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Aktuelle MeinungPrint this

Kärnten und Griechenland

Die Wut auf die Griechen ist groß: Wie kann so ein Land die gesamte Eurozone in Misskredit bringen? Wie kann so ein Land Teil einer Währungsunion sein und anschließend dem Rest Europas den Stinkefinger zeigen? Wo bleibt die Verantwortung?

Lauter richtige Fragen. Unter anderem will auch der Gouverneur der heimischen Nationalbank keinerlei EU-Rettungsaktion für Griechenland, weil dies Budgetsünder nur belohnen würde. Nun, dieser Meinung kann und darf man sein.

Aber wo blieb diese Konsequenz in Österreich? Kärnten ist für die Hypo Haftungen über 18 Milliarden Euro eingegangen, eine Summe, die dieses Bundesland niemals hätte aufbringen könnte. Warum ist dann in Österreich – neben anderen – auch die Nationalbank so vehement für die Rettung der Hypo Alpe Adria eingetreten? Um größeren Schaden abzuwenden, so lautete das Argument.

Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Kärnten hat sich unter den Augen der Bundespolitik und der Aufsicht bis über beide Ohren verschulden dürfen, am Ende zahlt der österreichische Steuerzahler die Zeche des carinthischen Gelages.

Die Griechen, die nicht von Haider, sondern von Dionysos das Feiern lernten, sollen die Suppe alleine auslöffeln. Abgesehen davon, dass ihre Chance gering ist, dies alleine zu stemmen, ist das von Europa ausgesandte Signal beunruhigend. Es gibt eine Union, aber bei Schwierigkeiten ist sich jeder selbst der Nächste – das ist keine Union.

Umgekehrt gilt das auch: Die Länder einer Union müssten sich gefallen lassen, dass eine EU-Instanz die Einhaltung der Vereinbarungen auch prüft. Das ist für die einzelnen Regierungen starker Tobak. Bundes- und Landesregierungen würden sich schön bedanken, wenn jemand aus Brüssel anruft, um zu erklären, dass diese und jene Budgetausgabe oder Haftung leider nicht wirksam wird, weil dies den EU-Verträgen widerspricht.

Aber es wird nicht anders zu machen sein. Griechenland ist nun "unter Kuratel" gestellt, die EU-Kommission prüft monatlich die Entwicklung des Budgets. "Um größeren Schaden abzuwenden", wie es so schön heißt, beispielsweise für die Eurozone. Ach ja: Kärnten ist nicht unter Kuratel gestellt worden, sondern deren Landesregierung durfte sich über die Bundeshilfe noch lustig machen.

Printausgabe vom Dienstag, 09. Februar 2010
Online seit: Montag, 08. Februar 2010 18:23:00


Kommentare zum Artikel:

09.02.2010 16:09:36 Kärnten u.Griechenland
Herr Chefredakteur, ihren Vergleich in Ehren, aber Österreich ist ein Bundesstaat, die EU aber nicht. Das macht's aus.
Im Übrigen ist Griechenland nicht auf normalen Weg in die damalige EWG gekommen, sondern durch Biegen und Brechen, sprich:durch den militärstrategischen Druck der USA (NATO-Südflanke). Griechenland hatte damals den Status eines Entwicklungslandes, wie etwa heute Serbien oder Mazedonien. Das heißt, Griechenland bekam immer schon eine Extrawurst.
Dr.Josef Mannert
09.02.2010 15:20:56 Wozu Sparen
...so oder ähnlich hieß Ihre Überschrift vor gar nicht langer Zeit, als Pröll Sparen für 2011 Sparen ankündigte. Heute haben Sie sich die Antwort gegeben, Sie teilen etwas einseitig Ihre Ohrfeigen aus.
kurt
09.02.2010 11:07:12 Bitte jetzt keine Schuld...
zuweisungen in der EURO-Zone. Die "Krise" hatte ihren Ausgang in den USA, ihre politische Dimension steht noch aus.
Die Budgetmogeleien der Griechen (und Anderer) wären weitere Jahrzehnte niemandem aufgefallen, wenn nicht dieser unvorhersehbare Faktor hinzugetreten wäre. Jetzt auf die Schwächsten wegen mangelnder Budgetdisziplin loszuhacken, ist schon deshalb ungerecht, weil die Währungshüter immer wußten, dass die griechischen Zahlen nichts wert waren; und dieses Land dennoch (politischer Imperativ, sie verstehen?) in die Währungsunion aufnahmen...
Jakob Büchel
09.02.2010 10:45:33 Lächerlicher Vergleich
Kärnten in Bezug zu Greichenland zu erwähnen,Die Artikel in der Wiener Zeitung waren schon einmal treffender.
sepp
08.02.2010 19:13:43 Nagelprobe
Die große Nagelprobe für die Union wird nach dem Platzen der nächsten Blase kommen, die mit Hilfe des "Bankenrettungspakets" zusätzlich aufgeblasen wird - wenn mehrere EU-Länder vor dem Staatsbankrott stehen.
wartl
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