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Sedlaczek am Mittwoch

Gedownloadet oder heruntergeladen?

Robert Sedlaczek ist Au tor der Bücher „leet & leiwand - das Lexikon der Jugendsprache“ und „Das österreichische Deutsch“.

Robert Sedlaczek ist Au tor der Bücher „leet & leiwand - das Lexikon der Jugendsprache“ und „Das österreichische Deutsch“.

Die Sprache von Microsoft ist ein Ärgernis. Aber angeblich werden uns die falschen Formen von downloaden eines Tages erspart
bleiben. Fragt sich nur wann.

Wehrlos sitze ich vor dem Bildschirm. "Neue Updates sind verfügbar. Klicken Sie hier, um diese Updates zu downloaden."

Ich will wenigstens wissen, worum es geht. "Wählen Sie die Updates aus, die gedownloadet werden sollen." Auf den einen da kann ich wohl nicht verzichten. Dann die triumphale Meldung: "Dateien werden gedownloadet . . ."

Liebe Übersetzer von Microsoft! Solche Formen kann man im Deutschen nicht bilden. Der Ausdruck funktioniert wie ein Partikelverb. In solchen Fällen muss zu unbedingt zwischen Erst- und Zweitglied stehen.

Nehmen wir einen einfachen englischen Satz und übersetzen wir ihn ins Deutsche. "He hesitated to plunge into the cold water." Eure Übersetzung würde lauten: "Er zögerte, sich ins kalte Wasser zu hinunterstürzen."

Im zweiten und dritten Beispiel geht es um das Partizip II (Partizip Perfekt). In diesem Fall muss ge- zwischen Erst- und Zweitglied platziert werden.

"He has plunged into the cold water." Meine Tastatur sträubt sich, den Satz so einzutippen, wie Ihr ihn übersetzen würdet: "Er hat sich ins kalte Wasser gehinunterstürzt." Das klingt wie die Bedienungsanleitung eines in Asien hergestellten Elektronikgerätes. Wollt Ihr Euch daran messen?

Konkurrent Apple verwendet schon seit einiger Zeit den Begriff laden – auf eine Unterscheidung zwischen herunterladen und hinaufladen wird bewusst verzichtet. Apple meint, aus dem Zusammenhang könne man erkennen, was gemeint ist. Weil Apple auf die öffentliche Kritik so rasch reagiert hat, ist wohl Microsoft immer stärker unter Druck geraten.

Erst vor kurzem habe ich irgendwo gelesen, dass Microsoft in neuen und aktualisierten Produkten und Publikationen für den deutschsprachigen Raum in Hinkunft die Form herunterladen verwenden wird. Ich bin neugierig, wie lange es dauern wird, bis sich bei Microsoft herunterladen durchgesetzt hat. Und es bleibt zu befürchten, dass der Datentransfer in der umgekehrten Richtung nicht hinaufladen heißen wird, sondern hochladen . In Österreich und Bayern klingt das wie ein Fremdwort, es erinnert an "die Treppe hochgehen ".

Nein, es ist nicht egal, wie Microsoft mit seinen Kunden kommuniziert, das hat Beispielwirkung. Und Texte mit zahlreichen englischen Fachausdrücken sind halt nun einmal schwer zu verstehen.

Auf Wikipedia habe ich einen gut gewählten Beispielsatz gefunden: "Ich muss die Harddisk neu formatieren, weil der falsch gesteckte Jumper zur Datenkorruption geführt hat und die Maschine gecrasht ist." Wer soll sich unter diesem Kauderwelsch etwas vorstellen? Dabei wäre alles so einfach. Wikipedia schlägt folgende Formulierung vor: "Ich muss die Festplatte neu formatieren, weil eine falsch gesetzte Steckbrücke zu Datenverlust geführt hat und die Maschine abgestürzt ist." In diesem Fall wird sich auch der Laie ein grobes Bild von den grauslichen Vorgängen im Inneren seines PC machen.

Diese Zeilen sind also auch ein Appell an alle guten Geister im EDV-Bereich: Wenn wir einmal ganz dringend Eure Hilfe brauchen – bitte redet deutsch mit uns! Wir vertragen schon die ganze Wahrheit! Auch einen drohenden Datenverlust!

Kleine Nachbemerkung: Der englische Ausdruck data corruption geht auf die wörtliche Bedeutung von to corrupt zurück: beschädigen. Herkunftswort ist das lateinische corrumpere (= verderben, verführen, zu Schande machen, vernichten). Im Deutschen verwenden wir korrumpieren hingegen nur im übertragenen Sinn: bestechen. Es geht also nicht um eine Korruption von Daten, sondern um eine Beschädigung von Daten – im Klartext heißt das: Datenverlust.



Printausgabe vom Mittwoch, 08. August 2007
Update: Mittwoch, 08. August 2007 09:03:00


Kommentare zum Artikel:

18.02.2010 01:20:11 Downloaded
Piefke-Ansicht dazu:
gedownloaded geht überhaupt nicht!
'Downgeloade/n/t' geht: Das wäre dann ein Lehnwort, das die deutschen Prinzipien der Bildung des Partizip Perfekts berücksichtigt; aber es ist/wäre total bescheuert, wie wir hier auf piefchinesisch sagen.

Selige Zeiten - als aus den engl. 'cakes' der deutsche 'Keks' wurde. Da hat's mit den Lehnwörtern noch geklappt.

Piefke darf jetzt 'Servus' sagen

Th. Bodenstein


Thomas Bodenstein
21.08.2007 11:18:46 Ergänzung zu Hr. Seflaczek
Angefangen hat alles mit der Verwendung technischer Artikel und Geräte, die von internationalen Konzernen stammten (anfangs vor allem aus den USA) und daher mit englichsprachigen Beschreibungen vertrieben wurden. Der Gebrauch in Wort und Schrift hat sich wie eine Seuche verbreitet und festgesetzt. So ärgerlich es auch ist, aber in unserer Globalisierung (auch so ein Zauberwort- für alles anwendbar) sind solche Ausdrücke Standard und daher jedem einigermaßen vertrauten "user" eh klar; klaro?
Ein Ärgernis, diesem überlegen.sind die "ORFler" die die Deutsche Sprache mit allen möglichen Ausdrücken, Fremdwoörtern und Korzformen total verhundsen! PISA ruft!
Paradebeispiele: Info, Flash,
Ticket, Kids, Insider, Show usw. Scheinbar keine Zeit mehr, um vor fünf Jahren noch richtig gebrauchte deutsche Wörter zu verwenden!
Ing. Herbert Haslinger
10.08.2007 13:02:42 Danke
für diesen erfrischend vernünftigen Kommentar.
Nebenbei, daß "Jumper" zwanglos mit "Steckbrücke" gleichgesetzt werden kann, wissen sogar Anfänger, die sich einen Rest logischen Denkens erhalten haben.
Horst Reingrabner
08.08.2007 07:39:45 Vereinfachung?
"Ich muss die Festplatte neu formatieren, weil eine falsch gesetzte Steckbrücke zu Datenverlust geführt hat und die Maschine abgestürzt ist." Dieser Satz ist auf den ersten Blick leichter verständlich. Wenn man aber mit Google (Entschuldigung, ich meine "einer Suchmaschine") Informationen über diese Situation einholen möchte, und die Suche auf den englischsprachigen Teil des Internets (äh, "Netzes") ausweiten möchte, gestaltet sich die Übersetzung mit Hilfe des anderen Satzes wesentlich leichter. Ein korrekt deutscher Satz, der auf den ersten Blick leichter verständlich ist, verkompliziert also die Sache, wenn man sich tiefer mit dem Thema auseinander setzen möchte. Das Wort "Jumper" ist mir übrigens ein Begriff, das Wort "Steckbrücke" hätte ich erst mühsam übersetzen müssen.
Sibylle Stofer
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