Nach Wien-Mitte und Komet-Projekt: Erneut Planänderung wegen Gefahr für Weltkulturerbe
Hauptbahnhof-Turm schrumpft
|
Flächentausch: Der Turm der Bahnhof-City wird kleiner als 100 Meter, dafür wächst die ÖBB-Zentrale. Foto: ÖBB
|
|
Von Christian Mayr

Stadt reagiert auf Kritik der Unesco.

Bahnhof-City-Turm auf unter 100 Meter.

Neue ÖBB-Zentrale wird dafür höher.
Wien. Beim geplanten neuen Hauptbahnhof in Wien überschlagen sich derzeit die Ereignisse. Nachdem die ÖBB am Freitag den Bericht der "Wiener Zeitung" über die vorläufige Nicht-Ausschreibung der Bahnhof-City bestätigten, gibt es nun die nächste Überraschung: Der bisher mit 100 Metern geplante Turm neben der Bahnhofshalle am Südtiroler Platz soll deutlich schrumpfen, um der Kritik der Unesco in Sachen Weltkulturerbe Rechnung zu tragen. Im Gegenzug wächst das vom Belvedere nicht sichtbare Hochhaus an der Sonnwendgasse, in dem die ÖBB ihre neue Zentrale einrichten werden (siehe
Grafik ).
ÖBB-Sprecherin Bettina Gusenbauer bestätigt diese Neuentwicklung gegenüber der "Wiener Zeitung": "Es stimmt, dass es diesen Abtausch geben wird. Die Stadt Wien ist an uns herangetreten. Das vordere Gebäude wird jetzt kleiner, dafür gibt es im hinteren Gebäude mehr Kubatur."
Wie hoch genau der vordere Turm der neuen Bahnhof-City ausfallen wird, sei noch offen, da die ÖBB – wie berichtet – zunächst einen Verkauf anstreben. Noch gebe es weder exakte Bebauungsbestimmungen noch Kriterien für einen Architekturwettbewerb. "Es werden aber weniger als 100 Meter sein", so die ÖBB-Sprecherin.
Fix ist hingegen bereits die Höhe der künftigen ÖBB-Zentrale, die nun auch offiziell ausgeschrieben ist (siehe Amtsblatt Seite 34): Statt der ursprünglich im Masterplan fixierten 60 Meter werden es jetzt exakt 88 Meter. "Man wird diesen Turm vom Belvedere aus nicht sehen können", erklärt Gusenbauer.
Damit muss die Stadt Wien erneut ein Bauprojekt wegen der Nähe zum Weltkulturerbe umplanen – nach Wien-Mitte im Jahr 2003 und dem Komet-Turm nahe Schönbrunn 2006. Gerade beim Hauptbahnhof hatte der Unesco-Denkmalrat Icomos zuletzt den Druck erhöht und vehement eine Überprüfung plus Korrektur der insgesamt zwölf Hochhäuser auf dem Areal eingefordert. "Die visuelle Intaktheit des Belvedere-Schlosses und -Parks würde zerstört", hieß es etwa im jüngsten Bericht der Icomos zu Wien.
"Gebäude gleich hoch"
Aus dem Büro von Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SPÖ) gab es am Freitag dazu keinen Kommentar. Von der grünen Planungssprecherin Sabine Gretner kam die Aufforderung an Schicker, sich um die architektonische Qualität der Bahnhof-City zu kümmern, wenn diese an Private verkauft wird. Wie berichtet, muss ein privater Investor ja keinen EU-weiten Wettbewerb ausloben.
Georg Pendl, Präsident der Architektenkammer, der den geladenen Erstwettbewerb zur Bahnhof-City einst scharf kritisiert hatte, lobt nun die ÖBB, da sie zumindest ein Teil-Projekt öffentlich ausgeschrieben haben. "Das ist ein erster Schritt." Pendl geht davon aus, dass beide Gebäude letztlich gleich groß werden – also rund 88 Meter.
Printausgabe vom Samstag, 17. Jänner 2009
Online seit: Freitag, 16. Jänner 2009 18:27:00
Kommentar senden:
* Kommentare werden nicht automatisch veröffentlicht. Bitte beachten Sie unsere Regeln.
Die Redaktion behält sich vor Kommentare abzulehnen. Wenn Sie eine Veröffentlichung Ihrer Stellungnahme als Leserbrief in der Druckausgabe wünschen, dann bitten wir Sie auch um die Angabe einer nachprüfbaren Postanschrift im Feld Postadresse. Diese Adresse wird online nicht veröffentlicht.