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Mohamed A., österreichischer Staatsbürger, verbrachte acht Tage im Polizeianhaltezentrum

Ein Österreicher in Schubhaft

Erleichtert, erschöpft, empört: Nach Tagen der Suche fand der Vater den Sohn. Foto: beig

Erleichtert, erschöpft, empört: Nach Tagen der Suche fand der Vater den Sohn. Foto: beig

Von Stefan Beig

Aufzählung Abschiebung in Sudan war geplant.
Aufzählung Unauffindbar trotz Vermisstenanzeige.
Aufzählung Strafanzeige gegen Polizisten und Justiz.

Wien. Acht Tage verbrachte der 21-jährige Mohamed A. (Name der Redaktion bekannt) als österreichischer Staatsbürger in Schubhaft. Er stammt aus dem Sudan und ist geistig behindert. Dass er der Polizei seinen Namen und seine Wohnadresse nannte, half ihm nicht. Dass die Eltern eine Vermisstenanzeige aufgaben und sich bei etlichen Behörden nach ihm erkundigten ebenfalls nicht.

"Wir haben schlaflose Nächte hinter uns", berichtet die geschockte Mutter. "Wir dachten zunächst, er hätte sich verirrt". Wegen "mittelgradiger Intelligenzminderung" wohnt der 21-Jährige – er ist das älteste von fünf Kindern – bei seinen Eltern. Seit 1998 lebt er in Österreich. Sein Vater arbeitete bis vor zwei Jahren bei der sudanesischen Botschaft in Wien.

Das Drama begann am Mittwoch der Vorwoche. Mohamed war zur Wiener städtischen Bücherei gegangen und wartete vor verschlossener Tür – aufgesperrt wird erst um elf Uhr. Dort fragten ihn zwei Polizeibeamte nach seinem Ausweis, doch er hatte keinen bei sich. "Mohamed kann wegen seiner Behinderung nicht fließend Deutsch", so die Mutter. Immerhin nannte er den Beamten seinen Namen und die Adresse, unter der er seit 2003 amtlich gemeldet ist. Auch seinen Wohnungsschlüssel, der später in Haftverwahrung genommen wurde, hatte er bei sich. "Bitte Mama und Papa anrufen", sagte er zur Polizei.

Verhaftet ohne Prüfung der Personenfahndung

Doch statt im Meldeauskunftsregister den Namen zu suchen und die Eltern zu verständigen, brachten ihn die Polizisten im fremdenpolizeilichen Büro beim Hernalser Gürtel in Schubhaft. Seit 2005 ist Mohamed österreichischer Staatsbürger und scheint zum Beispiel in der Ekis-SIS Personenfahndung mit allen persönlichen Daten auf. Eine Überprüfung wäre einfach gewesen.

"Sie sind Fremder", erklärt der Bescheidspruch III-1271212/FrB/09 vom 25. März, "da Sie die österreichische Staatsbürgerschaft nicht besitzen." Mohameds Aufenthalt im Bundesgebiet sei "nicht rechtmäßig", weil er "ohne Visum oder Aufenthaltsgenehmigung eingereist" sei. Die Schubhaft werde verhängt "da zu befürchten war, dass Sie sich dem weiteren fremdenrechtlichen Verfahren bzw. Maßnahmen zu entziehen trachten werden". Die Verfahren zur Erlassung eines Aufenthaltsverbotes und einer Ausweisung, sowie die Abschiebung würden durch die Schubhaft gesichert.

Daheim brach Panik aus, als Mohamed nicht heimkehrte. Nach vergeblicher Suche bei U-Bahn-Stationen und Obdachlosenheimen bis spät in die Nacht machte der Vater beim Polizeikommissariat Favoriten eine Vermisstenanzeige mit genauer Personenbeschreibung. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte eigentlich der Aufenthalt von Mohamed A. bekannt werden müssen. Dass dem nicht so war, wird noch die Behörden beschäftigen: Beim der Innenministerin liegt mittlerweile eine Disziplinaranzeige gegen Polizisten wegen Amtsmissbrauchs.

Unverständlich ist auch, dass die Schubhaft unentdeckt blieb. Name und Herkunftsland waren ja in den Akten vorgemerkt. "Vielleicht ist mein Sohn mit der Schnellbahn nach Niederösterreich gefahren", dachte die Mutter. Die Eltern erkundigten sich persönlich bei den Polizeistationen Stockerau, Hollabrunn, Mödling, Baden, Strebersdorf und Traiskirchen nach dem Sohn. "Meine Frau und ich riefen verzweifelt bei der Kriminalpolizei Burgenland und Niederösterreich an", erzählt der Vater.

Doch vergeblich. Niemand machte sich die Mühe nachzufragen. "Er ist im Computer gespeichert, unsere Arbeit ist getan, viele Menschen sind abgängig", dies seien in etwa die Antworten der Kripo gewesen, berichtet eine befreundete Sozialarbeiterin, die Mohamed im psychosozialen Dienst behandelt und bei der Suche mithalf.

Dass Mohamed noch vor seiner Abschiebung in den Sudan gefunden wurde, verdankt das Ehepaar dem persönlichen Einsatz von Ursula Eltayeb, einer Bekannten von der MA 17. Nachdem Eltayeb am Dienstag vom Vorfall erfuhr, informierte sie eine Juristin, die am Mittwoch bei der Polizeistelle anrief, in der sich Mohamed befand.

Seit Mittwoch liegt bei der Staatsanwaltschaft Wien eine Strafanzeige gegen "unbekannte Justizbeamte und Polizisten" wegen Amtsmissbrauch, Freiheitsberaubung, "willkürlicher Einschränkung der Rechte" und Rassismus. "Das Büro für besondere Ermittlungen wurde mit den notwendigen Erhebungen beauftragt und wird deren Ergebnis der Staatsanwaltschaft Wien zuspielen", erklärt das Innenministerium.

Printausgabe vom Freitag, 03. April 2009
Online seit: Donnerstag, 02. April 2009 19:22:06


Kommentare zum Artikel:

04.05.2009 16:26:00 die pest namens gutmenschen
die nur so lange gut sind, so lange niemand in ihrer hietzinger villa einbricht..
und immer und überall rassismus erkennen, wo einfach der umgang mit behinderten extrem schwer ist.klar, das erhält so einige vereine und ihre subventionen-da muß der hausverstand die goschn halten.
j.c. epogrande
09.04.2009 14:37:42 Was für eine Unverschämtheit!
Österreich wird sich international daran messen lassen müssen, was dieses unerträgliche Verhalten der staatsrepräsentierenden Polizisten für disziplinarrechtliche Konsequenzen hat!
Einzelne Rassisten gibt es immer wieder mal, sogar im Polizeidienst... die Frage ist, ob das ein Kavaliersdelikt bleibt oder nicht.

Wachsam,
Carl Camurca.
Carl Camurca
06.04.2009 16:44:36 Sehr geehrter Herr Weber
Um Ihre Gesundheit zu schuetzen, darf Ihnen kein Aufwand zu grosz, keine Verkleidung zu laecherlich sein - Lederhosen sind ein guter Ansatz.

Alles ist besser als auszusehen wie ein Auslaender...dies ist bei auftauchen eines Polizisten sofort zu unterlassen, da Sie den guten Mann sonst ueberfordern und das geht schneller als man denkt.
Thun
04.04.2009 11:32:05 Danke Hr. Präsitent
Ich bin selbst Ausländer und will meine Gesunheit schützen. Ich habe aber keine Lust in Lederhose und mit einem munteren Volkslied auf den Lippen den ganzen Tag schuplatelnd durch die Stadt zu laufen, um nicht als Ausländer gesehen zu werden. Können sie mir weiter helfen?
Weber
03.04.2009 21:05:38 Dummheit oder Hass?
Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Polizisten so dumm sind, dass sie das aus Versehen durchgezogen haben. Aber kann man wirklich so dumm sein zu denken, dass würde nicht früher oder später auffallen? Entweder war hier grenzenlose Dummheit oder grenzenloser Fremdenhass im Spiel, wobei letzterer natürlich ersteres voraussetzt.
Max Mustermann
03.04.2009 12:30:09 omg
"muslimische unterwanderung europas" alleine der ausdruck zeugt von extremer intolleranz und grässlichen vorurteilen...

shame on u!!!
mia cyces
03.04.2009 11:58:40 Die Polizei informiert

Bitte sehen sie nicht wie ein Auslaender aus, dies kann Ihrer Gesundheit schaden zufuegen und Ihrem Ansehen abtraeglich sein.

Mit bestem Dank fuer die Kenntnisnahme - Ich bins, Ihr Praesident.

Thun
03.04.2009 11:28:48 @kontraproduktiv
volkszersetzern??
lehre bei franz fuchs?
fotfl
thoreau
03.04.2009 10:45:24 AW Kontraproduktiv
Was heisst "Volkszersetzer"? Bleiben Sie am Teppich. Nur weil man für eine faire und menschenwürdige Behandlung ALLER Menschen, nicht nur der alteingesessenen Bevölkerung eintritt, ist man noch lange kein "Volkszersetzer". Mit ihrem Vokabular hätten sie früher eine gute Figur gemacht.
stefan
03.04.2009 09:51:22 Polizeigewalt klug einsetzen!
Das wäre die generelle Herausforderung heute. An diesem Fall sehe ich direkt die negative Auswirkung von tendenziell agierenden Polizisten. Schubladendenken sollte ebenso tabu sein wie "maschinenähnliches" Verhalten. Soziale Kompetenz müsste als wichtigstes Kriterium herangezogen werden um den Beruf des Polizisten ausüben zu können.
@vorposter: Das Einteilen von Menschen in Kategorien (islam oder nicht, Volkszersetzer (sic!!!) oder was auch immer löst kein einziges Problem, sondern schafft Neid und Hass. Ich kenne übrigens Sudanesen die der katholischen Kirche angehören... Bitte dringend diversity Kurs besuchen!
Manfred Weigel
03.04.2009 06:48:46 kontraproduktiv
ich bin ein entschiedener gegner der immigration aus dem islamischen kulturkreis. aber solche aktionen sind dumm und kontraproduktiv, da sie einerseits den volkszersetzern von rot und grün die möglichkeit bieten ihre antiwestliche ideologie mit fakten zu untermauern und andererseits schwarzen und muslimischen nehmern die möglichkeit geben, die durch solche aktionen in der bevölkerung ausgelösten mitleidsgefhle für ihre lügengeschichten auszunutzen.

ich finde die verantwortlichen müssen nach abgeschlossener überprüfung angemessen bestraft werden und vor allem einen kurs besuchen in dem ihnen beigebracht wird, dass solche aktionen im kampf gegen die muslimische unterwanderung europas soetwas wie hochverrat darstellen.
moshe dayan forever
02.04.2009 21:29:58 Es sind nicht alle so!
Immer öfters sind solche schrecklichen Nachrichten zu lesen.
Und immer wieder kommt es zu solch unverständlichen Handlungen.

Ich kann der Familie Mohamed (ich nehme diesen Namen in Unkenntnis des richtigen) nur mein Bedauern ausdrücken, und hoffe das wir (Österreicher) irgendwann mal dazulernen!
Maximilian Rotter
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