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Der 18. Internationale Aids-Kongress in Wien endet heute, Freitag, mit Optimismus

Die Bilanz des Status quo

Todesursache Stigmatisierung: Vorurteile verhindern den freien Zugang zur Behandlung. Foto: ap

Todesursache Stigmatisierung: Vorurteile verhindern den freien Zugang zur Behandlung. Foto: ap

Von Eva Stanzl

Aufzählung Viel Aufmerksamkeit, aber keine medizinischen Durchbrüche zu HIV.
Aufzählung Die Bekämpfung von Aids ist vor allem eine Frage des Geldes.

Wien. Wahrscheinlich 25.000 Teilnehmer tummelten sich diese Woche beim 18. Internationalen Aids-Kongress in Wien. Bei der Veranstaltung wurde in erster Linie Optimismus verstreut. Medizinische Umwälzungen blieben jedoch aus. Das Motto ist nach wie vor: Therapien gegen das HI-Virus sollten so früh wie möglich beginnen, um dessen Ausbreitung einzudämmen und den Ausbruch der Immunschwächekrankheit Aids zu verhindern.

Weltweit werden derzeit rund 5,2 Millionen der HIV-Infizierten mit der sogenannten antiretroviralen Therpie behandelt. Die Therapie unterdrückt die Vermehrung des HI-Virus im Blut bis hin zur nicht nachweisbaren Belastung. So wird verhindert, dass Aids ausbricht. Die Behandlung hat auch einen prophylaktischen Effekt, denn das Risiko eines HIV-negativen Partners, sich anzustecken, liegt dadurch bei nahezu null. Kommt die Therapie weltweit früh genug zum Einsatz, könnte das Virus langfristig auf diese Weise ausgerottet werden, hatte der Schweizer "Aids-Papst" Bernard Hirschel von der Universität Genf betont.

Um dieses Ziel zu erreichen, wird sich die Welt anstrengen müssen. 33,4 Millionen Menschen weltweit und 10.000 in Österreich leben derzeit mit HIV/Aids. Pro Tag infizieren sich weltweit 7400 Menschen neu, davon 1200 unter 15-Jährige, erklärte Elaine Abrams vom Internationalen Aids-Zentrum der Columbia Universität am Donnerstag. Nur 36 Prozent der Betroffenen erhalten die nötige antiretrovirale Therapie, obwohl die Vereinten Nationen (UNO) es sich im Jahr 2000 zum Ziel gesetzt hatten, bis 2010 allen Betroffenen eine Behandlung zu ermöglichen.

Hat die UNO das Ausmaß der Krankheit unterschätzt? "Manchmal wünscht man sich mehr, als möglich ist", räumt Brigitte Schmied, Präsidentin Österreichischen Aids-Gesellschaft, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" ein: "Es reicht nicht, einfach Medikamente zur Verfügung zu stellen. Sondern sie müssen mit Information und einem Ausbau der Infrastruktur einhergehen."

Eine Impfung bleibt aus. Denn das Virus verändert sich ständig. "Die Suche nach einem Impfstoff ist wie die Suche nach einem Schlüssel zu einem Schloss, das laufend die Form wechselt", sagt Schmied. Als "erfreulich" bezeichnet sie die Entwicklung eines Vaginal-Gels mit dem Anti-HIV-Wirkstoff Tenofovir zur Vorbeugung. Es reduziert die Zahl der Neuinfektionen um 40 Prozent bei Anwendung zwölf Stunden vor und zwölf Stunden nach dem Geschlechtsverkehr.

Hoffnung Krebsforschung

Hoffnungen schöpft die Medizin auch aus der Krebsforschung: Der körpereigene Krebs-Schutzfaktor p21 – ein Protein, das den programmierten Selbstmord von Zellen infolge von Genschäden kontrolliert – stellt auch einen Schutzfaktor gegen eine HIV-Infektion dar. Ein mögliches wissenschaftliches Highlight ist auch ein günstigerer Test. Das regelmäßige Messen der Virenzahl im Blut ist eine wichtige Maßnahme, um das Krankheitsstadium zu bestimmen. Dazu werden bisher Plasma-Blutproben verwendet, die bei minus 70 Grad Celsius gelagert und zur Auswertung verschickt werden müssen. Inklusive Transport kostet der Test um die 110 Euro. Corena Vazquez, Mikrobiologin aus Buenos Aires, hat nun einen ähnlich zuverlässigen, aber deutlich günstigeren Test entwickelt, bei dem sechs Tropfen Blut auf ein Löschpapier gebracht werden. Denn die Aids-Bekämpfung ist vor allem auch ein Frage des Geldes.

Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, eine öffentlich-private Partnerschaft, die internationale Unterstützung im Kampf gegen die Krankheiten mobilisiert, würde nach eigenen Aussagen 90 Milliarden US-Dollar benötigen, um einen weltweiten Zugang zu Medikamenten bis 2015 zu ermöglichen. Bis Ende 2009 hat der Fonds 2,5 Millionen Menschen eine antiretrovirale Therapie ermöglicht.



Printausgabe vom Freitag, 23. Juli 2010
Online seit: Donnerstag, 22. Juli 2010 17:51:00

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