge auf brutale Art und Weise umgebracht haben, unter anderem mit Benzin-Injektionen direkt ins Herz. Außerdem wird ihm vorgeworfen, gefährliche Operationen an gesunden Menschen vorgenommen zu haben – oft ohne Narkose und meist mit tödlichem Ausgang.
Grausamer Mord an hunderten Menschen
Das ZDF zitiert aus dem Operationsbuch des Konzentrationslagers: Demnach war Heim für 244 Operationen verantwortlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er entnazifiziert und eröffnete in Baden-Baden eine Frauenarztpraxis. Erst 1962 wurde Haftbefehl gegen Heim erlassen. Zuletzt hieß es, "Dr. Tod", wie er in Mauthausen genannt wurde, halte sich in Südamerika auf, wo nach dem Krieg viele NS-Verbrecher Unterschlupf fanden.
Aus dem baden-württembergischen Landeskriminalamt hieß es, die neuen Informationen seien ernst zu nehmen. Efraim Zuroff, Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, äußert gegenüber der "Wiener Zeitung" allerdings massive Zweifel am Tod des NS-Verbrechers (Interview links).
Deutsche Fahnder wollen in Ägypten nach der Leiche des ehemaligen KZ-Arztes suchen lassen. "Für einen 100-prozentigen Beweis brauchen wir die sterblichen Überreste des Toten", hieß es aus Stuttgart. Und: Bereits 1965 und 1967 habe es Hinweise gegeben, dass Heim in Kairo arbeitete, die ägyptischen Behörden hätten dies aber nicht bestätigen können.
Auch das österreichische Justizministerium lässt die Berichte über den Tod des Arztes prüfen. Bei der Staatsanwaltschaft Linz laufe noch ein Strafverfahren gegen Heim, hieß es.
Printausgabe vom Freitag, 06. Februar 2009
Online seit: Donnerstag, 05. Februar 2009 18:22:00
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