
Mobiltelefone an Wiener Schulen kaum ein Problem.

AHS setzt auf GSM-Funk-Sensoren gegen Schummeln.
Wien. Da immer mehr Kinder und Jugendliche ein eigenes Mobiltelefon haben, sind auch die Schulen immer öfter mit der Frage konfrontiert, wie man mit Handys umgehen soll. Akzeptiert man, dass es mitunter in der Stunde klingelt oder konfisziert man die Geräte gleich im Vorhinein? Die "Wiener Zeitung" hat sich an mehreren Schulen umgehört.
Fazit: So weit wie New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, der kürzlich durch die Polizei mehr als 800 Mobiltelefone beschlagnahmen ließ, weil sie den Unterricht stören könnten, geht man in Wien nicht. Und an den befragten Schulen verhalten sich die meisten Kinder auch relativ diszipliniert im Umgang mit ihren Handys.
Wegnehmen ist erlaubt
Viele der Direktoren haben in der Verhaltensvereinbarung ihrer Schulen festgelegt, dass Mobiltelefone prinzipiell im Klassenraum nichts zu suchen haben, sondern im Spind liegen sollen. "Fast alle unsere Schüler halten sich daran", sagt Margot Sokopp, Direktorin der Informatikhauptschule Herzgasse (10. Bezirk). "Und wenn nicht, dann landet das Telefon eben bei mir", ergänzt sie. An der Kooperativen Hauptschule in der Brüßl-gasse im 16. Bezirk wurde laut Direktor Karlheinz Fiedler früher pro Woche ein Handy abgenommen, "mittlerweile hat sich das aber reduziert", meint der Schulleiter. Allzu viele Sorgen scheint er sich über Mobiltelefone in seiner Schule nicht zu machen.
Einem Schüler ein Gerät wegzunehmen, das den Unterricht stört, wird Lehrern durch § 44 des Schulunterrichtsgesetzes erlaubt. "Eine Weisung von oben gibt es zu diesem Thema aber nicht", erklärt Roland Zecher vom Bildungsministerium. Die Schulen können im Rahmen ihrer Autonomie selbst festlegen, ob und wie weit der Gebrauch von Handys erlaubt ist.
Alarm auf dem Klo
Das gilt auch für Gameboys: Denn, so die Erfahrung einer Religionslehrerin aus Wien-Favoriten: "In der Volksschule sind die das größere Problem. Die Kinder spielen in der Pause und wollen dann natürlich nicht durch den Unterricht unterbrochen werden." Problematischer als das störende Läuten im Unterricht ist der mögliche Einsatz von Handys als Schummelhilfe. Das BRG 10 (Ettenreichgasse) hat bereits vor fünf Jahren bei der Matura darauf reagiert. "Unser Physiklehrer hat einen Sensor gebastelt, der bei GSM-Strahlen Alarm schlägt", erzählt Direktorin Reingard Glatz. Montiert wurde das Gerät auf dem Klo.
"Ich habe den Handy-Melder den Schülern vorgeführt – und bis jetzt hat niemand auf diese Weise zu schummeln versucht", berichtet Physiker Theo Duenbostl, der kürzlich für seinen praxisnahen Unterricht mit einem AHS-Preis der Bank Austria-Creditanstalt ausgezeichnet wurde. Seine Entwicklung, die "eigentlich ganz simpel ist und nicht viel gekostet hat", wurde bisher von zwei anderen Wiener Oberstufen-Gymnasien nachgebaut.
Printausgabe vom Freitag, 26. Mai 2006
Update: Donnerstag, 25. Mai 2006 16:26:00