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Formel macht VW Touareg umweltfreundlicher als den halb so schweren Golf

Wie man Spritfresser zu Energiewundern macht

Groß und stark sind viele deutsche Autos. In Sachen Ökologie hapert es aber oft. Foto: epa

Groß und stark sind viele deutsche Autos. In Sachen Ökologie hapert es aber oft. Foto: epa

Aufzählung Große Autos werden bei deutscher Öko-Kennzeichnung bevorzugt.
Aufzählung Neben CO2-Ausstoß fließt auch Gewicht in die Berechnung ein.

Berlin/Wien. (rs) Wenn man an Autos aus Deutschland denkt, fällt einem zuerst wohl Folgendes ein: große schwere Karossen samt üppiger Motorisierung und einem erheblichen Prestigefaktor. Allerdings bewegen sich angesichts dieser Vorzeichen auch Spritverbrauch und CO2-Ausstoß in den oberen Regionen. Die Bestrebung der EU, die Umweltfreundlichkeit von Pkw künftig noch genauer auszuweisen, treibt der deutschen Bundesregierung dementsprechend die Sorgenfalten auf die Stirn – und lässt sie zu durchaus kreativen Berechnungsmethoden greifen.

Frankreich tickt anders

Seit vier Jahren müssen nach dem Willen der EU beim Neuwagenverkauf CO2-Ausstoß und Spritverbrauch angegeben werden. Eine zusätzliche Öko-Kennzeichnung soll dem Käufer demnächst die Orientierung noch leichter machen. Funktionieren soll das ähnlich wie beim Kühlschrank, wo die einzelnen Energie-Effizienz-Klassen sehr deutlich über die Umweltverträglichkeit des Geräts Auskunft geben.

In Frankreich gibt es so ein System bereits. Autos mit einem CO2-Ausstoß von weniger als 250 Gramm pro Kilometer liegen im grünen Bereich, Pkw die mehr ausstoßen – wie so gut wie alle SUVs und große Limousinen – fallen in den roten Bereich. Die deutsche Auto-Industrie, die ja vorwiegend Fahrzeuge im Premium-Segment verkauft oder noch verkaufen will, würde mit so einem Modell freilich alles andere als gut aussehen.

Um die spritfressenden Luxuskarossen doch noch einigermaßen gut bewerten zu können, hat die deutsche Regierung laut dem TV-Nachrichtenmagazin "Frontal 21" eine Berechnungsmethode entwickelt, die das Gewicht des Fahrzeuges stark berücksichtigt.

Die im sogenannten Meseberg-Papier der Regierung enthaltene Formel bringt dabei durchaus erstaunliche Ergebnisse hervor. So bekommt der tausend Kilogramm schwere Opel Agila unter Einbeziehung seines Gewichts auf einen Referenzwert von 112 Gramm CO2. Da er aber real 120 Gramm ausstößt, liegt er sieben Prozent über dem Referenzwert und kommt damit nur in die drittbeste Energie-Effizienz-Klasse. Für den VW Golf mit einem Verbrauch von 6,9 Litern und einem CO2-Ausstoß von 164 Gramm reicht es nach der Formel überhaupt nur für einen Platz in der vorletzten von sechs Klassen. Der VW Touareg, der fast doppelt soviel CO2 wie der Golf emittiert und auch doppelt so schwer ist, landet hingegen in der Klasse vier. In Frankreich liegt das SUV hingegen abgeschlagen im roten Bereich.

Dass man hier vor allem schwere Fahrzeug schützen will, bemüht man sich im deutschen Bundeswirtschaftsministerium auch gar nicht zu verheimlichen. "Würde man auf eine Größengewichtung verzichten, lägen alle Kleinwagen in den besten, alle großen Fahrzeuge in den schlechtesten Klassen", heißt es gegenüber "Frontal 21".

Ausbreitung befürchtet

Umweltschützer und Verkehrsexperten fürchten bereits, dass die deutsche gewichtsabhängige Formel EU-weit zur Anwendung kommen könnte. "Für die Schweden wär das etwa auch sehr wichtig. Die Autos, die dort gebaut werden sind ja im Durchschnitt noch schlimmer als die deutschen", sagt Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland gegenüber der "Wiener Zeitung".

Printausgabe vom Samstag, 09. August 2008
Online seit: Freitag, 08. August 2008 17:07:07

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