Konzert: Cecilia Bartoli, Kammerorchester Basel
Vollblutfrau ohne kastrierte Töne
Von Daniel Wagner

Weit mehr als eine perfekte Ich-AG inklusive ausgeklügelter Marketing-Maschinerie bietet Cecilia Bartoli: Für ausgefallene Themen ist der italienische Mezzosopran seit Beginn einer glänzenden Karriere berühmt.
"Sacrificium – Die Schule der Kastraten" lautet der Titel ihres jüngsten Albums, unter gleichlautendem Motto geht sie auf Tournee. Im prall gefüllten großen Musikvereinssaal delektierten sich Abonnementpublikum und Bartolis Fangemeinde gleichermaßen an virtuosen Heldenarien aus Opern von Riccardo Broschi bis Carl Heinrich Graun, an Oratorienausschnitten von Antonio Caldara, an herzzerreißend gefühlvollen Kantilenen von Nicola Porpora. "Parto, ti lascio o cara", Arminios Abschiedsarie aus Porporas "Germanico in Germania", muss 1732 in einer ähnlich emotionellen Interpretation wie bei Bartoli ein echter Hit gewesen sein. In zarten, nicht enden wollenden Koloraturen ließ sie die Zeit stillstehen, kein Huster störte die Spannung.
Solistin und Kammerorchester Basel warfen einander agil die Einsätze entgegen, Konzertmeisterin Julia Schröder hatte das Ensemble perfekt unter Kontrolle.
Was haben die römische Nachtigall und die entmannten Sänger gemeinsam? Hormonell betrachtet nicht viel, aber mit einem Farinelli lässt sich die Sängerin gerne vergleichen. Nicht die stärkste Stimme, aber enormes Charisma, gepaart mit einer unerhörten Technik machen jeden Abend mit La Bartoli zum Erlebnis.
Konzert
Cecilia Bartoli
Kammerorchester Basel
Julia Schröder (Leitung und Violine)
Werke von Nicola Porpora u. a.
Musikverein Wien
Printausgabe vom Mittwoch, 17. März 2010
Online seit: Dienstag, 16. März 2010 18:58:00
Kommentare zum Artikel:
17.03.2010 16:48:00 Keine Kastrationsangst!
Da wird C.B. also fast angekrittelt, eine Ich-AG mit Marketing-Maschinerie sein? Welche Sängerin im Rampenlicht wär das denn nicht? Und wer wollte das hormonell betrachten?
Man muss doch nicht immer nörgeln! Ganz großartig war ihr Auftritt im Musikverein. Geht ja auch aus dem Text hervor. Aber kann man das nicht einfach so hinschreiben?
p.t.
|
Kommentar senden:
* Kommentare werden nicht automatisch veröffentlicht. Die Redaktion behält sich vor Kommentare abzulehnen. Wenn Sie eine Veröffentlichung Ihrer Stellungnahme als Leserbrief in der Druckausgabe wünschen, dann bitten wir Sie auch um die Angabe einer nachprüfbaren Postanschrift im Feld Postadresse. Diese Adresse wird online nicht veröffentlicht.