Naturschutz macht den Geologen das Forschen schwer

Europas Geowissenschafter tagen in Wien.

Klima-Berechnung durch Biotop-Schutz.
Wien. Unter dem Begriff "Geotopschutz" fordern Geologen quasi ein Stück des Naturschutzes. Die Erhaltung geologisch einzigartiger Formationen habe sich heute viel zu oft anderen Aspekten unterzuordnen, bemängelte Thomas Hofmann von der Geologischen Bundesanstalt am Montag – anlässlich der am Montag in Wien gestarteten jährlichen Hauptversammlung der European Geosciences Union (EGU).
"Vielfach reicht das Auftauchen einer Kreuzkröte, das ganze Areal wird unter Naturschutz gestellt, und wir als Geologen haben das Nachsehen", bemängelte der Experte. "Dabei brauchen wir wesentlich kleinere Flächen als etwa Biologen", so Hofmann. Man würde dem Schutz etwa von Tieren und Pflanzen keinesfalls im Wege stehen. Oft reicht ein winziger Sektor aus, der für die Geologen reserviert wird und schon steht auch der Erforschung der unbelebten Natur nichts mehr im Wege.
Biotopschutz, also die Erhaltung von bestimmten Gemeinschaften von Organismen und deren Umfeld, hat mittlerweile zurecht einen hohen Stellenwert, so der Geologe. Alleine die unbelebte Natur in Gestalt etwa von Gesteinen, Gesteinsformationen oder auch Fossilien bleibt dabei häufig auf der Strecke.
Dabei zeigt sich etwa im Falle der Klimadiskussion, wie wichtig das Erforschen von Gesteinsschichten als Fenster zur Vergangenheit sein kann. "Wer die Geschichte kennt, kann auch die Zukunft besser vorhersagen", ist Hofmann überzeugt. Auf diese Art und Weise würden auch Klimamodelle berechnet.
Stein wächst nicht nach
Ist ein derartiges "Geotop" – also eine bestimmte Formation – einmal zerstört, so ist sie ein für alle Mal für die Forschung verloren. Im Gegensatz zu lebenden Systemen wachsen Steine und Felsen nicht nach, jedenfalls nicht in Zeiträumen, in denen ein Mensch denkt.
Dabei drohen derartige Verluste nicht nur durch Verbauung oder Rohstoffgewinnung: Oft sorgt auch der klassische Naturschutz dafür, dass Geologen ihre Forschungen nicht mehr fortführen können. Als Beispiel nannte Hofmann etwa Steinbrüche oder Schottergruben, an deren Wänden sich vielfach aufschlussreiche Schichten zeigen. Wenn diese wegen bestimmter Tierarten geschützt werden, haben die Geologen keinen Zugriff mehr.
700 Naturdenkmäler
Bis heute gibt es in Österreich rund 700 geologische Naturdenkmäler; eine Erweiterung wäre wünschenswert, sind viele Geologen überzeugt. Wie auch bei der Entdeckung von Tier- oder Pflanzenarten wird eine neue Formation stets anhand eines bestimmten Referenzabschnittes beschrieben. So ist etwa "Hernalser Tegel" in einer Künette in Wien konserviert.
Der europäische Geologen-Kongress läuft noch bis Freitag im Austria Center Vienna.
Printausgabe vom Dienstag, 15. April 2008
Online seit: Montag, 14. April 2008 17:04:31
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