Bakker, Gerbrand: Oben ist es still
Spätes Erwachen
Von Andreas Wirthensohn
Weil sein Zwillingsbruder Henk jung starb, musste Helmer van Wonderen wider Willen den elterlichen Hof übernehmen. Seitdem lebt er zwischen Schafen, Kühen und Eseln, ohne Frau und auch sonst mit wenig Kontakt zur Außenwelt. Eines Tages beginnt er alles zu ändern: Der bettlägerige Vater wird in den 1. Stock verlegt, alles, was nach Vergangenheit aussieht, wird entsorgt, und der Sohn von Henks Jugendliebe Riet darf als Helfer und Ersatzbruder auf den Hof. Als Helmers Vater schließlich stirbt, wirkt das wie eine Befreiung. Jetzt, mit 56, kann das Leben beginnen.
Gerbrand Bakkers Debüt ist ein stiller, fein beobachteter Roman, der mit großer Zuneigung und ebenso viel lakonischem Witz von Helmers Erwachen aus der Erstarrung berichtet. Und außerdem ist ihm eine wundervolle Hommage an den kleinbäuerlichen Betrieb gelungen.
Gerbrand Bakker: Oben ist es still. Roman. Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2008, 316 Seiten, 20,40 Euro.
Printausgabe vom Samstag, 25. Oktober 2008
Online seit: Freitag, 24. Oktober 2008 14:35:00