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USA lieferten geflüchteten Immobilien-Jongleur aus – Österreichs Justiz urteilt unerwartet mild

Millionenbetrüger geht frei

Ernest Strulovics vor Gericht: Er und seine Mittäter sind in Freiheit. Foto: wienpost

Ernest Strulovics vor Gericht: Er und seine Mittäter sind in Freiheit. Foto: wienpost

Von Werner Grotte

Aufzählung Geständnis am vierten Prozesstag.
Aufzählung Er kommandierte Firmengeflecht, das Kunden betrog.
Aufzählung Kritik an Banken wegen zu sorgloser Kreditvergabe.

Wien. Mit zwei Knalleffekten endete Tag vier im "Sagro"-Prozess am Landesgericht Josefstadt: Zuerst lieferte Angeklagter Ernest Strulovics, der bisher eisern zur Anklage des schweren Betruges geschwiegen hatte, ein umfassendes Geständnis. Ja, er sei Kopf jenes Firmen-Netzwerkes gewesen, das mindestens 43 Opfer um mindestens drei Millionen Euro betrogen hat. Dies stimmte den Schöffensenat unerwartet gnädig: Trotz einschlägiger Vorstrafe bekam der 61-Jährige eine bedingte Haftstrafe und ging nach dem Prozess frei – rechtskräftig. Der Strafrahmen wäre bis zu zehn Jahren gegangen.

Wie Richter Christian Böhm kryptisch feststellte, "hat diese Geschichte sehr viele Facetten". Da waren zunächst Firmen wie Sagro, Lexington, Levy, Avraham, Klappholz, SKS und viele mehr; allesamt im Immobiliengeschäft tätig und vielfach im Dunstkreis der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) angesiedelt. Vertreter orthodoxer Juden – teils sogar aus den USA angereist – verfolgten denn auch jede Phase des Verfahrens aufmerksam.

Die Geschäfte genannter Firmen hatten eine Gemeinsamkeit: Wohnungssuchenden, meist schlecht (Amts-)Deutsch sprechenden Ausländern, wurden Wohnungen verkauft, die es entweder gar nicht gab, die nie ins Grundbuch eingetragen wurden oder die sich als desolat entpuppten.

Möglich machten den Betrug ein beteiligter Rechtsanwalt und ein Notar, die alle nötigen administrativen Schritte gegenüber Kunden und Banken abwickelten – bis hin zu gefälschten Einkommensbestätigungen. Die Banken überwiesen die Wohnungs-Kredite auf ein Treuhandkonto, von dem sie Strulovics-Mitarbeiter behoben und umleiteten.

Aufgrund von Anzeigen Geschädigter nahm die Polizei 1998 den Anwalt, den Notar und einige Firmengeschäftsführer fest. Im folgenden Betrugsprozess redeten sich alle auf Strulovics aus, der angeblich im Hintergrund die Fäden zog. Der aber war auf rätselhafte Weise untergetaucht. Das Gericht glaubte den Beteuerungen und sprach alle Verdächtigen frei.

Doppelt geschädigt

Die Geschädigten schauten doppelt durch die Finger: Sie hatten keine oder desolate Wohnungen – und Bankschulden, die die Geldinstitute teils sogar mit Klagen von den Opfern einzubringen versuchten. "Das sind die wahren Verbrecher, die haben genau gewusst, was da läuft, aber einfach weggeschaut und weiter Zinsen kassiert", formulierte es ein Zeuge, der durch geschilderte Praktiken 2,5 Millionen Schilling (rund 182.500 Euro) verlor. Ähnlich sah das Richter Böhm, der aber bedauerte, diesen Aspekt nicht beleuchten zu können.

Dennoch: Strulovics-Verteidiger Manfred Ainedter wies alle Anträge Geschädigter auf Anerkennung ab – das Gericht schloss sich an und verwies die Opfer auf den (chancenlosen) Zivilrechtsweg: Laut Strulovics ist das Geld nämlich längst verschwunden. Die Urteilsverkündung – 30 Monate Haft, davon 20 bedingt, der Rest durch Untersuchungs- und Überstellungshaft bereits getilgt – überrascht selbst hartgesottene Gerichtskiebitze.

In seiner Begründung führte Richter Böhm neben dem Geständnis "die lange Unbescholtenheit des Angeklagten in den letzten zehn Jahren" an. Dass dieser wegen Steuerhinterziehung mit Scheinfirmen bereits einmal zu zehn Millionen Schilling Strafe verurteilt worden war, schien weniger wichtig. Gerüchte über Interventionen des IKG wies die Staatsanwaltschaft Wien zurück – das Urteil nahm sie aber an.

Printausgabe vom Donnerstag, 09. Juli 2009
Online seit: Mittwoch, 08. Juli 2009 17:53:06


Kommentare zum Artikel:

09.07.2009 18:00:19 Ein rechter Schelm,
wer böses denkt ..
mike
09.07.2009 14:06:15 an "SAM"
SAm: für den Fall, dass es sich noch nicht herumgesprochen hat: man darf von gestohlenem Geld keine Hanaa haben.

Am besten, die "vielen Leute, denen er geholfen hat" geben das Geld ihm oder seinen Gläubigern zurück.
ora
09.07.2009 10:19:53 ER IST FREI
ICH KENNE HERRN STRULOVIC ER HAT MIT SEINEN GELD VIELE LEUTE GEHOLFEN ER IZ INDROISEN BURECH HASHEM
UND AN IHNEN HER SKANDAL SIE GEHERN EINFACH INS TIERGARTEN WAS HAT DAS MIT JUDEN ZU TUHN WEN EIN CRIST REI GESPROCHEN WIRD SIND ALLE CRISTEN SCHULD ALSO SIE SIND EINFACH RASISTISCH MOTOVIERT UND SEIN MITGLIEDER DES FPO
SAM
08.07.2009 23:16:20 Skandal
Dieses Urteil ist eine richtige Schweinerei und eine Ohrfeige für jeden anständigen Bürger.
Was haben wir für Richter und Staatsanwälte die solche betrügerische Verbrechen so milde bestrafen? Eine Verhöhnung unseres Rechtssystems.

Entzieht sich der Bestrafung durch Flucht ins Ausland, wo er trotz internationalen Haftbefehl
ein gemütliches Leben auf Kosten anderer führt, wird durch Zufall ausgeforscht, nach Prüfung der strafrechtlichen Relevanz aus Steuermittel an Österreich ausgeliefert, wird hier in Untersuchungshaft, auf Steuerkosten durchgefüttert, für diese Verbrechen nun nur milde gestraft und erzählt jetzt womöglich noch jedem wie arm er doch ist?

Muss man in Österreich als Straftäter Jude sein um so milde abgeurteilt zu werden?
Wo sind hier die Wertigkeiten gesetzt worden? Wo die Bestrafung für die beteiligten Banken?
Keine Scham gegenüber den mehrfach geschädigten Opfern, keinerlei Wiedergutmachung des Schadens den diese erlitten haben .
Fehlt gerade noch dass man diesem bedauernswerten Straftäter im neuen Altenheim der IKG einen Platz anbietet damit er hier seine Pensionsjahre verbringen kann.
Transdanubier
08.07.2009 20:05:46 Freispruch
Wieder mal die Schwächsten getroffen. Wahnsinn! Hoffentlich interpretiert man mir dieses Wort nicht als Antisemetismus.
Rb
08.07.2009 18:46:57 newstips@vosizneias.com
Chaim m. steulovics is free!
try to translate it from deutch. or look up news for Ernest strulovics
vos iz neias
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