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Seibersdorfer Physiker will erstmals Gravitationsfeld erzeugt haben

Einstein würde staunen

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Die Schwerkraft fasziniert die Physiker, aber auch die Karussellbesucher. Foto: bilderbox

Aufzählung Rotierende Scheibe aus Niob produzierte Gravitationsfeld.
Aufzählung Relativitätstheorie hielt Kraft solcher Größe für unmöglich.

Wien. Was bisher als völlig unmöglich galt – Gravitationsfelder ohne Einsatz riesiger Massen künstlich zu erzeugen, denn Masse ist sowohl im Newtonschen Gravitationsgesetz als auch in der Allgemeinen Relativitätstheorie die ausschlaggebende Größe –, scheint nun für Wissenschafter des Forschungszentrums Seibersdorf in greifbare Nähe gerückt. Die dort im Experiment gemessenen Gravitationsfelder machen zwar nur 0,01 Prozent der Erdgravitation aus, liegen damit aber dennoch um 25 bis 30 Größenordnungen über dem, was laut Relativitätstheorie möglich sein sollte, sagte der Physiker Martin Tajmar im Gespräch mit der APA.

Die österreichischen Physiker Hans Thirring und Joseph Lense haben in den 1920er-Jahren vorhergesagt, dass ein rotierender Körper durch seine Masse auch den Raum um sich verdreht. Physiker haben diesen Thirring-Lense-Effekt auch als eine Art Magnetfeld der Gravitation erklärt, doch dieser gravito-magnetische Effekt ist so gering, dass es selbst bei einer Masse wie jener der Erde präzisester Satelliten-Vermessungstechnik bedurfte, um ihn 2004 endlich nachzuweisen.

Der Physiker Martin Tajmar, der in den Austrian Research Centers (ARC) das Geschäftsfeld für Weltraum-Antriebe leitet, erinnerte sich an Versuche mit rotierenden Scheiben aus supraleitenden Materialien, die bei rascher Umdrehung ein Magnetfeld erzeugen. Frühere Messungen mit solchen Scheiben hatten bisher unerklärbare Messergebnisse gebracht: Die Masse der so genannten Cooper-Paare, Elektronenpaare, die für die Supraleitung verantwortlich sind, war den Experimenten zufolge viel höher als sie nach Berechnungen der Quantentheorie sein sollte.

Tajmar fand mit der Forschungsabteilung der US Air Force und der Europäischen Weltraumorganisation ESA Geldgeber für ein von ihm entwickeltes Experiment. Eine supraleitende Scheibe mit einem Durchmesser von 15 Zentimetern wird dabei auf 6500 Umdrehungen pro Minute beschleunigt. Die ersten Ergebnisse waren entmutigend. Doch nach dem Einsatz eines neuen Supraleiters aus dem Metall Niob, das auf minus 264 Grad Celsius abgekühlt werden muss, um Strom widerstandslos zu leiten, im Sommer 2005 registrierte man ein Gravitationsfeld.

"Wir konnten es zuerst gar nicht glauben, und wiederholten das Experiment immer wieder", so Tajmar. Indessen wurden 250 Messungen durchgeführt, und der Physiker ist sich seiner Sache ziemlich sicher. Er hat seine Arbeit bereits bei einer Tagung der ESA präsentiert und bei zwei Physik-Journalen eingereicht.

Dennoch bleibt er sehr vorsichtig: "Bei dieser geringen Signalgröße ist ein Apparatur-Effekt noch nicht hundertprozentig auszuschließen. Natürlich sind wir uns bewusst, dass ein Effekt der 30 Größenordnungen über der Vorhersage von Einsteins Relativitätstheorie liegt, sehr genau vermessen werden muss, um ihn schlussendlich zu bestätigen."

Printausgabe vom Mittwoch, 26. April 2006
Update: Dienstag, 25. April 2006 17:49:00

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