AIDS-Konferenz geht zu Ende
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20. Juli. 2010: Der "Human Rights March" als Begleitprogramm der Aids-Konferenz.
(© Neubauer/APA)
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Von WZ Online

Reformbedarf bei inhaftierten Drogenabhängigen und Patienten mit Hepatitis C.

Erneut Kritik an Österreich.
Nach sechs Tagen mit Berichten über Erfolge im Kampf gegen HIV/Aids und Kritik an mangelnder Finanzierung geht die 18. Internationale Aids Konferenz in Wien mit letzten Appellen zu Ende.
Eine bessere Behandlung für Patienten mit Hepatitis C und der reformbedürftige Umgang mit inhaftierten Drogenabhängigen standen dabei im Mittelpunkt.
"Alle Redner bei der Aids-Konferenz haben betont, dass wir dringend weitere Investitionen brauchen, um den Kampf gegen Aids weiter zu führen", zog Brigitte Schmied, Präsidentin der Österreichischen Aids-Gesellschaft, Bilanz. Bedauern äußerte sie über die geringe Beteiligung von Politikern aus Osteuropa und Zentralasien.
"2010 ist die 'Deadline', die sich die G8-Staaten im Jahr 2005 für den generellen Zugang aller HIV/Aids-Patienten zu einer Behandlung gesetzt haben, und wozu sich die Staaten im Rahmen der UNO verpflichten", so Julio Montaner, Präsident der Internationalen Aids Gesellschaft. "Wir verlangen nicht weniger als genau das, wozu sich die Staaten verpflichtet haben."
Diese Mittel seien keine Almosen, sondern Investitionen in Sicherheit: "Handeln wir jetzt nicht, droht schon in nächster Zukunft die Destabilisierung Afrikas, mittelfristig auch unserer Länder. Wir brauchen so etwas wie eine 'Robin Hood Tax', eine Finanztransaktionssteuer, um das zu finanzieren." In einer internationalen Analyse, wie sehr sich Österreich am internationalen Kampf gegen Aids beteiligt, fand sich die Alpenrepublik Donnerstagabend auf einer Schautafel im Medienzentrum nur in Kategorie F, der schlechtesten. In den Global Fund gegen Aids hat Österreich bisher nur eine Million US-Dollar (778.210 Euro) einbezahlt.
Kaum finanzielle Hilfe aus Österreich
Mangelhaftes Engagement attestierte Österreich am Freitag auch Manfred Nowak, UN-Sonderbeauftragter für Folter: Es sei schlicht "nicht nachvollziehbar", dass sich das Gastgeberland der Konferenz nicht aus Solidarität angemessen an dem "Global Fund" beteilige, der es sich zur Aufgabe gemacht habe, Medikamente zu verbessern und billiger zu machen. Der Experte sieht einen Zusammenhang mit der niedrigen Dotierung der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. "Eines der reichsten Länder der Welt" schaffe es nicht, das UNO-Ziel von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Entwicklungszusammenarbeit aufzubringen.
"Es gibt eine weltweite Krise der Gefängnissysteme", klagte Nowak weiter an. Der weltweite Vergleich zeige, dass die Zahl der HIV-Opfer steige, je stärker die Risikogruppen kriminalisiert und mit Verboten belegt würden. Notwendig seien Information, HIV-Tests, der Zugang zu Kondomen sowie Spritzentausch- und Substitutionsprogramme. "Insassen mit HIV haben dieselben Rechte auf Behandlung wie andere auch." Kein Gefängnisdirektor könne behaupten, dass die Regelungen in seiner Anstalt so streng seien, dass es Drogen und Homosexualität nicht gebe: "Es gibt keine drogen- und sexfreien Gefängnisse".
Als Beispiel für den Bedarf an Investition wurde auch Hepatitis C als zweite Geißel der HIV-Patienten hervorgehoben: "Jede dritte HIV-infizierte Personen weltweit hat ebenso Hepatitis C", berichtete David L. Thomas von der John Hopkins Universität. Hoch sei die Co-Infektionsrate (80 Prozent) vor allem bei Drogenkonsumenten. "Prävention ist möglich, wird derzeit aber nicht angewandt", bedauerte Thomas. Ein Grund seien fehlende Tests - so wüssten 70 Prozent der Betroffenen in den USA nicht, dass sie die Krankheit hätten. Dabei stehe man medizinisch an einem Wendepunkt, in dem die Heilung von Hepatitis C in bald möglich sein dürfte: "Es wird der Tag kommen, an dem wir fast alle heilen können, die in Behandlung kommen."
193 Länder vertreten
Insgesamt 193 Länder waren bei der sechstägigen Mammutkonferenz mit dem Motto "Rechte hier und jetzt" in der Messe Wien vertreten. Ex-US-Präsident Bill Clinton und Microsoft-Gründer Bill Gates reisten nach Österreich und plädierten für mehr Effizienz bei der Finanzierung. Insgesamt 19.300 Personen - deutlich weniger als erwartet - nahmen teil, darunter 828 heimische Delegierte. UNAIDS-Botschafterin und Teilnehmerin Annie Lennox setzte sich besonders für die Menschenrechte aller HIV- und Aids-Patienten ein und versammelte Tausende bei einem Demonstrationsmarsch in der Wiener City. Auf "Facebook" fand die Veranstaltung mit 151 Ausstellungen 12.324 Fans.
Zu den 248 Sitzungen und 19 Plenarreden wurden 10.831 Entwürfe eingereicht und 6.238 gebilligt. Als wissenschaftliche Highlights wurden medizinische Fortschritte bei Heilung und Behandlung sowie ein noch experimentelles Vaginal-Gel präsentiert. Es könnte Frauen in Zukunft abseits von Kondomen Präventionsmöglichkeiten bieten. (APA)
Freitag, 23. Juli 2010 13:21:00
Update: Freitag, 23. Juli 2010 13:30:00
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