Kunsthalle Leoben: "Das Gold der Steppe. Sensationsfunde aus Fürstengräbern der Skythen"
Hirsche vom Baum des Lebens
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Tiermotive zieren ein skythisches Diadem aus dem 1. Jahrhundert nach Christi Geburt (Replik). Foto: Staatliche Eremitage Sankt Petersburg
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Ein geheimnisvolles Volk: Reiternomaden waren sie, bewandert in der Kunst des Bogenschießens. Sie hinterließen keinerlei schriftliche Aufzeichnungen. Was wir über die Skythen wissen, wissen wir aus anderssprachigen Quellen. Der Kunst dieses seltsamen Volkes geht nun die Kunsthalle Leoben nach.
In Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum – noch unter wissenschaftlichem Konzept von Wilfried Seipel – zeigt also die Kunsthalle Leoben, nach ihren Ausstellungen mit Schätzen aus China, Japan und zuletzt jenen der Wikingern, die reichen Grabbeigaben der Skythen und Sarmaten. Diese Steppenvölker beherrschten ab der Bronzezeit Eurasien von den Karpaten bis an die Grenzen Chinas. Als Nomadenvölker entwickelten sie bis zum Überfall der Hunnen, Awaren und Mongolen eine eigenständige Kultur. Zuvor hatten sie die Perser unter Daraios trotz der gemeinsamen indoeuropäischen Sprache bekämpft und mit der Taktik verbrannten Erde geschlagen.
In Wien wurden bereits 1988 und 1993 Goldfunde aus den Königsgräbern, den sogenannten Kurganen, gezeigt. Damals waren es reine Kooperationen mit der Eremitage von St. Petersburg, während in Leoben die Museen der Ukraine (Kiew) und aus Kasachstan (Asow) mit im Boot sind.
"Das Gold der Steppe" war 1991 bereits Titel einer wissenschaftlichen Schau in Schleswig, an welcher der Spezialist Hermann Parzinger aus Berlin auch beteiligt war. Er hat die letzten Ausgrabungen von Kurganen mit betreut - dabei einen der seltenen unberührten Funde. Das Gold der Skythen war nämlich schon ab der Spätantike Anreiz für Grabräuber. Es ist der neuste Stand der Wissenschaft, der dem Publikum von Leoben in einer Architektur und mit Rekonstruktionen (zuständig ist der Architekt Arno Grünberger) geboten wird.
Krieger und Künstler
Die Skythen galten als verwegene Reiter und Bogenschützen, ihr großer Stolz waren daher diese Waffe, mit der sie auch Giftpfeile abschossen, und die Pferde, die reich geschmückt mit ihren Fürsten ins Grab gelegt wurden. Neuntausend Zierplättchen aus Gold können auf eine Pferdedecke genäht sein. Dies wird neben Filmen von Ausgrabungen mit Figuren vor Augen geführt, um nicht allein mit Vitrinen für die aus Goldblech gefertigten Schmuckstücke und Waffen aufzuwarten. Neu gegenüber Wien sind viele Kombinationen von Gold und Halbedelsteinen aus den Gräbern der Sarmaten, die ab dem 2. Jahrhundert vor Christus die Skythen auf die Krim zurückdrängten.
Die wohl von griechischen Künstlern gefertigten bekanntesten Schmuckstücke (ein Brustschmuck und ein Diadem) mit typischen Tierstilmotiven verlassen heute nur noch als Kopien Kiew und St. Petersburg. Sie zeigen sie den regen künstlerischen Austausch zwischen den Ländern der Antike. Neben interessanten Götterfiguren wie Papaios, Skythiens Zeus, waren, wie bei vielen Nomaden, auch die Tiere heilig: Das Pferd taucht als geflügeltes Himmelsross auf, dazu bewacht das Mischwesen Greif das Gold, und der Hirsch war wohl ein Totemtier bei teils grausam anmutenden schamanistischen Tötungsritualen am Fürstengrab.
Sensationell ist die Auffindung einer durch Frost konservierten Königsmumie 2006 aus dem südsibirischen "Siebenstromland", dem Altaigebiet. Sie beweist nämlich die den ägyptischen nicht unähnlichen Konservierungsmethoden und Grabriten, von denen bereits der griechische Historiker Herodot berichtet. Der Tätowierte hatte Verletzungen und Knochenschwund, wie man es bei einem kriegerischen Reiter von etwa 60 Jahren erwartet. Haar und Bart waren blond, was auf europäisches Aussehen weist und nicht auf einen östlich mongolischen Typ. Das entspricht dem Erscheinungsbild des Anacharsis, jenes skythischen Schamanen, den die Griechen schon 600 zu einem der sieben Weisen der Antike ernannten. Mit ihm hatte sich Joseph Beuys, Fluxus-Künstlerstar der Achtzigerjahre aus dem Rheinland, identifiziert. Die Skythen bleiben also nicht nur durch die faszinierenden Funde als Ursprung Europas im Osten für uns interessant.
Ausstellung
Gold der Steppe
Sensationsfunde aus Fürstengräbern der Skythen und Sarmaten
Konzept: Wilfried Seipel
Kunsthalle Leoben
Zu sehen bis 26. Oktober
Printausgabe vom Mittwoch, 30. September 2009
Online seit: Dienstag, 29. September 2009 16:33:21
Kommentare zum Artikel:
11.12.2009 23:54:45 Beuys und Anacharsis
Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen. Ich hatte die Suchbegriffe Beuys und Skythen eingegeben, weil ihm und ihnen u. a. die Verehrung Geweih tragender Tiere, wie Hirsch und Elch, gemeinsam ist. Mir ist bisher nur bekannt gewesen, dass Beuys einen Baron Anacharsis Cloots, der wie er aus Kleve stammte und in der französischen Revolution als "Redner des Menschengeschlechtes" auftrat und das mit seinem Tod unter dem Fallbeil bezahlte, so sehr verehrt hat, dass er zeitweise sogar seine Werke mit "Anacharsis Cloots Beuys" signierte. Ob dieser niederrheinische Anacharsis nach dem von Ihnen erwähnten benannt wurde, halte ich für denkbar, es müsste noch erforscht werden. Ich bin seit 1997 als Führerin im Museum Schloss Moyland (am Niederrhein in der Nähe von Kleve)tätig. Dort gibt es den weltweit größten Bestand von etwa 6000 Beuys-Werken innerhalb der Sammlung van der Grinten. Ich hoffe auf eine Rückmeldung von Ihnen Mit freundlichen Grüßen
Kühnen Gerda Maria
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11.12.2009 23:53:14 Beuys und Anacharsis
Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen. Ich hatte die Suchbegriffe Beuys und Skythen eingegeben, weil ihm und ihnen u. a. die Verehrung Geweih tragender Tiere, wie Hirsch und Elch, gemeinsam ist. Mir ist bisher nur bekannt gewesen, dass Beuys einen Baron Anacharsis Cloots, der wie er aus Kleve stammte und in der französischen Revolution als "Redner des Menschengeschlechtes" auftrat und das mit seinem Tod unter dem Fallbeil bezahlte, so sehr verehrt hat, dass er zeitweise sogar seine Werke mit "Anacharsis Cloots Beuys" signierte. Ob dieser niederrheinische Anacharsis nach dem von Ihnen erwähnten benannt wurde, halte ich für denkbar, es müsste noch erforscht werden. Ich bin seit 1997 als Führerin im Museum Schloss Moyland (am Niederrhein in der Nähe von Kleve)tätig. Dort gibt es den weltweit größten Bestand von etwa 6000 Beuys-Werken innerhalb der Sammlung van der Grinten. Ich hoffe auf eine Rückmeldung von Ihnen Mit freundlichen Grüßen
Kühnen Gerda Maria
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