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Meinl-Putsch: Strom erzeugen bringt weniger Profit als Zertifikate drucken

Von Helmut Dité

Aufzählung "Leid tun mir jene Leute, die mit 10 Euro eingestiegen sind und jetzt 5 oder 6 rauskriegen – das sind vor allem die Kleinaktionäre": Hans Haider, am Freitag gestürzter Board-Chef der Meinl International Power (MIP), geht nach dem Putsch "mit reinem Gewissen und erhobenen Hauptes". Wenn ihm die Pläne der neuen Chefs nicht passen, könne er immer noch seine eigenen 15.000 Aktien verkaufen – was auch für ihn hieße, den Verlust zu realisieren.

Haider befürchtet, dass jetzt alles ganz im Stil der klassischen "Corporate raiders" der 80er-Jahre laufen wird. Die Devise: Unternehmen aufkaufen, aussaugen, filetieren. Ebenso würden die Rebellen mit dem Verkauf der bereits vorhandenen Kraftwerksprojekte nun Kasse machen wollen.

Rebellen-Sprecher Alexander Proschofsky (Cube Invest) stellt das anders dar: Nach dem "Sieg der Aktionärsdemokratie" wolle man den Zertifikatsinhabern die Möglichkeit geben, ihr Geld zurückzubekommen. Je nach den noch vorhandenen liquiden Mitteln in Höhe von 295 bis 360 Millionen Euro – der Börsengang hatte 2007 gut 600 Millionen in die Kassen gespült – könnten 4,9 bis 6 Euro pro Zertifikat als Sonderdividende ausgeschüttet werden.

In der Wiener Annagasse Nummer eins, wo Haider und Meinl-MIP-Manager und Ex-Finanzminister Karl Heinz Grasser bis zuletzt Büros in den Räumen von Grassers Firma "Value creation" mit kristallverzierten Möbeln von Fiona Swarovski benutzten, wird wohl bald das Licht ausgehen.

Eineinhalb Jahre lang hatte es der 66jährige, frühere Verbundchef Haider dank seiner allseits unbestrittenen Energie-Expertise verstanden, nicht in den Strudel der Kritik an Meinl selbst und an der Entwicklung der börsenotierten MIP-"Schwestergesellschaften" Meinl European Land (MEL) und Meinl Airports International (MAI) zu gelangen. Es sei schade, dass die attraktive Geschäftsidee, via Fonds im Bereich Energie zu investieren, jetzt wohl den Bach hinuntergehe, sagte Haider in seinem "Abschluss-Statement".

Im Kasino sind die Regeln aber anders: Die MIP-Zertifikate legten am Freitag um mehr als 13 Prozent auf 5,95 Euro zu. An die Börse gekommen waren sie 2007 um 10 Euro. Nach dem "Schwarzen Oktober", in dem heuer Substanzpapiere wie Verbund, OMV oder EVN gewaltige Abstürze verzeichnen mussten, stehen die vor dem Sommer schwer abgezockten MIP-Anleger auf einmal vergleichsweise gar nicht mehr so schlecht da.

Printausgabe vom Samstag, 15. November 2008
Online seit: Freitag, 14. November 2008 18:56:14

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