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Ein Gespräch über Herkunft und Anwendung von Shiatsu

Druckpunkt-Therapie

Von Willy Puchner

Katharina Pfusterschmid arbeitet seit einigen Jahren als Shiatsu-Therapeutin in Wien. Mit dem "EXTRA" sprach sie über die Geschichte und die Anwendungsmöglichkeiten dieser Heilmethode.

Wiener Zeitung: Was ist Shiatsu - und woher stammt diese Methode?

Katharina Pfusterschmid: Shiatsu ist eine manuelle Therapie. Sie kommt aus Japan und hat sich aus der chinesischen Massage (Anma) und westlicher Physiotherapie entwickelt. Shiatsu ist ein japanisches Wort: Shi bedeutet Finger und atsu Druck. Den theoretischen Überbau bilden die traditionelle chinesische Medizin (TCM) und die chinesische Philosophie. Durch Shiatsu sollen die körpereigenen Abwehrkräfte gestärkt, die Körperhaltung verbessert sowie der Blut- und Lymphfluss angeregt werden. Weiters wird die Energie im Körper in ein Gleichgewicht gebracht.

Was bedeutet Energie in diesem Zusammenhang?

Energie muss man sich als Schwingung vorstellen. In unserem Körper gibt es Leitbahnen, so genannte Meridiane, in denen Energie fließt und die den Körper und seine Organe mit Wärme und Flüssigkeit versorgen. Diese Energie ist messbar und als Schwingung fühlbar. Die Chinesen haben in den letzten zwei- bis dreitausend Jahren ihre Medizin auf diesem Energie-Prinzip aufgebaut. Daraus hat sich auch die Akupunktur entwickelt. Dabei wird Energie mit Nadeln auf den Meridian-Punkten stimuliert. Shiatsu arbeitet auf eine ähnliche Weise: Die Punkte auf den Meridianen werden durch Handteller, Daumendruck, Ellenbogen- oder Kniedruck aktiviert. Dadurch werden Blockaden im Energiefluss gelöst.

Was können Sie uns über die Geschichte von Shiatsu erzählen?

Vor rund 2.500 Jahren war diese Druckpunkt-Therapie in erster Linie ein System zur Selbstbehandlung. In Asien hatte man immer ein anderes Verständnis von Medizin als in Europa. Gesundheitsübungen gehörten zum Alltag. Wenn Menschen ihre Selbstheilungskräfte aktivieren konnten, war das besser, als einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen. Wahrscheinlich war es in früherer Zeit auch so, dass Shiatsu zur Auflockerung von Muskelverspannungen diente - und generell dazu, angenehme, entspannende Gefühle zu erzeugen.

Offiziell wurde Shiatsu in Japan durch Tokujiro Namikoshi begründet, der zuerst ein Institut für Shiatsu-Therapie leitete und später eine eigene Schule gründete. Er entdeckte auch, dass die Meridiane mit dem zentralen Nervensystem verbunden sind. Einige Jahre später entstand das Iokai-Shiatsu, begründet von Shitsuto Masunaga, auch Zen-Shiatsu genannt.

Diese beiden Schulen pflegen und lehren heute die Hauptmethoden von Shiatsu. Sie unterscheiden sich in der Qualität der Berührung

sowie durch ihren theoretischen Hintergrund. Masunaga verstand sein Shiatsu-System als ganzheitliches Modell, eingebunden in

das System der fernöstlichen Medizin. Namikoshi hingegen sah die asiatische Medizin eher als hinderlich an und verknüpfte Shiatsu mit westlicher Anatomie und Physiologie.

Für welche Richtung haben Sie sich entschieden?

Ich habe mich für Zen-Shiatsu entschieden. Es ist für mich eine Art von Lebenseinstellung. Bei dieser Methode spüre ich die Schwingungen im Körper und arbeite

gemeinsam mit den Klienten an

ihren Problemen. Shiatsu ist

Kommunikation auf körperlicher Ebene. Es lehrt die Klienten,

genau in sich hinein zu horchen und hinein zu schauen. Shiatsu

ist keine passive Methode. Die Klienten lernen anhand der Im-

pulse, die sie durch Shiatsu bekommen, etwas anzunehmen und auch umzusetzen. Es regt außerdem psychische Prozesse an, etwa

wenn Menschen dauerhaft Stress ausgesetzt sind; dann kann Shiatsu dem Körper den Impuls geben, sich zu entspannen und loszulassen.

Wie läuft eine Behandlung ab?

Shiatsu findet auf dem Boden, auf einer dicken Matte statt. Die Klienten tragen bequeme Kleidung.

Im Gegensatz zur Namikoshi-

Behandlungsmethode wird beim Zen-Shiatsu nicht auf der nackten Haut gearbeitet. Zen-Shiatsu geht dabei von der Annahme aus,

dass Haut sehr empfindsam ist und jede Hautreizung dem Druck auf die Meridian-Punkte, die Tsubos genannt werden, stören könnte. Weiters ist es für die Klienten angenehmer, sich in einem angemessenen, intimen Rahmen zu bewegen.

Meist kommen Menschen zu mir, die Hilfe brauchen. Um ihr Leiden zu lindern, muss ich mich in ihre Situation einfühlen. Grundvoraussetzung dafür ist, dass wir uns für einander Zeit nehmen. Eine Shiatsu-Sitzung kann bis zu eineinhalb Stunden dauern. Ziel einer solchen Sitzung ist es, dem Klienten ein entspannendes Gefühl zu geben, ein körperliches Gleichgewicht herzustellen und Blockaden im Energiesystem zu lösen.

Weitere Informationen unter:

http://www.shiatsu-verband.at

http://www.shiatsu-austria.at

http://www.shiatsu-institut.at

http://www.katharinapfusterschmid.com



Freitag, 17. Dezember 2004 00:00:00
Update: Dienstag, 01. März 2005 12:13:00

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