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Der Formel-1-Chef würdigte in einem Interview Hitler

Fassungslosigkeit über Ecclestone

Bernie Ecclestone hält nicht viel von Demokratien, dafür umso mehr von Hitler.

Bernie Ecclestone hält nicht viel von Demokratien, dafür umso mehr von Hitler. (© EPA / Jens Büttner)

Von WZ Online

Aufzählung Weltweit wird der Rücktritt von Ecclestone gefordert.

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat mit anerkennenden Worten für Hitler weltweit große Empörung ausgelöst. Der 78-jährige Milliardär äußerte sich abschätzig über Demokratien und würdigte die Macht Adolf Hitlers, "Dinge erledigen zu können". Ecclestone wurde daraufhin zum Rücktritt aufgefordert.

In dem Interview mit der britischen Tageszeitung "The Times" (Samstag) äußerte er zudem Zweifel, dass Hitler seine Verbrechen tatsächlich alle begehen wollte.

Der Jüdische Weltkongress (WJC) fordert daraufhin eine Woche vor dem Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring den Rücktritt des 78 Jahren alten britischen Chef-Promoters der Formel 1. Der WJC-Präsident und ehemalige US-Botschafter in Wien, Ronald Lauder, erklärte am Sonntag, Ecclestone sei nicht mehr geeignet als Chef der Formel 1. Der Kongress mit Sitz in New York ist eine Dachorganisation von jüdischen Einrichtungen in aller Welt.

Ecclestone hatte laut der "Times" gesagt: "Vermutlich ist es schrecklich, das zu sagen, aber abgesehen von der Tatsache, dass Hitler überzeugt wurde, Dinge zu machen, von denen ich nicht weiß, ob er sie wollte oder nicht, war er in der Lage, eine Menge Menschen zu befehligen und Dinge erledigen zu können." Und: "Am Ende hat er die Orientierung verloren, also war er kein sehr guter Diktator. Entweder wusste er, was vor sich ging und bestand darauf, oder er hat sich dem einfach angeschlossen."

In dem Zeitungsinterview brachte der Formel-1-Chef zugleich seine Vorliebe für "starke Führungspersönlichkeiten" zum Ausdruck und nannte in diesem Zusammenhang die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher. "Wir haben zugelassen, dass es wieder bergab geht. All diese Kerle, Gordon und Tony, versuchen jedem zu gefallen", sagte er mit Blick auf den britischen Premierminister Gordon Brown und dessen Vorgänger Tony Blair.

Ecclestone erwähnte in diesem Zusammenhang auch den scheidenden Präsidenten des Automobil-Weltverbands (FIA), Max Mosley. Dessen Vater Oswald Mosley war in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts der Führer der britischen Faschisten. Skeptisch zeigte sich Ecclestone gegenüber der Demokratie. Diese Regierungsform habe "in vielen Ländern nicht viel Gutes bewirkt - einschließlich in diesem", sagte er mit Blick auf Großbritannien. Der Westen habe übrigens beim Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein einen Fehler gemacht: "Er war der einzige, der dieses Land kontrollieren konnte."

WJC-Präsident Lauder rief die Teams, Fahrer und Gastgeber-Länder der WM-Rennen dazu auf, die Zusammenarbeit aufzuheben. Seitens der Teams waren zunächst keine Reaktionen zu bekommen. Doch droht nun erneut das kommende WM-Rennen in den Hintergrund zu geraten, nachdem nicht einmal der monatelange Streit der mehrheitlichen Teams mit dem Präsidenten des Internationalen Automobilverbandes FIA und Ecclestone-Landsmann, Max Mosley, ganz beigelegt ist. Er kündigte jüngst eine mögliche erneute Kandidatur an. Die in der Formula One Teams Association (FOTA) vereinten Rennställe pochen darauf, dass sich der umstrittene Mosley nach dem Ende seiner Amtszeit im Oktober nicht zur Wiederwahl stellt.

Auf die Aussagen von Ecclestone reagierten Politiker und Publizisten fassungslos. "Entweder ist Herr Ecclestone ein Idiot oder er hat eine abstoßende Moral", sagte der Herausgeber der jüdischen Zeitung "Jewish Chronicle", Stephen Pollard. Der Labour-Abgeordnete und Vorsitzende eines Forschungsinstituts zum Antisemitismus, Denis MacShane, meinte: "Wenn Herr Ecclestone ernsthaft glaubt, dass Hitler dazu überredet werden musste, sechs Millionen Juden zu ermorden, jedes europäische Land zu überfallen und London zu bombardieren, dann hat er entweder von Geschichte keine Ahnung oder überhaupt kein Urteilsvermögen."

Schon früher stieß Ecclestone mit bisweilen eigenwilligen Ansichten auf Kritik. "Demokratie und Formel 1 passen nicht zueinander - die Formel 1 bin ich", wurde der Chef-Promoter einst von den "Stuttgarter Nachrichten" zitiert. Zudem sorgte er mit flapsigen Bemerkungen wiederholt für Kontroversen gesorgt. So sagte er einmal in einem Interview, Frauen sollten immer weiß gekleidet sein - wie alle anderen Haushaltsgeräte auch.

Später erklärte er, das sei ein Witz gewesen, und fügte hinzu: "Ich würde gerne mal eine Frau am Steuer meiner Autorennen sehen, vorzugsweise sogar eine Schwarze oder eine Jüdin. Aber da besteht die Gefahr, dass sie irgendwann in den Mutterschutz gehen."

Ecclestone regiert mit Mosley seit Jahrzehnten die Formel 1. Bereits 1971 gründete der Brite die Formula One Constructors Association. Ende 2005 übernahm die Investmentgruppe CVC dann als neuer Haupteigentürmer die "Königsklasse" und installierte den ehemaligen Gebrauchtwagenhändler Ecclestone als Geschäftsführer. (APA)



Montag, 06. Juli 2009 08:25:00

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