Finanzkrise bescherte bisher über 460 Mrd. Euro Verluste allein in Europa
Wie gefährlich ist die Lage?
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IWF-Chef Strauss-Kahn will mehr Überwachung. Foto: reu
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IWF macht für Reformen Stimmung.

RZB-Analyst: Verstaatlichung auf Zeit wäre sinnvoll.
Washington. (wak) "Die Lage heute ist ernst, sie ist sogar gefährlich," erklärt der Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, am Rande der Herbsttagung von IWF und Weltbank.
Solche starken Worte seitens des IWF-Direktors sind "wenig hilfreich" – meint zumindest RZB-Chefanalyst Peter Brezinschek – angesichts der globalen Nervenzusammenbrüche und kollektiven Aktien-Notverkäufe, die "rein von der Psychologie bestimmt" seien. Andererseits seien die Worte vielleicht auch aufrüttelnd gewesen, um Handlungsfreiheit zu provozieren. "Dieses Szenario ist schließlich keine unausweichliche Entwicklung. Ich bin davon überzeugt, dass es eine steuerbare Krise ist." Der RZB-Analyst gehört zu jenen, die große Hoffnungen in die Tagung in Washington setzen: "Wir brauchen unbedingt schnellstens vertrauensbildende Maßnahmen." Nicht nur vom IWF, sondern auch vom parallel stattfindenden Treffen der Finanzminister werden Schritte erwartet.
Als gutes Beispiel für sinnvolle Maßnahmen nennt Brezinschek Großbritannien. Dort bot die Regierung den Finanzinstituten eine zeitlich befristete staatliche Beteiligung an.
Großbritannien, USA und Deutschland
Auch US-Finanzminister Henry Paulson hat ähnliches angeregt. Und Medienberichten zufolge will die deutsche Regierung dem britischen Beispiel folgen und in den kommenden Tagen darüber entscheiden.
"Das Teilverstaatlichen wäre für ganz Europa eine Option. Die Aktien müssten aber ohne Stimmrecht ausgestattet werden, damit der Staat keinen Einfluss nehmen kann", so Brezinschek.
IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn allerdings scheint zum momentanen Zeitpunkt als Krisenbewältigungs-Programm eine Art "Superbehörde" zu favorisieren. Denn der Franzose sieht die Krise als Folge "eines Scheiterns der Überwachung der Finanzmärkte, ein Scheitern des Glaubens, dass der Markt sich selber regeln kann." Er werde nicht zulassen, dass es nach der Krise wieder "Business as usual" geben wird. Der IWF-Chef will stattdessen seinen Fonds als "Regulator der Regulatoren" einsetzen.
Der Chef der Weltbank, Robert Zoellick, hält hingegen nichts von einer stärkeren Rolle der internationalen Finanzorganisationen. Zoellick will die Souveränität der Staaten nicht antasten und setzt voll auf das Krisenmanagement der sieben größten Industrienationen (G-7). Die Weltbank will den Staaten beratend beiseite stehen. Die gegensätzlichen Ansichten bringen nach Meinung einiger Beobachter die Krisenbewältigung ins Stocken. Die Verluste durch die Finanzkrise in Europa können nach Berechnungen des IWF umgerechnet über 460 Mrd. Euro erreichen. Von den weltweiten Gesamtausfällen von 1,4 Billionen Dollar (1,023 Billionen Euro) auf Kredite und Wertpapiere fallen laut IWF 90 Prozent in den USA und Europa an. Der Betrag verteile sich ungefähr zur Hälfte auf die USA und Europa.
Printausgabe vom Samstag, 11. Oktober 2008
Online seit: Freitag, 10. Oktober 2008 18:14:00
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