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Die Telekom Austria schwenkt auf Sanierungskurs und will Synergie-Effekte im harten Marktumfeld heben

Mobilfunk und Festnetz vor Fusion

Hannes Ametsreiter, Chef der Telekom Austria AG, muss voraussichtlich bald nur mehr mit einem Konzern – statt mit zwei Unternehmen – hantieren. Foto: apa/Pfarrhofer

Hannes Ametsreiter, Chef der Telekom Austria AG, muss voraussichtlich bald nur mehr mit einem Konzern – statt mit zwei Unternehmen – hantieren. Foto: apa/Pfarrhofer

Aufzählung Vorstand wird sich wahrscheinlich für Zusammenlegung der Sparten entscheiden.
Aufzählung Vertrag: Bis zu 500 Festnetz-Beamte kommen zur Polizei.

Wien.(wak/fst) Die Zusammenlegung der Mobilfunksparte mit dem Festnetz bei der Telekom Austria Holding scheint sicher zu sein. Vergangene Woche gab der Aufsichtsrat dem Vorstand den Auftrag, das Für und Wider einer Fusion zu prüfen. Die Ergebnisse sollen in der Aufsichtsratsitzung am Mittwoch, den 9. Dezember, präsentiert werden.

Wie die "Wiener Zeitung" aus Konzernkreisen erfuhr, verdichten sich die Hinweise, dass aus der Sicht des Vorstands der Telekom Austria die Fusion so gut wie fix vorgeschlagen und präsentiert wird.

Mitarbeiter der Telekom Austria äußerten sich gegenüber der "Wiener Zeitung" von den Plänen überrascht und besorgt. Dass die Belegschaft einer Fusion mit Bangen entgegensieht, liegt auf der Hand. Denn eine Zusammenlegung bringt – neben Synergieeffekten – auch einen Stellenabbau mit sich, der nicht nur die ungeliebten Beamten treffen wird, sondern bei dem auch um die 4000 Angestellte ins Fadenkreuz geraten werden.

Die Telekom Austria hat harte Zeiten vor sich. Das teilstaatliche Unternehmen hat zwar den Schwund im Festnetz stoppen können, aber die Gewinne im Mobilfunk sind in Österreich zum ersten Mal seit Beginn des Handyzeitalters rückläufig. Das trifft die ganze Branche – der Verdrängungswettbewerb wird dementsprechend schärfer. In Österreich operieren neben der Mobilkom Austria mit "A1" (Marktanteil: rund 42 Prozent), auch die österreichische Tochter der Deutschen Telekom – T-Mobile – (32 Prozent), und Orange – Tochter der France Telecom – (20 Prozent). Daneben ist noch der chinesische Anbieter Hutchinson ("3") mit rund 6 Prozent am Markt – Brancheninsider gehen davon aus, dass sich "3", sobald ein Käufer gefunden wurde, aus dem Markt zurückzieht.

Dann blieben neben der Telekom Austria nur die Deutsche Telekom und die France Telecom – größenmäßig Nummer zwei und drei auf dem europäischen Markt. "Gegen die muss man gut aufgestellt sein. Eine Fusion würde die Mobilfunksparte A1 stattdessen lahmlegen", fürchtet ein anonym bleiben wollender Mitarbeiter der Mobilkom.

Kostensenkung im härteren Marktumfeld

Bernd Maurer, Analyst bei der Raiffeisen Centrobank, sieht hingegen vor allem Vorteile bei der Fusion: "Durch das Entfernen von Doppelgleisigkeiten werden die Kosten gesenkt. Zudem wird es für den Kunden einfacher: Da die Telekom Austria inzwischen viele Bündelprodukte vertreibt, bekommt der Kunde in Zukunft nur noch eine Rechnung statt drei oder vier."

Allerdings werde es durch den Abbau von Stellen zu einmaligen Belastungen kommen – bei der British Telecom hat sich aufgrund der Stellenstreichungen der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr halbiert.

Eine weitere offene Flanke bei der Telekom Austria ist das Geschäft im einst boomenden Osteuropa: Durch die Währungsabwertung verlor die Telekom Austria wegen der Abschreibungen in Weißrussland und Serbien 352 Millionen Euro. "Da ist es vollkommen klar, dass das dritte Quartal der Telekom Austria negativ war", meint Maurer. Der Analyst gibt zusätzlich zu bedenken, dass die Margen im Mobilfunk zwar noch immer hoch sind, man aber in diesem Geschäftsfeld von Jahr zu Jahr weniger verdient – ein weiterer Grund, warum das Unternehmen erschlanken sollte.

Deutsche Telekom will ebenfalls fusionieren

Die Telekom Austria springt dabei auf einen Trend auf: Auch die Deutsche Telekom hat diese Woche angekündigt, die Festnetzsparte T-Home und die Mobilfunksparte T-Mobile in Deutschland zusammen zu legen. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Hannover stimmten 99,95 Prozent des vertretenen Aktienkapitals für den Konzernumbau.

Telekom-Chef Rene Obermann hatte zuvor massiv für die Pläne der Konzernleitung geworben. "Jetzt ist die richtige Zeit für die Zusammenführung des Mobilfunk- und Festnetzgeschäfts", betonte der Vorstandsvorsitzende. Der Konzern werde dadurch künftig besser in der Lage sein, integrierte Lösungen und Dienstleistungen aus einer Hand anzubieten.

Zumindest das Beamtenproblem scheint die Telekom Austria mittlerweile in den Griff zu bekommen. Am Mittwoch machte die Telekom Austria den Wechsel von bis zu 500 Telekom-Beamten (aus dem Festnetz) zur Polizei bekannt.

Post und Telekom Austria unterzeichneten mit der Regierung eine Vereinbarung, wonach ab sofort jeweils bis zu 500 – insgesamt bis zu 1000 – unkündbare Beamte aus ihrem Betrieb freiwillig zur Polizei wechseln können. Wie sich die Stellen zwischen Telekom und Post aufteilen werden, lässt sich noch nicht abschätzen. Telekom-Boss Ametsreiter sprach jedenfalls von einer "Win-win-Situation für alle Beteiligten", Post-Chef Georg Pölzl von einem "Schritt in die richtige Richtung". Die Beamten sollen die Exekutive durch die Übernahme von administrativen Tätigkeiten entlasten. Der Pilotversuch der Umschulungen startete bereits Anfang September.

Die Telekom Austria wird die Gehälter dieser Beamten bis zum 30. Juni 2014 bezahlen und wird gleichzeitig den Beamten etwaige Gehaltseinbußen und Pensionsbeiträge ausgleichen sowie eine Sonderzahlung in der Höhe von 6000 Euro im Jahr als eine Art Prämie für den Wechsel bis zur Pensionierung leisten.

Printausgabe vom Freitag, 27. November 2009
Online seit: Donnerstag, 26. November 2009 18:36:00


Kommentare zum Artikel:

03.12.2009 17:40:16 Zu spät
dann ruf mal beim Regulator an , warum es keine günstegen Tarife von A1 zum Telekom Festnetz gab !
Hugo Meisl
27.11.2009 10:57:18 Telekom Austria
Axel
27.11.2009 08:56:59 Zu spät!
Als ich vor 8 Jahren das Festnetz aufgab, meinte ich: Wenn A1 nicht so unverschämt hohe Gebühren in das "eigene" Festnetz hätte, würde ich es nicht abmelden. Schon damals hatte man als Telefonkunde keinerlei Begünstigungen bei A1. Welch ein Fehler! Nun versucht man ihn zu korrigieren. Zu spät! Übrigens ist A1 noch immer am trickreichsten um seine über dem Durchschnitt liegenden Tarife schönzureden.
Dkfm. Hugo Zsolnai
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