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Konzert: Liederabend Thomas Quasthoff

Die erhellte Todesschwärze

Thomas Quasthoff, kompromissloser Interpret, gab vertonte Jedermann-Monologe zum Besten. Foto: apa

Thomas Quasthoff, kompromissloser Interpret, gab vertonte Jedermann-Monologe zum Besten. Foto: apa

Von Reinhard Kriechbaum

Aufzählung Aribert Reimanns (An-)Klagelied "Entsorgt", eine Solo-Eloge von intensivster Wirkung, stand am Dienstag im Mittelpunkt des Liederabends von Thomas Quasthoff im Haus für Mozart. "Kein Gefühl für immer" heißt es in dieser Philippika, in der der rücksichtslose Umgang mit Human- und Naturresourcen dieser Welt vehement angeprangert wird.

Der Textdichter, Nicolas Born, ist 1979 gestorben – aber scheinbar hat sich nichts verändert in den drei Jahrzehnten seither – die Worte treffen nach wie vor, ja: sie wirken hellsichtig: Nachhaltige Lyrik aus einer Zeit, da das Wort noch nicht in Mode, ja noch nicht mal erfunden war als Begriff.

"So wird der Schrecken ohne Ende langsam normales Leben", dem Klage- und Leidensgesang "Entsorgt" hat Aribert Reimann eine Vokalise vorangestellt, die an das "Aleph" der Klagegesänge des Jeremias erinnert. Tatsächlich greift Aribert Reimann ja weit zurück in der Musikgeschichte, indem er sich (mit heutigen Methoden) um aus der Sprache genuin sich fügende Gesangslinien bemüht: Auf diese Weise ist schon der Gregorianische Choral gewachsen.

Das also in der packenden Interpretation durch Thomas Quasthoff: die Gefangennahme eines Publikums, das sich zuvor durch Husten und sorglosen Umgang mit dem Handy disqualifiziert hatte (ein Festspiel-Liederabend mit Event-Gästen kann ein rechter Schrecken sein). Aber nach diesem Sologesang, mit vehementer Rhetorik geradezu eingebläut den atemlosen Zuhörern, regte sich kein Guttural-Laut mehr, auch nicht während der "Vier ernsten Gesänge" von Brahms.

Vertonter Jedermann

Mit dem Thema Tod, das an diesem Abend beharrlich umkreist wurde, hat es Thomas Quasthoff den Zuhörern freilich nicht ganz leicht gemacht.

Quasthoff ist unter allen Liedsängern der Gegenwart wohl derjenige, der am kompromisslosesten auf Deklamation setzt. In diesem Sinne eine kleine Offenbarung: die sechs Jedermann-Monologe von Frank Martin. Wo sonst sollte man diese in der Vertonung gar nicht so verschroben wirkenden Stücke singen, wenn nicht in Salzburg?

Aufzählung Konzert
Liederabend mit Thomas Quasthoff
Lars Vogt
Haus für Mozart
Werke von Gustav Mahler, Frank Martin, Aribert Reimann u. a.

Printausgabe vom Donnerstag, 20. August 2009
Online seit: Mittwoch, 19. August 2009 16:56:00

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