"Finanzkrise" an Unis befürchtet

Senate fordern klaren Budgetplan.

Quotenregelung auch bei Tierärzten und Psychologen.
Wien. Eine "universitäre Finanzkrise" orten nun die Uni-Senatsvorsitzenden. Man sei "hochgradig besorgt" über die künftige Budgetentwicklung der Universitäten, hieß es am Montag. Gerhard Clemenz, Senatsvorsitzender der Uni Wien, verwies auf das letzte "Times Higher Education Ranking": Im internationalen Vergleich sind Österreichs Hochschulen massiv abgestürzt. Als erste österreichische Uni wird die Hauptuni Wien genannt – sie verlor fünf Punkte in der Gesamtwertung und fiel damit von Platz 85 im Jahr 2007 heuer auf Platz 115.
Das Ranking habe "deutlich vor Augen geführt, wie schlecht es um die Finanzierung unserer Universitäten bestellt ist", meinte Clemenz. Für die Senatsvorsitzenden herrscht "ein galoppierender Qualitätsverlust in Forschung und Lehre und eine nicht mehr erträgliche Arbeitssituation des wissenschaftlichen Nachwuchses". Die am 24. September beschlossene Ausweitung der Ausnahmebestimmungen für die Studiengebühren hätte diese Probleme weiter verschärft.
Die Senate fordern daher einen Budgetplan, "der Klarheit über die Bedeckung der entstehenden Kosten schafft". Sonst "konkurrieren wir künftig nur mehr um das Schlusslicht", sagte Clemenz.
Problematisch ist auch ein anderer Aspekt des Gesetzes: Die Quotenregelung für Human-, Zahn- und Tiermedizin sowie Psychologie wird nun nicht mehr per Verordnung des Wissenschaftsministers geregelt – bisher hat er davon nur in den Bereichen Human- und Zahnmedizin Gebrauch gemacht –, sondern ist im Gesetz festgeschrieben. Damit wird es schwieriger als bisher, die Quotenregelung vor der EU zu rechtfertigen. Denn ob sich das Argument eines künftigen Ärztemangels bei Psychologen und Tierärzten aufrecht halten lässt, ist zu bezweifeln.
Printausgabe vom Dienstag, 18. November 2008
Online seit: Montag, 17. November 2008 18:13:00
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