Nach Mobbing-Urteil: Erstmals spricht Opfer – Berufung noch nicht fix
"Ich dulde keine Diskriminierung"
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Tatort Wiener Linien: Gericht sah Mobbing. Foto: apa
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Von Christian Mayr

Stadtwerke-Chef will Täter ausforschen.

Ex-Personalvertreter attackiert Betriebsrat.
Wien. Das Mobbing-Urteil gegen die Stadt Wien bringt die Rathaus-Verantwortlichen gehörig unter Druck: Wie berichtet, klagte ein homosexueller, jahrelang diskriminierter Straßenbahner vor dem Wiener Arbeitsgericht erfolgreich gegen seine Kündigung. Die Wiener Linien hatten den 37-jährigen Roland Rollenitz rechtswidrig gekündigt, nachdem er wegen fortgesetzten Mobbings erkrankt war.
Während das Opfer erstmals in der "Wiener Zeitung" zu seinem Fall Stellung nimmt (siehe untenstehendes Interview), versucht die Gegenseite in die Offensive zu gehen: Felix Joklik, Generaldirektor der Wiener Stadtwerke und damit oberster Chef der Wiener Linien, kündigt eine interne Prüfung der Vorwürfe an: "Wir sind ein vorbildlicher Dienstgeber. Wenn es erwiesene Diskriminierung gegeben hat, werden wir das dienstrechtlich ahnden." Die im Verfahren als Zeugen geladenen Mitarbeiter würden zu den Vorwürfen befragt. "Der Richter hat ein Beweisverfahren geführt und seine Schlüsse gezogen. Jetzt müssen wir uns beschäftigen, ob die Schlüsse richtig waren", so Joklik zur "Wiener Zeitung".
Er stellt weiters klar, dass er weder Diskriminierungen noch Nazi-Sprüche (wie im Urteil aufgelistet) dulde: "Ich lehne so etwas ab." Noch keineswegs fix sei, dass das Urteil berufen werde: "Das müssen wir uns erst überlegen."
"Sache ist kriminell"
Dass die Wiener Linien erst nach so vielen Jahren den Vorwürfen nachgehen wollen, findet der frühere Personalvertreter Gerhard Eder "skandalös". Er hat Rollenitz damals als unabhängiger Gewerkschafter geholfen – "gegen die Phalanx der SPÖ-Fraktion". Dass, wie berichtet, auch Personalvertreter beim Mobbing beteiligt waren, ist für Eder schlicht "kriminell": "Selbst im Dienststellen-Ausschuss hieß es einmal, man werde Rollenitz so viele Eier legen, dass er sich selber ,schleicht‘", berichtet Eder. "Letztlich blieb nur mehr der Gang vor Gericht."
Karl Kaiser, oberster Betriebsrat der Wiener Linien, kennt das Urteil noch nicht; zudem sei er damals auch nicht für die Causa verantwortlich gewesen. Ist es möglich, dass selbst Personalvertreter mobben? "Wenn es wirklich so ist, ist es traurig. Dann ist der Mitarbeiter ein armer Hund." Einen Straßenbahnfahrer, der im Gerichtsurteil als Mobber identifiziert wurde, verteidigt Kaiser jedoch: "Das ist ein netter Kerl und lieber Kollege."
Keinen Kommentar zum brisanten Urteil gibt es von der Stadtpolitik: Sowohl Bürgermeister Michael Häupl als auch seine Vize Renate Brauner (SPÖ) wollen zu einem "laufenden Verfahren" nicht Stellung nehmen.
Interview
Toleranz der Politiker ist doch nur Show
Printausgabe vom Mittwoch, 16. April 2008
Online seit: Dienstag, 15. April 2008 17:41:00
Kommentare zum Artikel:
04.03.2009 12:13:34 Soziale Intelligenz
Ich habe erst gestern, 3.2.2009 in Thema/ORF den Bericht über Mobing bei den Wiener Linien gelesen. Mich wunderts nicht - die Personalchefs wählen die Mitarbeiter nach der niedrigsten sozialen Intelligenz aus. Traurig.
Birgit Hoiller
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21.06.2008 08:39:21 Gemeinsam gegen Mobbing
Gemeinsam gegen Mobbing - Mitmach - Aktion: Es sind nicht immer viele Worte notwendig um etwas zu verändern, was selbsverständlich sein sollte, - dem ist leider nicht so - daher hoffe ich doch sehr, dass sich hier noch viele gegen Mobbing und Gewalt aussprechen! Jeder Vorschlag, jedes Statement, jede Idee ist willkommen. DANKE!
Mitmach - Aktion:
Gesichter und Stimmen gegen Mobbing:
http://www.mobbing-web.de/html/politiker_zu_mobbing_.html
MfG Klaus-Dieter May www.mobbing-web.de Überregionale private Bürgerinitiative seit 1999 "NON PROFIT PROJEKT"
Klaus-Dieter May
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28.04.2008 17:53:08 Was war mit der Mobbingprävention
Das Recht der Europäischen Gemeinschaft verankert den umfassenden Schutz insbesondere vor allen arbeitsbedingten Erkrankungen der Beschäftigten gemäß der Zielsetzung des Artikel 1 der Richtlinie 89/391/EWG. Verwunderlich ist, dass Mobbing offensichtlich ungehindert seinen Lauf nahm. Trotz der Pflicht des Arbeitgebers zur "wirksamen" Prävention. Naheliegend ist deshalb eine nicht adäquate Umsetzung des Gemeinschaftsrechts im betr. Unternehmen bzw. scheint es, dass weder ein griffiges und mobbingspezifisches Beschwerdesystem noch eine zielführende Personalentwicklung im vorliegenden Unternehmen eine Rolle spielte.
Sich.-Ing.Jörg Hensel www.mobbing-gegner.de www.workwatch.eu
Sich.-Ing.Jörg Hensel
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19.04.2008 11:16:21 Kein Einzelfall
Dies ist kein Einzelfall und betrifft nicht nur die Straßenbahn! Bei der U-Bahn sind unzählige Fälle von Mobbing gerichtsanhängig und die Verursacher sind der Personalabteilung und Geschäftsführung bzw. Personalvertretung Hr. Kaiser bekannt und es wird nicht dagegen unternommen.Den Betroffenen bleibt nur der Weg zu Gericht und dieser Weg ist mühsam und mit vielen Hindernissen durch die Wiener Linien verbunten.
johann scheidl
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