
Wieder Verletzte bei rassistischen Prügeleien in Australien.
Sydney/Singapur. (dpa) Erst geht eine angetrunkenen Meute auf Menschen wegen ihres fremdartigen Aussehens los, dann liefert sie sich eine Schlacht mit der Polizei. Wenig später holen die Gejagten zum Gegenschlag aus: Am Dienstag hatten die Behörden in Sydney die zweite Krawallnacht mit verwüsteten Geschäften und zerstörten Autos hinter sich, diesmal ausgelöst von Jugendlichen mit arabischen Wurzeln.
Vor einer Moschee im Westen der Stadt hatten hunderte Muslime arabischer Herkunft Steine auf Sicherheitskräfte geworfen und Menschen mit Baseball-Schlägern angegriffen.
"Australien hat sich plötzlich und unerklärlich in einen hässlicheren und dunkleren Ort verwandelt", kommentierte die Zeitung "Sydney Morning Herald" die Gewalt-Szenen. Gilt doch Australien sonst als weltoffen und tolerant: Der Wirtschaft geht es blendend, die Arbeitslosigkeit ist niedrig, Firmen suchen weltweit nach Fachkräften. Ein Viertel der 20 Millionen Einwohner wurde außerhalb des Landes geboren – auf den ersten Blick kein gedeihlicher Boden für Fremdenhass.
Der Leiter des "Forums für die Beziehungen Australiens zum Islam", Kuranda Seyit, sah in den Krawallen einen Beleg für einen "unterschwelligen Rassismus, der tief in der australischen Psyche sitzt".
Politiker und Sicherheitskräfte zeigten sich schockiert. Premierminister John Howard rief zu Ruhe und Toleranz auf.
Am Donnerstag will das Parlament von New South Wales zusammentreten, um der Polizei größere Vollmachten im Kampf gegen rassistische Gewalt einzuräumen: So soll es künftig der Polizei erlaubt sein, Vororte abzuriegeln, Fahrzeuge nach Waffen zu durchsuchen und Alkoholläden zu schließen.
Mittwoch, 14. Dezember 2005 00:00:01