Sein Gastkommentar "Gemäßigter Islamismus?" in der "Wiener Zeitung" vom 22. April stellt wieder einmal ein Lehrbeispiel dafür dar, worum es eigentlich geht: um die Fortführung eines heute leider sehr weit verbreiteten Islam-Bashings mit dem Ziel, die seit Jahrzehnten von Israel betriebene Politik der ethnischen Säuberung und des Landraubes als legitimes Mittel der existentiellen Selbstverteidigung hinstellen zu können.
Mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten von Ayatollah Khomeini und mit Hinweisen auf die Verbrechen der Taliban wird da ein Popanz aufgebaut, auf den man mit allen zur Verfügung stehen Mitteln einschlagen kann. Dass die Wirklichkeit um einiges komplizierter und widersprüchlicher ist, wird unter den Tisch fallen gelassen, es würde nämlich die Argumentation stören. Dass beispielsweise die iranische Revolution sehr wohl auch eine Reaktion auf die Diktatur des Schah und auch auf die Eliminierung der iranischen Demokratie war und dass die Taliban eine Kreation der CIA mit Hilfe des pakistanischen Geheimdienstes sind, übergeht man im Übereifer einer letzten Endes neokonservativen Argumentation.
Dass diese Politik in den vergangenen sieben Jahren die ohnedies bereits äußerst problematische Situation im Nahen Osten in einem unvorstellbaren Ausmaß weiter verschärft, die Lebensgrundlagen ganzer Völker vernichtet, Millionen Todesopfer gefordert und viele Millionen aus ihrer Heimat vertrieben hat, sind halt Kollateralschäden der "Demokratisierung" und der Gestaltung eines "Neuen Nahen Ostens".
Dass die Verbrechen des islamistischen Terrors für die neokonservativen Ideologen in der US-Administration einen geeigneten Vorwand geliefert haben, ihre Politik der Weltherrschaft rücksichtslos in die Tat umzusetzen, ist inzwischen eine relativ weit verbreitete Einsicht. Und es war purer Zynismus, als Israels damaliger Premier Ariel Sharon nach dem 11. September 2001 den USA den Rat gegeben hat, nun endlich auch jene aggressive und völkerrechtswidrige Politik zu praktizieren, welche Israel bereits seit Jahrzehnten gegen die Palästinenser und andere arabische Nachbarn anwendet.
Wie bereits erwähnt, sind "Analysen" wie jene Grigats sicherlich nicht dazu geeignet, die wirklichen Hintergründe und Probleme der Konflikte im Nahen und Fernen Osten zu erkennen, geschweige denn zu lösen. Sie stellen vielmehr eine argumentative Schützenhilfe für eine Fortführung einer Politik dar, welche über die Völker des Orient unvorstellbares Leid und die gesamte Welt an den Rand eines globalen militärischen Konfliktes gebracht hat.
Fritz Edlinger ist Generalsekretär der Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen.
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Printausgabe vom Dienstag, 29. April 2008Online seit: Montag, 28. April 2008 16:17:18
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