Theater Rabenhof: Der Film-Schurke Fantomas feierte in einem beschwingten "Action-Musical" Premiere
Mit der Lizenz zum Lachen
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Gelingt es Fantomas (Bernhard Majcen) und Lady Bedford (Lucy McEvil), Chaos zu verbreiten? Foto: Stefan Csáky
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Von Brigitte Suchan

Vom Hauptkommissar in Paris zum Gendarmen in St. Tropez degradiert: Der Polizist Delacroix hat’s nicht leicht. Seit Fantomas seine Frau, die er zärtlich Rehlein nennt, entführt hat, besteht seine Hauptbeschäftigung darin, den Verbrecher mit dem blauen Gesicht zu jagen und Nacktbadern am Strand von St. Tropez das Handwerk zu legen.
Alle glauben, dass Delacroix einem Hirngespinst nachjagt – bis Fantomas wieder aktiv wird. Mit einer Gender-Laserstrahlenkanone will er die Geschlechter der Menschen umwandeln und so weltweit Chaos stiften. Damit die Laserstrahlenkanone funktioniert, muss er jedoch erst den Diamanten "Fantastical Fly" stehlen. Doch Fantomas und seine Begleiterin Lady Bedford haben die Rechnung ohne die tapfere Alizee gemacht. Kommt das jemandem bekannt vor?
Fantomas treibt sein Unwesen neuerdings in Wien-Landstraße im Theater Rabenhof und ist zum Musicaldarsteller avanciert. Der Plot des frankophilen Action-Musicals "Fantomas" ist eine bunt zusammengewürfelte Collage aus Filmen wie "Pink Panther", "Der Gendarm von St. Tropez" oder der Fantomas-Reihe mit Louis de Funès und Jean Marais.
Peppiger Soundtrack
Der Wiener Theatermacher Peter Waldeck hat für seine Truppe "Casa del Kung Fu" ein witziges Drehbuch mit pointierten Dialogen geschrieben und führt auch Regie. Sein Bruder Klaus Waldeck hat, vom Sound der 60er und 70er Jahre inspiriert, einen peppigen Soundtrack komponiert. Gespielt wird übrigens live auf der Bühne.
Ein gut aufgelegtes Ensemble agiert mit Tempo und Spiellust und macht vergessen, dass die Bühne des Theaters Rabenhof für eine Musicalproduktion eigentlich viel zu klein ist.
Im Hintergrund illustriert ein animierter Comicstrip den jeweiligen Ort des Geschehens (Bühne: Erich Sperger), und das Publikum muss nicht einmal auf die Genre-üblichen rasanten Verfolgungsjagden verzichten. So viel Fantasie und Einfallsreichtum würde man zuweilen sehr viel größeren Häusern wünschen. Sogar eine Tanztruppe schwingt beherzt und behände die Beine (Choreografie: Roderich Madl und Alexandra Schmid) und sorgt damit für den nötigen Glamour.
Die Darsteller singen, tanzen und spielen, was das Zeug hält und werden tatkräftig vom Publikum unterstützt: irgendwie eine Art Kasperltheater für Erwachsene. Bernhard Maj cen als Fantomas und Lucy McEvil als grausame Lady Bedford an seiner Seite sind so richtig böse und gemein, aber zum Glück für die Welt nicht klug genug. "Wir sollten endlich anfangen, bessere Wissenschafter zu töten", meint etwa Lady Bedford als Conclusio zur fehlgeschlagenen Geschlechterumwandlung.
Filmkenntnisse hilfreich
Auf der Seite der Guten kämpfen Markus Kofler als Delacroix, Richard Schmetterer als Sergeant Buffot und Klara Steinhauser als Alizee. Alexandre Fedorenko gibt einen smarten Conferencier im weißen Anzug, der auch gut in eine Bar an der Côte d’Azur passen würde. Zum Verständnis hilft die Kenntnis zumindest einiger der zitierten Filme, aber Spaß hat man auch so. "Fantomas" hat jedenfalls das Potenzial zum Kultmusical.
Musical
Fantomas
Theater Rabenhof Tel.: 01/712 82 82 Wh.: 21., 22. November, 3. bis 11. Dezember
Printausgabe vom Freitag, 21. November 2008
Online seit: Donnerstag, 20. November 2008 16:41:00
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