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Auf Knopfdruck zum Wissen der letzten Jahrhunderte

Nationalbibliothek digitalisiert 400.000 Seiten von Zeitungstiteln der ehemaligen Kronländer
Illustration
- Bewahren, was sich auf Papier zersetzen würde: Information aus dem Medienarchiv der Monarchie. Foto: ÖNB

Bewahren, was sich auf Papier zersetzen würde: Information aus dem Medienarchiv der Monarchie. Foto: ÖNB

Von Eva Stanzl

Aufzählung Historische Ereignisse im Internet abrufbar.
Aufzählung Täglich 1400 Zugriffe auf den digitalen Lesesaal.

Wien. "Die Umtriebe eines hasserfüllten Gegners zwingen Mich, zur Wahrung der Ehre Meiner Monarchie, zum Schutz ihres Ansehens und ihrer Machtstellung, zur Sicherung ihres Besitzstandes nach langen Jahren des Friedens zum Schwerte zu greifen ..." Das "Kriegsmanifest des Königs Franz Josef I", mit dem Österreich-Ungarn Serbien am 28. Juli 1914 den Krieg erklärte, war damals auf der Titelseite der heute noch erscheinenden Budapester Tageszeitung "Pester Lloyd" im Wortlaut zu lesen.

Die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) schafft ein Archiv der Zeitungsgeschichte. Sie digitalisiert 15 Titel von Tageszeitungen aus den ehemaligen Teilgebieten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie – darunter "Pester Lloyd", das "Prager Tagblatt", die "Cernowitzer Allgemeine Zeitung" oder die "Bukowinaer Nachrichten". Bis Ende des Jahres sollen 400.000 Seiten oder 25 Laufmeter an Zeitungen online sein. Neben historischen Ereignissen – wie dem Tod von Kaiserin Elisabeth in Form eines Nachrufs im "Prager Tagblatt" am 11. September 1898 – können Feuilletons, Theater-Rezensionen und sogar Inserate von damals im Internet abgerufen werden.

Pixel ersetzen das Blättern nicht

Im Rahmen des Digitalisierungsprojekts "Anno" legt die Nationalbibliothek Zeitungsbestände, Fotos, Tonbänder und Filme in eine digitale Bibliothek. Das Projekt wird aus dem ÖNB-Budget und aus EU-Geldern finanziert. Bereits nahezu lückenlos abrufbar sind österreichische Medien bis 1939. Jüngere Ausgaben müssen warten, bis sie ins Internet dürfen, da das Urheberrecht für Print-Produkte 70 Jahre lang gilt.

Doch was genau wird bewahrt? "Ein digitales Archiv ersetzt das Blättern in Zeitungen nicht – die Digitalisierung bewahrt quasi nur die Information", sagt Bettina Kann, Leiterin der ÖNB-Hauptabteilung Digitale Bibliothek: "Aber immerhin bleibt die Information erhalten und wird öffentlich zugänglich." Täglich verzeichne "Anno" 1400 Zugriffe.

Zunächst werden die Zeitungen, die sich langfristig womöglich zu Staub zersetzen würden, gescannt. Das digitale Archiv wird dann auf einem speziellen System von Festplatten gespeichert und auf einem zweiten, identen System gespiegelt. Die beiden Festplatten werden laufend aktualisiert.

Schließlich kommen Sicherungskopien auf Magnetbänder, die im Zentralen Ausweichsystem in einem Hochsicherheitsbunker bei Sankt Johann im Pongau gelagert werden. Sollte die Nationalbibliothek abbrennen – ähnlich wie 1992 die Redoutensäle der Hofburg – geht Österreichs Kulturgut also nicht verloren.

Übrigens beginnen die meisten Zeitungen in der digitalen Bibliothek erst mit dem 19. Jahrhundert. Davor gab es nämlich nicht viel zu lesen. Zeitungen erschienen generell unregelmäßig und sahen ein bisschen wie Flugblätter aus.

Die "Wiener Zeitung" ist die älteste noch laufend erscheinende Tageszeitung. Sie wurde 1703 von Kaiser Leopold I gegründet. Er schrieb ein Privileg aus, wonach ein Verleger, der über die Neuigkeiten bei Hof berichte, alle amtlichen Mitteilungen bekannt machen dürfe. 1857 wurde sie aufgrund ihres Engagements für die Pressefreiheit verstaatlicht. Eine Million Seiten sind online.

Printausgabe vom Freitag, 12. März 2010
Update: Freitag, 12. März 2010 13:38:00


Die ProgrammPunkte mit ausführlichem Kulturprogramm erscheinen jeden Donnerstag als Beilage zur Wiener Zeitung.


Kommentare zum Artikel:

08.04.2010 10:41:31 Digitalisierung
Wie der Erfolg des digitalen Lexicons
"AUSTRIA-FORUM", betrieben von den Informatik-Abteilungen der Universität Graz zeigt, gehört dieser Publikationsform eindeutig die Zukunft. Umso erfreulicher, dass Österreichs größte Bibliothek jetzt ebenfalls einen Teil ihrer Bestände digitalisiert. Andere Bibliotheken sollten diesem Beispiel folgen, da die Vorteile des Systems die Kosten durchaus rechtfertigen.
Dr. Glaubauf Karl
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