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"Wollen Kirche und Staat trennen"

Walser: Gegen Kulturkampf, für Debatte. Foto: grüne

Walser: Gegen Kulturkampf, für Debatte. Foto: grüne

Aufzählung Interview mit dem grünen Bildungssprecher Harald Walser.

"Wiener Zeitung": (wh) Herr Walser, die Grünen sind für die Verbannung des Kruzifix aus den Schulen. Warum?

Harald Walser:Wir sind von der prinzipiellen Trennung von Staat und Kirche überzeugt, beide Institutionen haben wichtige, aber eben eigene Aufgaben, die nicht vermischt werden sollten. Gerade Österreich hat eine lange Tradition, in der diese notwendige Trennung nicht konsequent befolgt wurde.

Wir wollen aber keinen Kulturkampf vom Zaun brechen. Unser Ziel ist es, dass sich alle Kinder in der Schule wiederfinden – das betrifft Kinder anderer Religionen genauso wie jene ohne Glaubensbekenntnis. Zu diesem Zweck müssen wir natürlich auch über die Rolle des konfessionellen Religionsunterrichts reden: Ich bin ganz klar für einen Ethik- und Religionenunterricht. Alle Kinder sollen gemeinsam über unsere Werte – etwa die Stellung der Frau, Toleranz oder Schwangerschaftsverhütung – diskutieren. Daneben hat aber auch der konfessionelle Religionsunterricht Platz.

Nun ist es aber so, dass viele Menschen sich bereits jetzt in einer multiethnischen Gegenwart nicht mehr wiederfinden und um ihre Identität bangen.

Das ist tatsächlich ein wichtiges und sehr sensibles Thema. Wenn man aber darüber spricht, darf man nicht vergessen, dass in Wien die Katholiken nur mehr eine Minderheit darstellen .. .

Nimmt man diesen mit dem Kreuz nicht auch ein Stück vertrauter Heimat?

Es sind aber eben auch viele neue Identitäten hinzugekommen. Und das Kreuz ist nun einmal ein Symbol, in dem sich nur die christlichen, aber nicht alle Religionen wiederfinden, und schon gar nicht diejenigen, die ohne Bekenntnis sind. Schließlich darf man auch nicht vergessen, dass unser Staat auf den Ideen der Aufklärung beruht und dass auch das christliche Abendland mit der griechischen Antike heidnische Wurzeln hat. Aber noch einmal: Ich bin ausdrücklich gegen die Ausrufung eines neuen Kulturkampfs, sehr wohl aber befürworte ich eine sehr breite Diskussion über dieses wichtige Thema, das alle angeht.

Printausgabe vom Donnerstag, 05. November 2009
Online seit: Mittwoch, 04. November 2009 17:28:00

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