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Medizin-Uni-Wien: Neuer Universitätsrat begrüßt Ende umstrittener Geschäftsbeziehungen

"Ich gehe allen Dingen nach"

Erhard Busek ist seit Mai Universitätsrats-Chef an der Medizin-Uni Wien. Foto: epa

Erhard Busek ist seit Mai Universitätsrats-Chef an der Medizin-Uni Wien. Foto: epa

Von Stefan Melichar

Aufzählung Professoren nicht mehr an Firma eines Uni-Rats beteiligt.
Aufzählung Busek: "Alles läuft korrekt ab."

Wien. An der Medizinischen Universität Wien (MUW) beginnen sich langsam die Verhältnisse zu lichten. So wurde unlängst eine wiederholt öffentlich kritisierte Geschäftsbeziehung zwischen mehreren hochrangigen Professoren und einem Mitglied des Universitätsrats beendet. Der neue Vorsitzende dieses obersten universitären Aufsichtsgremiums, der ehemalige ÖVP-Vizekanzler Erhard Busek, begrüßt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" diesen Schritt.

Seit seinem Amtsantritt im Mai sei an der MUW alles korrekt abgelaufen, so Busek. Falls nötig, gehe er aber "natürlich allen Dingen" nach. Von Vorfällen vor seinem Amtsantritt habe er keine Kenntnis.

In den vergangenen Jahren sind wiederholt heftige Vorwürfe gegen Führungspersonen der Universität laut geworden. Mehrfach ist von "Seilschaften" die Rede gewesen, die sich wichtige Positionen ohne Ansehen der Qualifikation untereinander aufteilen würden (die "Wiener Zeitung" berichtete).

Im konkreten Fall stießen sich Kritiker an einer geschäftlichen Verbindung zwischen Universitätsrat Johannes Strohmayer – der in dieser Funktion mitverantwortlich für richtungsweisende Entscheidungen an der MUW ist – und prominenten Universitätsmitgliedern. Am Wiener Biotech-Unternehmen "Bio Life Science", das sich mit der Entwicklung von Krebsimpfstoffen befasst, waren neben Strohmayers Investment-Firma Euro Capital Partners (ECP) bis vor kurzem auch der Onkologe Christoph Zielinski, der Dermatologe Hubert Pehamberger sowie der Immunologe Otto Scheiner beteiligt.

Vize-Rektor involviert

Zielinski wurde Ende 2007 vom Universitätsrat zum Vize-Rektor der MUW gewählt – allem Anschein nach, ohne dass sich Strohmayer dabei der Stimme enthalten hätte. Pehamberger leitet die Universitätsklinik für Dermatologie, und Scheiner steht dem Zentrum für Physiologie und Pathophysiologie vor. Genannte Personen waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Wäre die MUW ein Privatunternehmen und der Universitätsrat demzufolge ein Aufsichtsrat, müsste letzterer eine Beteiligungskonstruktion wie im Fall von "Bio Life Science" vorher genehmigen. Geschäfte zwischen der Firma eines Aufsichtsratsmitglieds und einzelnen Abteilungsleitern ("Bio Life Science" unterhielt Forschungskooperationen mit MUW-Instituten) sind ebenfalls genehmigungspflichtig – wobei das betroffene Aufsichtsratsmitglied dabei einem Stimmverbot unterliegt. Das Universitätsgesetz sieht keine derartigen Regeln vor. Die Richtlinien zu Nebenbeschäftigungen werden vom jeweiligen Rektorat festgelegt. Die Frage, ob es an der MUW Bestimmungen bezüglich Geschäftsbeziehungen zwischen einem Uni-Rat und einem Universitätsmitglied – also zwischen Kontrolleur und Kontrolliertem – gibt, blieb seitens der Universität unbeantwortet.

Fehlen klare Regeln?

Allerdings lässt das Rektorat wissen, dass es die Gründung von Unternehmen zur Vermarktung wissenschaftlicher Erkenntnisse im Umfeld der MUW unterstütze. Die Firma "Bio Life Science" habe schon vor dem 2004 erfolgten Start der MUW als eigenständige Universität bestanden. Die Hintergründe des Rückzugs der Professoren aus dem Unternehmen würden nicht die Geschäftspolitik der Universität betreffen.

Laut Busek hat es bereits in der früheren Periode des Universitätsrats Druck gegeben, die Situation zu klären. Daher habe sich das Thema für ihn gar nicht gestellt. Zielinski, Pehamberger und Scheiner haben Mitte August ihre Anteile an "Bio Life Science" an Strohmayers Firma ECP abgetreten. Dies sei dem Uni-Rat berichtet worden, so Busek. Auch Strohmayer habe erklärt, dass er das für richtig halte.

Printausgabe vom Mittwoch, 29. Oktober 2008
Online seit: Dienstag, 28. Oktober 2008 16:28:00

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