Sängerknaben "dürfen, wollen und werden bauen"
Augarten: Baubeginn mit Baumbesetzung
Von WZ Online

Gegner wollen weiter kämpfen.
Die Bauarbeiten für eine neue Konzerthalle der Wiener Sängerknaben am Augartenspitz sind Montagfrüh endgültig angelaufen. Begonnen wurde mit der Errichtung der Baustelle und Rodungen. Die Gegner besetzten daraufhin das Areal und kletterten auf die Bäume, die gerodet werden sollte.
Ein Teil der Widerständler wurde von der Exekutive entfernt, die Baumbesetzer durften verweilen. Die Sängerknaben wollen vorerst nichts gegen sie unternehmen, kündigten aber an: "Wir dürfen, wollen und werden bauen."
Die Baumbesetzter erhielten am Nachmittag "Unterstützung": Während einer spontan organisierten Kundgebung der Gegner stürmten etwa 15 Personen das Gelände und bildeten eine Menschenkette. Damit wollten sie die Rodungsarbeiten verhindern. "Wir harren aus", versprachen sie. Wie schon am Vormittag wurden einige Beteiligte von der Polizei vom Areal entfernt.
Enttäuscht zeigten sich die Augarten-Aktivisten vom Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S): "Wir haben einen Bürgermeister gewählt, der uns im Stich lässt", ärgerte sich eine Demonstrantin. Das Stadtoberhaupt habe zugesagt, dass es einen Verhandlungstisch geben werde. Jedoch habe bisher kein Gespräch stattgefunden.
Seitens der Sängerknaben wurde heute betont, man werde vorerst nichts gegen jene Aktivisten auf den Bäumen unternehmen, um niemanden zu gefährden. "Wir hoffen weiterhin auf Vernunft und die Einsicht der Gegner, sich mit ihren Argumenten und Forderungen nicht durchgesetzt zu haben", so ein Sprecher auf APA-Anfrage. Nach der Einrichtung der Baustelle erfolge nun als nächster Schritt die Untersuchung des Bodens etwa auf eventuelle Altlasten. Dies sei aber eine übliche Maßnahme bei Bauvorhaben und kein Spezifikum des Konzertsaal-Projekts, wurde betont. Sämtliche rechtliche Bescheide für einen Baubeginn würden jedenfalls vorliegen, wurde betont.
Die Augarten-Aktivisten wollen trotz Baustarts nicht aufgeben: "Es herrscht Alarmstufe Rot", betonte Eva Hottenroth von der Initiative "Freunde des Augartens" im Gespräch mit der APA. Aufgeben komme nicht infrage. Die Bäume sollen bis auf weiteres besetzt bleiben. Gegen 16.00 Uhr hielten sich acht Personen in dem Gehölz auf, darunter auch Raja Schwahn-Reichmann vom "Josefinischen Erlustigungskomitee".
Scharfe Kritik an der "harten Vorgangsweise" übten die Wiener Grünen. Mit Motorsägen gegen die Augarten-Schützer aufzufahren, zeuge nicht vom Willen, den Konflikt friedlich und gemeinsam mit den Anwohnern lösen zu wollen, empörte sich die grüne Planungssprecherin Sabine Gretner in einer Aussendung.
"Erfreut über das konsequente Vorgehen gegen die grünen Fußtruppen am Augartenspitz" zeigte sich hingegen die Freiheitlichen. Falls die "grünengesteuerten Berufsdemonstranten" die Bauarbeiten in ihrer penetranten Selbstgerechtigkeit trotzdem weiter verzögerten, sollten sie mit Schadenersatzklagen eingedeckt werden, so Wolfgang Seidl, Obmann der FPÖ-Leopoldstadt.
Der heutige Baustart erfolgte mit erheblicher Verspätung. Ursprünglich war die Fertigstellung des Musikzentrums Ende 2009 vorgesehen, wobei neben dem unweit gelegenen Filmarchiv, das den Standort für eigene Projekte nutzen wollte, auch das Denkmalamt Bedenken angemeldet hatte. So war der vorgesehene Abriss des Pförtnerhauses und eines Teils der Augartenmauer nicht genehmigt worden, weshalb der geplante Konzertsaal verkleinert und die Kapazität um rund 30 auf insgesamt 380 Sitzplätze reduziert werden musste.
Montag, 08. März 2010 17:45:00
Kommentare zum Artikel:
09.03.2010 16:06:50 Ist die verhöhnung von Bürgern und SIst die Verhöhnung samt Klagsandrohungwendig, FPÖ-Bezirks ......
irgendwas?
Muß sich ein Mandatar, um in der politischen Hierarchie der FPÖ aufsteigen zu können, wirklich auf diese Art und Weise profilieren, indem man sich über Mitmenschen, die sich für eine gerechte Sache einsetzen, lustig macht?
Weiß die FPÖ-Führungsmannschaft von diesen verbalen Entgleisungen gegen "das Volk", das sie ja als Opposition in Wien auch zu vertreten vorgibt?
Ist das nur der "normale Haß" auf möglicherweise Andersdenkende?
Werden diese Unterläufeln in der Person von diesem Bezirksmandatar Seidl als "Mann fürs Grobe" von ihren Vorgesetzen vorgeschickt und somit ebenfalls nur mißbraucht?
Wie weit - tief - ist es in Wien schon gekommen, daß solche Vorfälle geschehen (können) - Wiener gegen Wiener, Exekutive gegen unbescholtene Bürger!
Dieses gesellschaftspolitische Desaster wird in den Medien berichtet und die Politik geht zur Tagesordnung über!?
Ist für diesen Sittenverfall niemand zuständig? Alle auf Urlaub? Sitzen am Klo?
Klärende Worte, bitte, das darf einfach nicht sein - wie weit bzw. entsetzlich TIEF soll es in dieser Stadt noch kommen?
Eine Schande ist das! Sofort deeskalierend eingreifen, die Bürger müssen gehört werden, nicht verhöhnt, verspottet, zum Äußersten getrieben und aufeinander gehetzt werden!
Und bitte keinen Beifall der ÖVP zu diesem Debakel, die haben ein gerüttelt Maß an Schuld auf sich geladen, der Käse-Olympionike Norbert Walter, Obersänger"knabe" Nettig u.a. Pfui!
Cassandra
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09.03.2010 08:19:31 denkmalgeschützte Parkanlagen
Hmm ...der Park wird von den Bauarbeiten überhaupt nicht berührt. Gebaut wird auf einen kleinen Areal zwischen Castelletzgasse und Augartenstraße, das vor einigen Jahren noch eine Tankstelle war. Dieses Areal war noch nie öffentlich zugänglich. Die Berufsquerulanten versuchen absichtlich durch Verteilung falscher Informationen schlechte Stimmung in der Bevölkerung zu machen.
TK
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08.03.2010 21:49:56 Warum gerade dort ein sog "Musikzentrum"?
Menschen, die denkmalgeschützte Parkanlagen in Wien vor Verbauung schützen wollen als "grünengesteuerte Berufsdemonstranten" zu bezeichnen ist schon unglaublich! Andere Städte wären froh, so etwas, wie den Augarten zu haben und wir ruinieren einfach alles aus Geldgier!
jk
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