Wissenschafter mit Gefühl für Detektivarbeit
Walter Manoschek
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Holocaust-Forscher Walter Manoschek. Foto: Pfluegl
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Von Rainer Mayerhofer

Ein Universitätsprojekt zum Massaker an jüdischen Zwangsarbeitern im burgenländischen Rechnitz im März 1945 hat jetzt dazu geführt, dass doch noch einer der Täter von damals in Duisburg/Nordrhein-Westfalen vor Gericht kommt. Der am 21. August 1957 in Wien geborene Politikwissenschafter Walter Manoschek war Leiter des Universitätsprojekts, in dessen Rahmen der heute 90-jährige SS-Mann ausgeforscht wurde.
Walter Manoschek kann auf eine reiche zeitgeschichtliche Forschungstätigkeit hinweisen. Schon während seines Studiums - zuerst strebte er das Lehramt an, später schloss an der Universität Wien ein Politikwissenschaftsstudium ab - holte er sich zwischen 1985 und 1990 als freier Mitarbeiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands (DÖW) praktische Kenntnisse dessen, was er zum Mittelpunkt seiner künftigen wissenschaftlichen Arbeit machte. 1987 bis 1989 wirkte er an einem Projekt des Wissenschaftsministeriums über den Balkan im Zweiten Weltkrieg mit.
Mitgestalter der Wehrmachtsausstellung
Diese Arbeit war Ausgangspunkt für eine Publikation über den gescheiterten jüdischen "Kladovo-Transport" nach Palästina und die Arbeit "Serbien ist judenfrei" über Besatzungspolitik und Judenvernichtung in Serbien in den Jahren 1941/42. Zwischen 1993 und 1999 war Manoschek auch Mitgestalter der Ausstellung "Vernichtungskrieg - Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944" und für die Präsentation der Ausstellung in Österreich verantwortlich. Parallel dazu veröffentlichte er grundlegende Publikationen über "Die Wehrmacht im Rassenkrieg" und "Es gibt nur eines für das Judentum: Vernichtung" über das Judenbild in deutschen Soldatenbriefen. Unter seinen zahlreichen Publikationen stechen die Arbeiten über die Opfer der NS-Militärjustiz und die Doppelbiographie des Botschafterehepaares Erna und Walter Wodak hervor. Von 2004 bis 2007 war Manoschek Vorstand des Instituts für Staatswissenschaft an der Uni Wien.
Printausgabe vom Freitag, 20. November 2009
Online seit: Donnerstag, 19. November 2009 18:24:18
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