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Gibt es Leben im All, das nicht aus Wasser und Kohlenstoff entstand?

Gesucht: Kleine "Aliens"

Klassische habitable Zone im Planetensystem des Sterns Gliese 581. Foto: uni wien

Klassische habitable Zone im Planetensystem des Sterns Gliese 581. Foto: uni wien

Aufzählung Maria G. Firneis leitet neue Plattform an der Uni Wien.
Aufzählung Andere Parameter gegen den gängigen "Geozentrismus".

Wien. In Filmen oder Romanen schauen Außerirdische Menschen oft verblüffend ähnlich. Aber nicht nur Science-Fiction-Autoren, auch Wissenschaftern fällt es schwer, sich Leben vorzustellen, das auf völlig anderen Prinzipien beruht als jenem der Erde. Eine neue, international vernetzte Forschungsplattform unter der Leitung von Maria G. Firneis – Österreichs erster habilitierter Astronomin am Institut für Astronomie der Universität Wien – will den astronomischen "Geozentrismus" aufbrechen und die Suche nach Spuren von Leben im All um neue Parameter erweitern.

"Sowohl in der Astronomie als auch in der Biologie herrscht das – im Grunde geozentrische – Paradigma, dass Leben nur in Zusammenhang mit Wasser als Lösungsmittel und Stoffwechselprozessen auf Kohlenstoffbasis entstehen kann, wie es eben auf der Erde der Fall war", sagt Firneis. Was aber, wenn sich außerirdische Lebensformen – "und wir sprechen hier nicht von Marsmännchen oder irgendwelchen intelligenten Spezies, sondern von primitiven Systemen wie Makromolekülen", betont die Astronomin – nicht in Wasser, sondern in alternativen Lösungsmitteln entwickelt haben? Wenn sie "exotisch" sind und nicht auf Kohlenstoff, sondern auf anderen chemischen Elementen wie beispielsweise Stickstoff basieren?

Diese Fragen stehen im Zentrum der neuen universitären Forschungsplattform "Alternative Solvents as a Basis for Life supporting Zones in (Exo-)Planetary Systems" – kurz Exolife –, die Firneis in Kooperation mit Regina Hitzenberger von der Fakultät für Physik leitet. Die dreijährige Plattform will dem astrobiologischen Geozentrismus entgegenwirken und neue Parameter für die Suche nach Anzeichen für Leben auf Exo-Planeten – Planeten außerhalb unseres Sonnensystems – festlegen.

Habitable Zonen

Bisher beschränkte sich die Jagd nach "Alien-Molekülen" auf sogenannte "habitable Zonen": Damit ist jener Bereich innerhalb eines Exo-Sonnensystems gemeint, in dem sich ein Planet befinden muss, damit auf seiner Oberfläche flüssiges Wasser vorkommen kann. "Aber wenn auch andere Flüssigkeiten die Entstehung von Leben ermöglichen, dann vergrößert sich die Zone, in der wir danach suchen können", sagt Johannes Leitner, im Rahmen von Exolife gemeinsam mit Firneis für die Bereiche Astrobiologie und Planetologie zuständig: "Wir haben für diese Erweiterung der klassischen habitablen Zone den Begriff ,Life supporting Zone‘ etabliert."

Drei zentrale Punkte sollen im Rahmen von Exolife geklärt werden – ihre Beantwortung reicht jedoch in viele andere Fachgebiete hinein. Erstens wollen Firneis und Leitner im interdisziplinären Dialog herausfinden, welche Lösungsmittel astronomisch überhaupt in Frage kommen: "Das können zum Beispiel Ammoniak, Ethan, Formamid, Methan oder auch Wasser-Ammoniak-Gemische sein."

Vor allem die Evolutionsbiologen im Team betrifft die zweite zentrale Frage, nämlich jene nach der chemischen Zusammensetzung exotischer Lebensformen: "Falls sich in alternativen Lösungsmitteln überhaupt Makromoleküle entwickeln können, müssen sie, wie gesagt, nicht unbedingt auf Kohlenstoff basieren", erklärt Leitner, der vermutet, dass es solche Exoten auch auf der Erde geben könnte.

Dass man die Suche nach dem Unbekannten immer dort beginnen muss, wo man sich zumindest ein bisschen auskennt, meint auch Firneis: "Unsere dritte Forschungsfrage lautet: Wo könnte es solches exotisches Leben geben? Im Moment sind wir dabei, mögliche Life supporting zones in unserem eigenen Sonnensystem zu identifizieren. In Frage kommen der Saturnmond Titan, der Jupitermond Europa sowie die Atmosphäre der Venus."

Letztendliches Ziel ist es, sogenannte Biomarker – Merkmale, die die Atmosphäre eines potenziell "lebenstauglichen" Exo-Planetens aufweisen müsste – zu identifizieren. Sie ermöglichen es zukünftigen Weltraummissionen wie dem neuen europäischen Venussatelliten EVE (European Venus Explorer), an dessen Konzeption und Prototypentwicklung Firneis und Leitner maßgeblich beteiligt sind, gezielt nach den "Alien-Molekülen" Ausschau zu halten.

Printausgabe vom Donnerstag, 05. November 2009
Online seit: Mittwoch, 04. November 2009 16:36:20

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