Wiener Zeitung Neu in der Linkmap:
 
  Wiener Zeitung Homepage Amtsblatt Homepage LinkMap Homepage Wahlen-Portal der Wiener Zeitung Sport-Portal der Wiener Zeitung Spiele-Portal der Wiener Zeitung Dossier-Portal der Wiener Zeitung Abo-Portal der Wiener Zeitung Suche Mail senden AGB, Kontakt und Impressum Das Unternehmen Benutzer-Hilfe
 Politik  Europa  Kultur  Wirtschaft  Computer  Wissen  extra  Panorama  Wien  Meinung  English  MyAbo 
 Konzert  Musik  Oper Theater  Tanz  Film  Kunst  Literatur  Medien  Termine 
Print this

Hannover: Barrie Kosky startet sein mit Spannung erwartetes Ring-Projekt

Rheingold im Pappkarton

Gute alte Ufa-Revue? – Nein: Rhein und Rheingold, wie Regisseur Barrie Kosky es in der Staatsoper Hannover in Szene setzt. Foto: Thomas M. Jauk

Gute alte Ufa-Revue? – Nein: Rhein und Rheingold, wie Regisseur Barrie Kosky es in der Staatsoper Hannover in Szene setzt. Foto: Thomas M. Jauk

Von Joachim Lange

Aufzählung Mit Wagners "Lohengrin" ist Barrie Kosky an der Wiener Staatsoper ja ziemlich ins Stolpern geraten. In Berlin kommt seine lustvoll verspielte Aufmischerei besser an. Dort wird er sogar Andreas Homoki als Intendant der Komischen Oper beerben. In Hannover nun hat man dem Australier nach einem ziemlich überzeugenden Janáèek- "Totenhaus" gleich den ganzen "Ring" anvertraut.

Den Göttern in seinem "Rheingold" verordnete er heuer gleich selbst eine zerklüftete, ziemlich lauf-unpraktische Felsenklippe in Klaus Grünbergs Bühnenkasten. Der schwebt etwas losgelöst in einem metaphorischen, bislang aber auch intellektuellen Dunkel. Wenn das der Urlaubsort dieser Familie war, dann sind sie jedenfalls ganz schön angeschmiert worden. Und die neue Behausung kriegen wir lediglich als ein Torten-Modell wie vom Demel zu sehen. Zum Einzug hatten diese Freizeitgötter dann immerhin ihre lockere Bademode mit einer halbwegs vorzeigbaren Abendgarderobe vertauscht und sich ein Gläschen Schampus genehmigt.

Dabei war der Auftakt auf der Bühne, ganz im Gegensatz zum Graben, geglückt: den Raub des Rheingoldes gibt es hier als eine flott gemachte Revue im Ufa-Stil. Der Rhein zeigt dabei jede Menge (Frauen-)Bein auf der Showtreppe und wogt und wellt mit weißen Riesenfedern.

Sex und Klischee

Aus ihrer Mitte raubt ein als Klischee-Bühnen-Neger angemalter Alberich eine gülden angemalte weibliche Schönheit namens Rheingold. Er verfrachtet sie dann aber in einen der schnöden Pappkartons, in denen die Nibelungen später allen möglichen Plunder anschleppen, um Freia auszulösen.

Produziert haben sie das Modeschmuck-Zeug in einem Nibelheim, das aus allen finsteren Industrie-Nachtseiten-Klischees zusammengewürfelt ist. Dort wird ein Mime mit Kippa regelrecht vergewaltigt und der Riesenwurm als Masturbationsfantasie einer Horde von Alberich-Doubel im Lichtzerhacker eher verramscht. Erdas wankender Auftritt als nackte Greisin ist zwar für sich genommen eindrucksvoll, verbannt aber die Sängerin der großen Warnung vor dem Ende ins Off. Nicht nur da misstraut Kosky dem gesun-

genen Wort allzu sehr. Seinen Alberich (Stefan Adam) treibt er mit schnaufendem Überdruckspiel fast völlig aus der Rolle.

Auch sonst ist das vokale Niveau eher mittelprächtig; Renatus Mészár als Einspringer Wotan solide, Robert Künzlis Loge wendig.

Die eigentliche Enttäuschung ist jedoch das Orchester unter Wolfgang Bozic. Die Anfangspatzer der Bläser leiteten einen Abend ein, der unausgeglichen blieb und vor allem zwischen diffus und überlaut changierte. Dafür musste er denn auch kräftige Buhs einstecken. Nun ist "Das Rheingold" ja zum Glück nicht aller "Ring"-Tage Abend.

Aufzählung Oper

Das Rheingold
Von Richard Wagner
Barrie Kosky (Regie)
Wolfgang Bozic (Dirigent)
Mit: Stefan Adam, Robert Künzli, Torrsten Hofmann
Staatsoper Hannover
(Tel.: 0049 511/9999-1111)
17., 19., 28. Nov.; 11., 18., 27. Dez.; 6. Jan. 2010; 4., 9. Juni

Printausgabe vom Dienstag, 17. November 2009
Online seit: Montag, 16. November 2009 17:41:00


Kommentare zum Artikel:

17.11.2009 20:35:13 Zu modern!
Habe mich immer wieder gefragt, ob Wagner, der doch das klassische italienische Belcanto immerhin respektierte, einer solchen Aufführung (mit Alberichs widerlichem Gegrunze und Gebrüll) wirklich gut gefunden hätte. Eine moderne Aufführung - das sollte sie ja auch sein. Aber ich habe schon oft gefunden: Wenn die historische Aufführung eines Stückes uns heute nichts mehr zu sagen hat, hat uns das Stück selbst nichts mehr zu sagen. Darum finde ich: Man sollte es mit der Modernität nicht übertreiben. Hier wurde des Guten zu viel getan.
Schriftsteller
17.11.2009 09:23:35 Eingekauft
Bitte keine Kritiken aus der Frankfurter Rundschau mehr zukaufen! Das ist eine Kritik, die vor Unverständnis und Unverstandenem nur so strotzt! Nicht mal das Minstrel scheint der Kritiker zu kennen! Eine intellektuelle Bankrotterklärung!
Daniel Schneider
Kommentar senden:
Name:

Mail:

Überschrift:

Text (max. 1500 Zeichen):

Postadresse:*


* Kommentare werden nicht automatisch veröffentlicht. Bitte beachten Sie unsere Regeln.
Die Redaktion behält sich vor Kommentare abzulehnen. Wenn Sie eine Veröffentlichung Ihrer Stellungnahme als Leserbrief in der Druckausgabe wünschen, dann bitten wir Sie auch um die Angabe einer nachprüfbaren Postanschrift im Feld Postadresse. Diese Adresse wird online nicht veröffentlicht.

Wiener Zeitung - 1040 Wien · Wiedner Gürtel 10 · Tel. 01/206 99 0 · Impressum · AGB