Lage im vergangenen Monat in Teilbereichen verschlechtert – Experte warnt vor Staatseingriffen in die Wirtschaft
Wenig Hoffnung für US-Konjunktur
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Amerika steht wirtschaftlich vor schweren Entscheidungen. Foto: bb
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Abwärtstrend lässt nur in einzelnen Regionen der Vereinigten Staaten nach.

Löhne in den USA mit fallender Tendenz.

Banken zahlen Geld aus Staatshilfe zurück.
Washington/Wien. (fst/wak) Zwar gibt es vereinzelte Anzeichen für eine Verlangsamung des Konjunkturabschwungs in den USA, aber insgesamt ist das Bild weiterhin düster. Dies geht aus einer jüngst veröffentlichten Studie ("Beige Book") der US-Notenbank hervor. Danach hat sich in fünf der zwölf Bezirke der Federal Reserve (Fed) der Konjunkturabschwung "gemäßigt", aber in allen Regionen blieb die Wirtschaft "schwach oder hat sich weiter verschlechtert". Auf Verbesserungen in fünf Bezirken hatte die Fed bereits in ihrem "Beige Book" vor rund zwei Monaten hingewiesen. Die Gesamtlage sei im Mai schlecht geblieben und habe sich in Teilbereichen weiter verschlechtert. Trüb sieht es den Währungshütern zufolge besonders auf dem Arbeits-, Immobilien- und Kreditmarkt aus.
Der Arbeitsmarkt bleibe schwach, hieß es in dem Bericht. Die Löhne seien überwiegend unverändert geblieben oder gefallen. In einigen Distrikten habe sich die Abwärtsbewegung jedoch verlangsamt.
Die Fed stellte ferner fest, dass sich die Erwartungen der Unternehmen insgesamt verbessert hätten. Dennoch werde befürchtet, dass es bis zum Ende des Jahres keinen "wesentlichen Anstieg der wirtschaftlichen Aktivitäten" geben werde. Die Zentralbank und viele namhafte Volkswirtschaftler hatten in der jüngsten Zeit wiederholt ein Ende der Rezession im zweiten Halbjahr 2009 vorausgesagt.
Bei einer Veranstaltung in der Österreichischen Kontrollbank in Wien warnte derweil der US-Ökonom Timothy Kehoe von der Universität von Minnesota – er bezeichnet sich selbst als Obama-Wähler – davor, dass die aktuelle Krise von der Politik noch verschlimmert wird. Schock-Ereignisse könnten Wirtschaftszyklen nach unten drehen, aber erst die falsche Reaktion der Politik mache daraus große Depressionen, sagte Kehoe. "Diese massiven Bail outs (Rettungspläne) der Regierungen werden uns noch killen."
Mexiko als große Warnung
Als Beispiel nannte der US-Ökonom Mexiko. Das Land habe in einer Krise in den 80er Jahren künstlich versucht, den Markt am Leben zu erhalten, Banken wurden verstaatlicht, Kredite verschenkt. Das Resultat: Die mexikanische Wirtschaft dümpelte zehn Jahre lang vor sich hin. "Unproduktive Unternehmen müssen sterben, egal ob es sich um Banken oder um Autofirmen handelt. Kein Unternehmen sollte als ‚zu groß zum Sterben‘ qualifiziert werden." Seines Erachtens sollten die Aktionäre von Banken alles verlieren, Sparer ihr Geld auf einem Konto aber zu 100 Prozent zurückbekommen: "Das hat bisher bei kleinen Banken immer funktioniert."
Rund 600 US-Geldhäuser nahmen 2008 die Staatshilfe in Anspruch. Acht Banken mussten damals regelrecht dazu gezwungen werden, ihr Eigenkapital aufzustocken. Der US-Finanzminister Timothy Geithner hat diese Woche nun zehn Banken erlaubt, das Hilfsprogramm zu verlassen und die Staatshilfe von fast 70 Mrd. Dollar zurückzuzahlen. Zu den Aussteigern gehören unter anderem JP Morgan und Goldman Sachs.
Nach heftiger Kritik an den hohen Gehältern von Top-Managern in den USA verschärft indes Präsident Barack Obama den Druck auf Spitzenverdiener. Für die Regierung soll der "New York Times" zufolge künftig der prominente Anwalt Kenneth Feinberg die Einkünfte der 175 höchstbezahlten Beschäftigen von sieben der größten US-Unternehmen festlegen, die milliardenschwere Staatshilfen erhalten hatten. Die Praxis der Managerbezahlung sei eine von mehreren Ursachen der Wirtschaftskrise gewesen, erklärte Geithner.
Printausgabe vom Freitag, 12. Juni 2009
Online seit: Donnerstag, 11. Juni 2009 18:03:22
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