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Kosovo: Unabhängig, aber arm

Die von Milosevic geschaffenen unklaren Eigentumsverhältnisse der Minen und des Industriekomplexes Trepça verhindern, dass Albanien aus dem Abbau Gewinne zieht.

Die von Milosevic geschaffenen unklaren Eigentumsverhältnisse der Minen und des Industriekomplexes Trepça verhindern, dass Albanien aus dem Abbau Gewinne zieht. (© AP- Visar Kryeziu)

Von Fatmir Aliu / WZ Online / dpa

"Nichts ist besser geworden seit der Unabhängigkeit", klagt Admir Llapashtica. Der 25-jährige Kosovo-Albaner hat ein Diplom in Wirtschaftswissenschaft in der Tasche, doch ein Job ist weit und breit nicht in Sicht. Er vertreibt sich ähnlich wie tausende Leidensgenossen die Zeit in einem der vielen Kaffees in der kosovarischen Hauptstadt Prishtina (Pristina).

"Für mich gibt es keinerlei Perspektive", sagt der junge Mann, der sich schämt, seinen Vater jeden Tag um zwei Euro für den einen oder anderen Kaffee anzubetteln. Sein Vater verdiene als Lehrer selbst nur 300 Euro im Monat, sagt er.

"Statt besser ist es schlechter geworden", stimmt Butrint Qorri (27) zu, der mit Admir im In-Kaffee "Morena" sitzt. "Für einen Arbeitsplatz brauchst Du doch Verbindungen in der Regierung", resigniert der Mann: "Ich hatte gedacht, die internationale Gemeinschaft wird das Verhalten unserer Politiker ändern, aber jetzt sind alle meine Hoffnungen zerstört". Außerhalb der Hauptstadt sie die Lage noch viel aussichtsloser, wenn das überhaupt geht, berichten die jungen Leute.

Die 32-jährige Edona Ahmeti ist Ärztin im Hauptkrankenhaus von Prishtina und zeichnet ein verheerendes Bild des Gesundheitssektors. "Auch zehn Jahre nach dem Krieg gibt es keine gesetzliche Krankenversicherung", sagt sie. Jede Untersuchung und jedes Medikament müssen die Patienten selbst zahlen. "Für die Armen aus der Provinz ist das ein Desaster" und "trotz aller virtuellen Versprechen der Politiker ist der Gesundheitsbereich völlig vergessen worden".

Der 31-jährige Grafiker Gazmend Miftari aus der zwischen Albanern und Serben geteilten Stadt Mitrovica im Nordkosovo bringt die soziale Misere mit Ziffern auf den Punkt. Seine Frau und er bringen monatlich 500 Euro mit nach Hause. 250 Euro kostet die Miete - kalt. Rund zehn Euro für die Müllabfuhr und das Abwasser, 40 Euro für Strom. "Ich kann schlicht und einfach nicht alle Rechnungen bezahlen und bin auf das Wohlwollen meines Bruders angewiesen. Der ist Gastarbeiter in der Schweiz und schickt uns monatlich Geld."

Schwarz sieht auch Shaip Mustafa in Prishtina. "Ich fürchte, ich werde in zwei Jahren zu einem Sozialfall", stöhnt der 25-Jährige. "Klar kann sich die Lage nicht innerhalb eines Jahres bessern. Aber es wird immer schlimmer", sagt der Mann: "Für ein Kilo Fleisch habe ich im letzten Jahr 4,5 Euro bezahlt und heute sind es 6,5 Euro." Die Erhöhung der Mehrwertsteuer hat alle Lebensbereiche getroffen und Kredite als Ausweg sind unerschwinglich teuer geworden.

Der Kosovo hat eine der jüngsten Bevölkerungen in Europa, und um Tausende zu viel drängen sich jährlich neu auf den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit liegt über 40 Prozent. Viele Kosovaren sind von den Geldern abhängig, die ihre Familien aus dem deutschsprachigen Raum oder Skandinavien schicken, wo sie arbeiten.

Der Kosovo rief seine Unabhängigkeit von Serbien am 17. Februar 2008 aus.

Montag, 16. Februar 2009 20:32:00

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