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Cern-Ausstieg Österreichs: Hohe Kosten, aber kein Know-how mehr – Forschungsrat präsentiert neue Strategie

Experimente bezahlen, aber nichts davon haben?

Johannes Hahn: Tür zum Cern endgültig zu? Foto: apa

Johannes Hahn: Tür zum Cern endgültig zu? Foto: apa

Rolf-Dieter Heuer. Foto: epa

Rolf-Dieter Heuer. Foto: epa

Aufzählung Start des Zentrums "MedAustron" durch Ausstieg gefährdet.
Aufzählung Schon über 16.000 Unterschriften für Petition der Physiker.

Genf/Wien. (apa/ski) Ein Ausstieg Österreichs aus dem Europäischen Kernforschungszentrums Cern würde die Realisierung des Therapie- und Forschungszentrums "MedAustron" in Wiener Neustadt (NÖ) gefährden. Das erklärte Cern-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer vor Journalisten in Genf. Die für das Zentrum nötigen Experten sollten ihr Know-how am Cern erhalten, Alternativen dazu gebe es praktisch nicht, so Michael Benedikt, Cern-Projektleiter von MedAustron. MedAustron soll 2012 in Betrieb gehen – mit einer Beschleunigeranlage, mit der rund 1200 Krebspatienten pro Jahr behandelt und zudem medizinische und physikalische Forschung betrieben werden sollen.

Heuer erklärte, es werde nach einem Ausstieg für Österreicher keine Cern- Jobs und für österreichische Unternehmen keine Cern-Aufträge mehr geben. Betroffen sei etwa die Uniqa, bei der die Cern-Mitarbeiter jetzt krankenversichert seien (Umsatz rund 26,6 Millionen Euro pro Jahr). Österreichische Cern-Mitarbeiter zittern nun um ihre Jobs. Derzeit sind 185 Österreicher am Kernforschungszentrum tätig.

Dass ein Cern-Ausstieg Österreich teuer kommen werde, sagte auch Cern-Finanzchef Thierry Lagrange. Österreich gehe mit dem Ausstieg Verpflichtungen ein, die nach einer Überschlagsrechnung in der Höhe der Mitgliedsbeiträge für mehrere Jahre liegen. Österreichs gesamte Aufwendungen für Cern belaufen sich derzeit auf rund 20 Millionen Euro jährlich.

Nach Angaben Lagranges müsste Österreich bei einem Ausstieg die Kosten für Pensions- und Krankenversicherung für die aus Österreich stammenden Cern-Angestellten übernehmen. Außerdem müsse Österreich anteilig die Kosten des Kredits für den Bau des neuen Teilchenbeschleunigers LHC bedienen. Mit dem Austritt wäre die Gesamtsumme dafür sofort fällig.

Offener Brief Hahns

Für Wissenschaftsminister Johannes Hahn sind Mitgliedschaften in internationalen Organisationen keine "Zwangsehen". Das betonte er in einem Offenen Brief, in dem er nochmals über seine Beweggründe für den Cern-Ausstieg informierte und auf neue spannende Projekte hinwies. Diese könnten nun finanziert werden. Hahn bekundete der Teilchenphysik seinen Respekt, doch wäre "eine kontinuierliche Fortschreibung von eingegangenen Verpflichtungen – nur um der Verpflichtung willen – der Tod jeder Erneuerung".

Am Donnertstag Abend hatten bereits mehr als 22.000 Personen eine von Kern- und Teilchenphysikern initiierte Petition, "Save our Science", unterschrieben. Österreichische Experten kritisieren, es sei eine "horrende Verschwendung von Steuergeldern", den neuen Beschleuniger erst mitzufinanzieren und dann nicht die Früchte dieser Experimente zu ernten.

Link:

Aufzählung Petition 'Save our Science-Petition'

Printausgabe vom Freitag, 15. Mai 2009
Update: Freitag, 15. Mai 2009 09:00:00


Kommentare zum Artikel:

16.08.2009 00:40:07 LHC
Grade eben gefunden. Gute Seite zum Thema. Mit vielen tollen Bildern.

http://www.lhc-facts.ch
Gastro
16.05.2009 19:09:18 Respekt vor Minister Hahn
Die CERN-Forscher kommen mir mit ihrem LHC-Experiment sinnbildlich wie Extrembergsteiger vor, die in den Rucksack das gesamte Weltvolk miteinpacken, um es am Gipfelsieg teilhaben zu lassen.
Pavicsits Wilhelm, 7212 Forchtenstein
pavicsits wilhelm
15.05.2009 11:28:49 hmm
seit wann ist forschung gewinnorientiert?
meiner meinung nach sind solche investitionen wichtiger als irgnedwelche leute die am existenzminimum leben ;) eher in bildung investieren, also dumme menschen dabei unterstützen dumm zu bleiben. 16mio euro sind nicht gerade viel geld. österreich hat schon für dümmere sachen mehr geld aus dem fenster geworfen.
fritz
15.05.2009 10:31:18 Angstmache
Hier wird Panik um allfällige Kosten gemacht. Fakt ist, dass bisher nur gezahlt wurde und die Ergebnisse nicht wirklich brauchbar sind. Das einige Firmen Geld verdienen ist gut und richtig. Würden wir die Mittel für zahlreiche Menschen die am Existenzminimum leben investieren wäre es sicher sinnvoller !
Steve
15.05.2009 09:24:32 Der CERN-Austritt Österreichs - ein wissenschaftspolitischer Amoklauf
Die Entscheidung des Ministeriums, den CERN zu verlassen, wurde ohne vorherige öffentliche Diskussion getroffen, sogar die CERN-Leitung wurde erst nachträglich informiert. Offenbar wurden auch die Ausstiegskosten nicht bedacht! Österreichische Firmen des so wichtigen Hochtechnologiesektors werden bei zukünftigen Aufträgen unberücksichtigt bleiben. Die Zukunft des MedAustron ist in Frage gestellt.
Natürlich hat der Minister vollkommen recht, dass Mitgliedschaften in internationalen Organisationen keine "Zwangsehen" sein dürfen. Eine Evaluation nach nachvollziehbaren Kriterien ist durchaus angebracht. Dazu bietet sich die auch vom Ministerium immer wieder ins Spiel gebrachte "Road Map" der europäischen Forschungskooperationen an. In dieser wird allerdings die überragende Bedeutung des CERN und der LHC-Experimente, besonders hervorgestrichen. Eine Aufforderung zur Zerstörung der international so erfolgreichen Teilchenphysik Österreichs sucht man hier vergeblich.
Schockierte Reaktionen ausländischer Wissenschaftler (unter ihnen bereits 10 Nobelpreisträger) der verschiedensten Fachrichtungen zeigen, dass durch den Plan des Ministers ein gewaltiger Schaden für den Ruf Österreichs als "Kulturnation" entstanden ist.
Die Petition gegen den CERN-Austritt wurde innerhalb weniger Tage bereits von 24.000 Personen unterzeichnet. Eine gewaltige Reaktion der breiten Öffentlichkeit auf ein Wissenschaftsthema! Dieses Land hat eine bessere Wissenschaftspolitik verdient!
Ao. Univ. Prof. Dr. Helmut Neufeld
15.05.2009 01:56:50 CERN Forschung gestoppt
Der CERN/LHC-Direktion sitzt die Angst im Nacken.
Der CERN/LHC ist eine physikalische Fehlkon-struktion – Eine grosse Explosionsgefahr nach dem geplanten Neustart 2009 ist nicht mehr auszuschliessen.

Die Medieninformationen der CERN-Direktion sind das Gegenteil von ermutigend. Auch die Physik ist jetzt in der Krise.

Der geplante Neustart des LHC im September 2009, ein ganzes Jahr nach dem Crash vom 19.9.2008 zeigt, dass die Unsicherheiten grösser geworden ist, weil die Schäden vom 19.9.2008 viel umfangreicher waren, wie die Bilder zeigen, die im Internet kursieren. Der LHC wurde stellenweise aus der Verankerung gerissen und die Kupfer-Leitungen sind im betroffenen Abschnitt geschmolzen oder pulverisiert worden, was Temperaturen weit über 1'200 Grad Celsius bedingt. Bei solchen Szenarien ist eine Supraleitung nicht mehr gewährleistet.

Sobald das flüssige Helium verdampft und die Supra-leitung zusammengebrochen ist, sind die gewählten Kupferleitungs-Querschnitte von 2 x 1’800mm2 um den Faktor 3 bis 5 zu klein berechnet worden. Und bei der geplanten max. Input-Energie im Jahre 2011 sollten die Leitungs-Querschnitte sogar um den Faktor 5 bis 10 nachgerüstet werden, um eine Riesenkatastrophe bzw. eine noch grössere Explosion zu verhindern.


Hans Lehner
15.05.2009 00:14:49 "früchte ernten"????
die Experimente am Cern werden für ALLE Menschen von Vorteil sein. Jeder wird die Früchte ernten.

Mit kapitalistischen Grundgedanken in die Forschung zu gehen ist sowieso pervers. Hier geht es um Neuerungen und nicht um Gewinne.

JEtz auszusteigen wäre aber die österreichische Lösung.
Das wir gerne Zahlen ohne was davon zu haben, ham wir ja bei den Eurofightern schon bewiesen.

Entscheidung is gefallen und dabei bleibt man.. Rumdrucksen und 10x neu entscheiden kostet nur geld, bringt aber genau garnichts.

fdaw
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