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ZeitreisenPrint this

Gesucht: 1 Million Namen im Blatt

MITGELESEN Neue "Diarium"-Recherchen im Internet möglich In nuce
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- Die "Lista deren Verstorbenen zu Wien" verzeichnete die Toten von Wien und Umgebung. Bilder: Archiv. Repros S. II: <strong>St. Koch</strong>

Die "Lista deren Verstorbenen zu Wien" verzeichnete die Toten von Wien und Umgebung. Bilder: Archiv. Repros S. II: St. Koch

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- Alma Goethes Tod wurde 1844 in der "WZ" registriert.

Alma Goethes Tod wurde 1844 in der "WZ" registriert.

Aufzählung Ab 1703 gedruckte Totenlisten sind ein Glücksfall für die Genealogie.
Aufzählung Datenbank wächst: 550.000 Verstorbene bis 1884 erfasst.

Eine gute Idee realisiert derzeit ein engagiertes Team von Geschichtsfreunden: Im Rahmen des Vereins FAMILIA AUSTRIA, Österreichische Gesellschaft für Genealogie und Geschichte, arbeiten an die hundert freiwilligen Mitarbeiter daran, einen Schatz aus dem Archiv der "Wiener Zeitung" zu heben – geplant ist die Erfassung sämtlicher in unserem Blatt zwischen 1703 und 1884 aufgelisteten Verstorbenen in Wien. Bisher sind bereits ca. 550.000 Namen in eine Datenbank eingearbeitet, abrufbar unter www.familia-austria.at .

Die Zeitreisen bedanken sich bei Günter Ofner, dem Präsidenten des Vereins, der den folgenden Artikel erstellt hat.

Blick auf die Wurzeln

Bei der Suche nach den eigenen Wurzeln kann sich manche Schwierigkeit ergeben: Denn Wien (heutiger Umfang) zählte nach Schätzungen schon im Jahr 1700 etwa 120.000 Einwohner, 1795 war es bereits eine Viertelmillion, 1846 mehr als eine halbe Million (521.000).

Darüber hinaus gibt es auch keine Zentraldatenbank der damaligen Einwohner. Die Standesämter wurden erst 1939 gegründet, die Meldezettel sind ab ca. 1910 einsehbar, die seit dem frühen 19. Jh. erhaltene Heimatrolle führt nur die Einwohner mit Heimatrecht (Zuständigkeit) in Wien an und die Wiener Adressbücher "Lehmann" verzeichnen lediglich die Haus- und Wohnungsbesitzer sowie die Hauptmieter. Es bleiben also vor 1910 meist nur die Kirchenbücher.

Schon vor Jahrzehnten wurde der Versuch unternommen, die einstigen Wiener Einwohner fassbar zu machen. Das bedeutete zunächst, die richtige Pfarre zu finden, in der man dann weitersuchen kann. Den Anfang machten Ahnenforscher mit der Erfassung von Hochzeiten. Fast alle katholischen Eheschließungen im heutigen Stadtbereich vom jeweiligen Matrikenbeginn bis 1850/60 sind mittlerweile nachschlagbar. Aber nur ein relativ kleiner Teil der Stadtbevölkerung konnte einen Hausstand gründen und heiraten. Zudem verzeichneten die Pfarrbücher nur die Trauungen der jeweiligen Konfession.

Geheiratet haben nicht so viele Stadtbewohner – aber gestorben sind sie letztlich alle. Das "Wien(n)erische Diarium" hat, ab der ersten Nummer des Erscheinens am 8. August 1703, die Listen der in Wien Verstorbenen abgedruckt. Diese Sterbelisten beruhen nicht auf den Sterbebüchern der Pfarren, sondern vor allem auf den Totenbeschauprotokollen der Stadt Wien. Diese sind (mit Lücken) seit 1648 erhalten, auf Mikrofilm im Stadtarchiv (MA 8) zugänglich und enthalten die Verstorbenen aller Konfessionen. Die schwer lesbare alte Handschrift und der für viele Forscher weite Anreiseweg nach Wien schränkt

die Benützungsmöglichkeit aber drastisch ein.

Die um zusätzliche Sterbefälle der näheren Umgebung ergänzten, gedruckten Sterbelisten in der "WZ" sind also ein Glücksfall für die Genealogie und dementsprechend groß ist das Interesse daran.

Hier kam der Forscherszene das ANNO-Projekt der Österreichischen Nationalbibliothek zu Hilfe. Dort werden laufend historische Zeitungen digitalisiert ins Netz gestellt. Unter anderem ist auch das "Wien(n)erische Diarium" bzw. ab 1780 die "Wiener Zeitung" bereits zu einem großen Teil verfügbar.

100 Engagierte im Team

Sobald Familienforscher diese neue, weltweit bequem abrufbare Quelle entdeckt hatten, begannen viele von ihnen, sie nach Verwandtschaft zu durchsuchen. Aber schon bald wurde ihnen klar, dass das nur möglich ist, wenn man den Sterbezeitraum auf ein paar Tage genau kennt. Eine Flächensuche über mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte ist auf Grund der gewaltigen Menge der Sterbedaten wenig aussichtsreich.

So wuchs das Bedürfnis nach einer systematischen Sammlung der Daten, die eine gezielte Suche erleichtern sollte.

Schließlich tauchte die Idee auf, diese Sterbemeldungen in der "WZ" gemeinsam systematisch abzuschreiben und so allen Forschern zugänglich zu machen. Die Resonanz dieses Aufrufes war größer als erwartet.

Bereits am 4. Jänner 2008 war der erste Monat erledigt und nach drei Monaten arbeiteten 100 Helferinnen und Helfer – aus drei Kontinenten – mit. Die rund 100 Mitarbeiter haben in den letzten 23 Monaten an die 550.000 Sterbefälle, also vermutlich schon mehr als die Hälfte der Gesamtaufgabe, erfasst; die Einträge sind in der zentralen Datenbank abrufbar. Das Leitungsteam sorgt dafür, dass dieses Projekt in den geplanten Bahnen bleibt und so wächst der Datenbestand von Monat zu Monat um 20.000–25.000 Datensätze an.

Wen kann man also im österreichischen Traditionsblatt 1703–1884 und damit in unserer Datenbank finden? Die Antwort ist einfach: Fast jeden, der in der seinerzeitigen Stadt Wien und den Vorstädten in diesem Zeitraum verstorben ist. Ausgenommen waren lediglich die Mitglieder des Herrscherhauses, die ausländischen Botschafter, die Justifizierten (Hingerichteten), jene Ordensgeistlichkeit, die ihre Toten in eigenen Friedhöfen bestattet hat, und in den Anfangsjahren auch einige Familien des Hochadels – also ausnahmslos sehr kleine Gruppen, die durch andere Quellen ohnehin gut dokumentiert sind.

Nicht verzeichnet sind auch die Kinder unter einem Jahr, wohl eine große, aber für die Genealogie eher unbedeutende Gruppe.

Der Verein FAMILIA AUSTRIA beschloss nicht nur einen Namensindex zu erstellen, sondern alle in der Zeitung angegebenen Daten zu erfassen: also auch Erscheinungstag, Sterbetag, Beruf, Angehörige, Wohn- und Sterbeadresse, Todesursachen usw. Damit konnten die Möglichkeiten der Auswertung entscheidend verbessert werden.

Viele Prominente

Auf diese Weise fanden sich inzwischen schon zahlreiche Prominente, wie beispielsweise Alma Sidonia Henriette Cornelia von Goethe, die Enkelin des Dichterfürsten, die 1844 erst 17-jährig in Wien an "Nervenfieber" verstorben ist.

Weiters tauchte die Witwe des berühmten Arztes Van Swieten, Maria Theresia (gest. 1784), auf. Auch eine Nichte von Franz Schubert (gest. 1847) und eine Nichte des Abenteurers Giacomo Casanova (gest. 1808) kommen im Blatt vor.

Der Verein FAMILIA AUSTRIA betreibt außerdem mehrere andere Projekte. Ehrenamtliche Mitarbeiter aus aller Welt arbeiten dabei zusammen.

Außer den Pionieren des "WZ"-Projektes Günter Ofner, Michael Ambrosch, Dipl.-Ing. Erich Schadner, Renate Fennes und Claudia Weck sind u.a. auch Dkfm. Helmuth Tautermann, Heinz Hadwig, Ernst Ambros, Eva Constantin, Alexander Weber und Dr. Peter Haas leitend tätig.

Kontaktadressen

FAMILIA AUSTRIA, per Adresse Günter Ofner, Gentzg. 59/9, A-1180 Wien. Kontakt@familia-austria.at ; http://www.familia-austria.at

Weitere Internet-Tipps: ANNO-Projekt der Österreichischen Nationalbibliothek: http://anno.onb.ac.at/anno.htm

Austria-L, Mailliste: http:// list.genealogy.net/mm/listinfo/austria-l

Heraldisch-Genealogische Gesellschaft ADLER Wien: http://www.adler-wien.at

Institut für Hist. Familienforschung: http://www.ihff.at

Printausgabe vom Freitag, 22. Jänner 2010
Online seit: Donnerstag, 21. Jänner 2010 15:37:00

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