In der Wiener Volksoper wurde Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel" wieder aufgenommen
Knusper, knusper
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Elisabeth Kulman als neuer Hänsel, Mara Zampieri als Knusperhexe. Volksoper Wien
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Von Julia Urbanek
"Hänsel und Gretel" ist sonderbarerweise untrennbar mit Weihnachten verbunden. Liegt es an den unschuldigen Kindern oder sind‘s die Lebkuchen?
Ein wahres Fest jedenfalls war die Wiederaufnahme von Engelbert Humperdincks Kinderoper am Währinger Gürtel. Die Kinderaugen warteten schon ungeduldig auf Hänsel, Gretel und Hexe, die Erwachsenen erinnerten sich bei der schön interpretierten Ouvertüre ihrer eigenen Kindheit. Der Vorhang öffnete sich und enthüllte ein märchenhaftes Bühnenbild (Toni Businger) - ein bescheidenes Holzhaus, alte Fichten - die Stimmung verhieß von Anfang an spannendes Knistern.
Ein fabelhaftes Ensemble beherrschte die Bühne: Wicus Slabbert als Vater Peter genoss seine (letzte) Rolle in vollen Zügen, Elisabeth Kulman und Birgid Steinberger als Hänsel und Gretel harmonierten gut – von den Klassikern "Suse, liebe Suse", "Brüderlein, komm tanz mit mir" bis zum wunderschönen Abendsegen.
Gleich kommt die Hexe
Im dritten Akt wurde es spannend: "Jetzt kommt gleich die Hexe", flüsterte ein kleines Mädchen im Parkett. Und sie kam. Mara Zampieri war die "echte" Knusperhexe - knorrig, bitterböse und herrlich komisch. Einem stimmlichen Teufelsritt folgte ein wilder Ritt auf dem Besen quer durch den Saal – Alt und Jung blieb vor Freude der Mund offen stehen.
Zampieri sang und spielte mit solchem Feuer – bis sie schließlich selbst in diesem landete. Ein Freudenfest. Der Kinderopernklassiker begeisterte auch dieses Jahr. Nach dem ersten Applaus stand die Volksopern-Belegschaft mit Direktor Rudolf Berger und Bundestheater-Chef Springer auf der Bühne. Nach der ersten Irritation war klar: Wicus Slabbert, gerade noch Vater von Hänsel und Gretel, bekam die Ehrenmitgliedschaft der Volksoper verliehen und beendete mit seiner Lieblingsrolle seine Karriere. Nach Bergers langer Rede wetzten die Kinder schon ungeduldig auf ihren Sitzen, die Erwachsenen verabschiedeten den Kammersänger aber mit stehenden Ovationen. Mit Melodien im Ohr ging es hinaus in die kalte Nacht.
Freitag, 23. Dezember 2005 00:00:01