Das Hochbeet in meinem Garten ist eine Oase der Trockenheit. Das hat mehrere Ursachen: Einen Lebensstil, der nicht wirklich zu Pflanzen passt. Ein Sommerklima, das isolierten Erden mit Föhnwinden und Hitzeschüben in wenigen Stunden jedwede Feuchtigkeit austreibt. Und die unglaubliche Stoa der Pflanzen, die erst dann alles hängen lassen, wenn es für solche Hilfeschrei-Pantomimen fast schon zu spät ist. Man kann sagen, dass die Pflanzen in diesem Hochbeet vegetieren.

Sie sollen es besser haben. Ich denke an ein mündiges Hochbeet, das sich selbst Wasser nachschenkt, sobald es so etwas wie Durst fühlt. Es soll auf der Höhe der Zeit mitteilen, wie es um die Pflanzen steht, und die Welt online mit Bekanntmachungen zu ihrer Lage erfreuen. Gleich nach dem Träumen beginnt die Recherche.

Schlauch und Sensorkabel kommen unter die Erde.

Die erste Lektion ist schnell gelernt: Der Hang, seltsame, erstaunliche, entlegene Dinge zu erschaffen, ist kein Privileg vereinzelter Käuze. Do-It-Yourself, kurz und bündig „DiY“, ist eine Massenbewegung, das Selbermachen selbst ziel- und uferlos.

Durch das Internet rollt eine Welle der Experimentierwut und Aktionsleidenschaft, die über Wörter wie Hobby, Ausgleich und Entspannung glatt hinwegrauscht. DiY kann alles Mögliche bedeuten, wie sich dem schweifenden Blick offenbart: Drohnen basteln, Fahrräder reparieren, vegane Torten backen.

Auch alte Maschen des Zeitvertreibs wie das Stricken begeistern offenbar Tausende, die sich wie in Erweckungsbewegungen zusammenschließen. Auf Youtube gibt es unzählige Geschichten des Erschaffens, Verbesserns und Reparierens. Und daneben locken viele Sites mit Anregungen, Rat und in ihren Foren bisweilen auch Trost.

Neolithikum im Garten

Instructables.com zum Beispiel wird schnell zu einer meiner Lieblingsadressen. Jeder Tag sprudelt dort nur so vor neuen Ideen, die man sich zu eigenen machen könnte. Ein Glasflaschenschneider! Ein Mini-Alkoholbunsenbrenner! Wasserlose Weltraumsuppe! Aus beliebigen Einzelteilen entsteht Neues, und man pflegt ein entspanntes Verhältnis zu Müll. Lässt er sich nicht vermeiden, kann man ihn immer noch veredeln.

Eine alte Plastikflasche bringt es bis zum Pfannkuchenportionierer. Ein anderer "Upcycler" baut aus schrottigen Tastaturen einen MIDI-Controller mit 400 Tasten. Man lernt unentwegt dazu. Hat man einmal mit DiY angefangen, kann man kaum noch aufhören. Um es mit dem Schriftsteller Peter Glaser zu sagen: "Wenn man einen Akkuschrauber erwirbt, sieht man plötzlich alles viel lockerer."

Ich beherrsche mittlerweile das tränenlose, geometrisch exakte Schneiden von Zwiebeln. Und verfüge, da man sich ungefähr 68.430 Mal im Leben die Zähne putzt, über ein Rezept zur Herstellung von handgemachter Zahnpasta. Gerade lerne ich einen Universalknoten für alle Lebenslagen zu knüpfen ("The Only knot you need to know"). Eine Hinterhof-Hühnerzucht ließe sich problemlos einrichten. Manche Projekte drehen die Uhr noch weiter zurück: Die Feuerstelle zum Brennen von Lehmtöpfen könnte dem Garten, der schon alles hat, mit einem jungsteinzeitlichen Touch das gewisse Etwas geben.

Der Raspberry Pi wird programmiert, verkabelt und unter einem Blumentopf versteckt. Die Messung der Sensorwerte läuft über einen Arduino-Micro, einem noch kleineren Platinencomputer. Ein Solarpanel liefert die nötige Energie. Eine sehr gute Anleitung für ein ähnliches Projekt findet sich unter "PomodoPi".

Bastler sind wir seit hundertausenden Jahren. Wir könnten es wieder hauptberuflich werden, wenn Lewis Dartnell Recht bekommt, der es mit seinem "Handbuch für den Neustart der Welt" in die Bestsellerlisten geschafft hat: "Sie haben die Apokalypse überlebt und sind auf sich gestellt. Alles steht still. Was tun?" Die zentrale Empfehlung dieser vorzüglich geschriebenen Bibel für Apokalyptiker lautet selbstverständlich, auf die Superkraft des Selbermachens zu vertrauen.

Auch bei gelasseneren Denkern steht DiY in hohem Ansehen. Tom Hodgkinson, der berühmte Propagandist des Müßiggangs, sieht im Selbermachen die Kunst, frei zu sein: "Langeweile lässt sich ganz einfach dadurch vertreiben, dass wir Gegenstände selbst herstellen." Etwas allgemeiner nannte der Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi das Verschwinden einer Person im Tun schlicht "Flow". DiY macht Spaß. Der Ehrgeiz, selbst einfach so etwas zu erschaffen, scheint unwiderstehlich.

Riesige Burschen, fette Motoren

Der Bastler von heute, Maker genannt, folgt Antrieben, wie sie sonst nur Künstler kennen. Er befreit seine Phantasie, genießt die Freuden des Gestaltens, lebt spontan. Sogar dort, wo man es nicht vermuten würde: "Riesige fette Burschen beugen sich über riesige fettige Motoren. Sie wollen etwas Lautes, Starkes und Schmutziges bauen." So beschrieb Jens Jessen in der "Zeit" die Freuden des factual entertainment , einen Zweig des Selbermachens, der vor allem im Männersender „Dmax“ seine Heimstatt hat.

Und von den fetten Burschen ist es nicht weit zu den Typen in der Hornbach-Werbung, die auf kräftige innere Stimmen hören: "Spür den Stolz in dir", "Sei dein eigener Schöpfer". Der Baumarkt, der das Schmutzige am DiY stark betont, gibt auch eine eigene Zeitschrift heraus - sie heißt "Macher". "Macher" macht mit erstaunlichen Menschen bekannt, zum Beispiel mit dem dänischen Selfmade-Ingenieur Peter Madsen, einem Garagenbastler im Industriehallenformat. Er baut unter anderem U-Boote und will sich demnächst mit einer Privatrakete, angetrieben von Batzen aus Bitumen und Kaliumperchlorat, ins All schießen.

Den Gegenentwurf zum titanischen Bastlerwesen pflegen die Leute mit Hang zum Obsessiv-Dilettantismus. Einer der Stars dieser Macher-Art ist Fynn Kliemann. Auf Youtube gibt er höchst erfolgreich den wilden Heimwerker, der weder Furcht noch Gebrauchsanweisung kennt. Seine unbedingte Lust am Zupacken, gepaart mit Toleranz gegenüber Unvollkommenheit, lässt jede Herausforderung als Bagatelle erscheinen. Irgendwie lässt sich immer etwas machen, und wenn nicht, ist es auch egal.

Nur ein paar Channels weiter toben die "Shitty Robots" der Simone Giertz. Sie sollten Lippenstift auftragen, Gemüse schneiden oder Frühstück zubereiten, aber sie tun es als metallene Komiker. Der Lippenstift-Roboter verunstaltet Gesichter wie ein Vandale Hausfassaden. Der Gemüseschneider schwingt seine Messer brutal wie ein Gladiator. Und der Frühstücks-Roboter versaut die Küche. Vom funktionalen Scheitern der chaplinesken Maschinengeschöpfe lassen sich regelmäßig 160.000 Abonnenten auf ihrem Youtube-Channel faszinieren. "Für mich sind Ideen wie nervende Verkäufer", sagt die gelernte Physikerin in einem Interview. "Sie verschwinden nur dann, wenn ich sie verwirkliche."

Silizium-Tierchen

Das scheint auch bei meinem Hochbeet so zu sein, das in meinem Kopf immer konkretere Forderungen stellt. Es verlangt nach einem Computerhirn. Ein Minirechner namens Raspberry Pi soll es werden. Solche immer kleiner werdenden, nackten Platinencomputer bilden die Knoten im Netzwerk des Internet of Things, kurz IoT genannt.

Der Raspberry Pi sieht aus wie ein frisch geschlüpftes Silizium-Tierchen und passt in eine Hand. Dieses massenhaft verkaufte Vorzeigestück der Miniaturisierung vermag mehr als die grauen Riesenkisten, die vor zehn Jahren noch 2000 Euro kosteten und Büros und Wohnzimmer verstellten. Der Raspi ist für 40 Euro wohlfeil. Er lässt sich mit anderen Platinen vernetzen und mit Sensoren erweitern. Das macht ihn zu einem digitalen Chamäleon, das sich beliebig verwandeln kann, unter anderem auch in einen Gärtner.

Sensoren messen die Bodenfeuchtigkeit, der Raspi vergleicht die Werte mit durch Versuch und Irrtum zu entdeckenden Vorgaben, und er dreht über einen Magnetschalter den Wasserhahn auf, wenn es im Beet staubt. Das ist das Ziel. Jetzt fehlt nur noch der Plan.

Auf der Suche nach Inspiration werde ich zu einem von 6000 Besuchern der "Maker Faire". Die Bastlermesse wandert durch die Länder und fand heuer erstmals ihren Weg nach Wien, bezeichnenderweise ins Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste. Das Gedränge war unglaublich. Im Vorhof gab die One Love Machine Band von Kolja Kugler Konzerte. Die trashige Roboterband, aus Heavy-Metal-Resten gebaut, spielt mit dem Charme der Unvollkommenheit: "Sollte ein Teil von der Bühne fliegen, werfen Sie ihn bitte zurück".

Der perfektionistische Bastler von früher, der im blauen Schlosseranzug beflissen Resopal sägte, hat als role model ausgedient. Das Selbermachen steht unübersehbar im Zeichen der Selbstverwirklichung durch digitale Produktion. Im Mekka der Maker surrten die Laserschneider, CNC-Fräsen und 3D-Drucker. Verspielte Roboter zeigten ihre Kunststücke am Boden, auf Tischen und in der Luft. Man sah atemberaubende Lösungen für echte und noch öfter für verstiegene Probleme.

Es hat mich vor Jahren Tage gekostet, Rubiks Cube, den allgegenwärtigen bunten Würfel, durch unentwegtes Drehen in seine urspüngliche Farbordnung zurück zu winden. Eine kleine Maschine mit Kunstaugen und mechatronischen Gelenken schafft es in Sekunden. Kein Traum ist zu kühn, als dass er nicht mit der allseits verfügbaren technischen Zauberkraft verwirklicht werden könnte. Die Selbstermächtigung, bisher ein Ausnahmezustand, wird zur Regel.

Schweißkurs auf Youtube

Mittendrin vernehme ich ein interessantes metallenes Scheppern. Es kam aus einem Barschrank, durch den sich metallene Bahnen schlingen, auf denen in einer Endlosschleife Flipperkugeln kollern. Gebaut hat die Bar der Technikjournalist Peter Seipel. Er erstand für 150 Euro ein Schweißgerät und legte los. Das Schweißen brachte er sich selber bei, mit How-To-Videos auf Youtube: "Es gibt da wirklich tolle Anleitungen."

Ein Barschrank, durch den Flipperkugeln kollern: Der Technikjournalist Peter Seipel vor seiner Reminiszenz an die Siebziger. Man kann den Barschrank für Partys mieten.

Schweißen lernen auf Youtube? Herr Seipel verfügt über technische Vorbildung, aber die Frage drängt sich auf: Wie gefährlich wird es, wenn das jeder macht? Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) erhob Zahlen über Heimwerkerunfälle, die eigentlich beruhigen: Es gibt durchschnittlich an die 23.000 Heimwerker-Unfälle pro Jahr, aber da ist auch das Pech mitgerechnet, das einen bei der Gartenarbeit ereilen kann. Die Zahlen, sagt die KfV-Pressesprecherin, stagnieren seit Jahren auf hohem Niveau. Aber sie stagnieren.

Wenn also die DiY-Revolution offensichtlich nicht ihre Kinder frisst, wozu ist sie imstande? Es gibt eine Richtung der Kritik, die in den Makern vorwiegend verspielte Bürger mit hedonistischem Technik-Drang sieht. Auf der anderen Seite hat die Bewegung, die sich selbst kaum als solche wahrnimmt, eine Firma wie iFixit hervorgebracht. iFixit will der Welt das Wegwerfen abgewöhnen.

Matthias Mayer (iFixit) will Europa das Wegwerfen abgewöhnen und eine Kultur des Reparierens etablieren. Ein Interview mit ihm finden Sie hier.

16.000 Reparaturanleitungen und 64.000 Antworten in elf Sprachen stehen online parat. Eine Million Nutzer tummeln sich auf der Plattform, die in Kalifornien ersonnen wurde und mittlerweile in Deutschland auch einen Europa-Ableger hat. Einer der beiden Geschäftsführer, Matthias Mayer, sieht das Reparieren als Möglichkeit für praktisch jeden: "Natürlich braucht man ein wenig Fingerfertigkeit. Wenn man aber genau weiß, was man machen soll, dann funktioniert die Reparatur."

Das globale Geschäftsmodell, nämlich kaufen, wegwerfen und neu kaufen, könnte durch die iFixit-Gemeinde neue Impulse bekommen: 95 Prozent der zum Reparieren Bekehrten kaufen wieder bei jenem Hersteller, dessen Gerät sie reparieren konnten. Die "Repairability" wird zu einem Qualitätsmerkmal. Nicht zu übersehen ist auch das wirtschaftliche Potential einer Kultur des Reparierens. Für 1000 Tonnen Elektronik, sagt Mayer, könnten 200 Menschen als Reparaturfachkräfte zuständig sein. Für das Recyceln dieser Menge braucht es nur 15 Arbeitsplätze. Das einfachste Verfahren - den Schrott auf einen LKW verladen und irgendwo abladen ("Landfilling") - benötigt nur einen Arbeitsplatz pro 1000 Tonnen.

Volkswirtschaft statt Marktwirtschaft

Es gibt mittlerweile Autoren, die den Maker für einen Vorboten kommender historischer Prozesse halten. Und den 3D-Drucker für die Dampfmaschine unserer Zeit. Der 3D-Druck macht wirklich atemberaubende Fortschritte. Irgendwann sollte es möglich sein, ganze Häuser auszudrucken. Bei Betonmauern hat es schon funktioniert. Der additive Fertigungsprozess - Material wird aufgetragen, nicht abgetragen - schont nicht nur die Ressourcen, er ermöglicht eine wirklich neue Art des Produzierens mit phantastischem Potential: Mit Hilfe von Bits werden Atome arrangiert.

Auch wenn sich bisher alle Berichte über das Ende des Kapitalismus als verfrüht erwiesen haben, gibt es eine Reihe ernstzunehmender Autoren, die es nun aber wirklich kommen sehen. Der "Wired"-Autor Chris Anderson beschreibt in seinem Buch "Makers" das kreative Potential von Millionen Garagenbastlern als eine Macht, die Produkte radikal individualisieren und die Macht der Markenunternehmen brechen könnte.

Eine "Null Grenzkosten Gesellschaft" sieht der Trendforscher Jeremy Rifkin im Entstehen begriffen. Und beschreibt in seinem gleichnamigen Buch enthusiastisch, dass die neuen High-Tech-Geräte der Geschichte ein neues Subjekt bescheren könnten, den gleichermaßen produzierenden wie konsumierenden Prosumer: "Die Demokratisierung der Fabrikation bedeutet, dass irgendwann schließlich jeder Zugang zu den Produktionsmitteln hat, was die Frage, wer sie besitzen und darüber verfügen soll, irrelevant macht und den Kapitalismus mit ihr."

Der bekannte Wissenschaftsjournalist Paul Mason sieht das ähnlich: Die herrschende, ressourcenfressende, monströse Ungleichheit erzeugende Art des Wirtschaftens könnte unauffällig "durch etwas anderes ersetzt werden, durch etwas, das sich fast unbemerkt im alten System entwickelt". In Nischen und Hohlräumen soll sich spontan eine kollaborative Allmendeproduktion entwickeln, die auf Netzwerktechnologie beruht und gemeinschaftlich genutzt wird.

Es gibt so eine Nische auch in Wien. Wem nach 3D-Drucker, CNC-Fräse, Laser-Cutter oder Schneidplotter ist, findet diese Geräte im "Happy Lab". Der MIT-Professor Neal Gershenfeld gab dem Konzept einer offenen, jedermann zugänglichen High-Tech-Werkstatt vor Jahren den Namen "FabLab". Die Werkstatt im zweiten Bezirk hat rund um die Uhr offen, 1800 Maker haben sich bereits eingemietet.

3D-Druck, CNC-Fräse © Christoph Welkovits. Gründer und Geschäftsführer des Happy Labs Roland Stelzer. Ein Interview mit ihm lesen Sie hier.

Hobby-Bastler, die nur einmal schnell die Möglichkeiten der neuen Technik erforschen wollen, finden sich dort ebenso wie Profis, die Prototypen herstellen. Öfter schon hat sich das Happy Lab als Kinderstube für Start-Ups erwiesen. Und Roland Stelzer, der Geschäftsführer, bestätigt überraschend entschieden, dass die Praxis der "FabLabs" Theoretikern wie Anderson, Rifkin und Mason Recht gibt: "Wir sehen definitiv, dass das eine Bewegung ist."

Alle aussagekräftigen Zahlen, egal ob sie die Besucher und Aussteller der Maker Faire widerspiegeln, die Mitglieder der FabLabs oder die Gründungen von FabLabs selber, würden ein exponentielles Wachstum aufweisen. Die Demokratisierung der Produktion und der Produktionsmittel, sagt Stelzer, erfolge in ähnlichen Dimensionen wie der Umbruch in den 80er Jahren, als der Personal Computer seinen Siegeszug startete.

Die Architektin Carin Fürst erzeugt sehenswerten Schmuck durch Upcycling, etwa aus den Verschlüssen längst geleerter Infusionsflaschen. Der Verpackungsdesigner Thomas Holota benutzt das HappyLab, um Prototypen herzustellen.

Die Maker-Bewegung bringt aber auch Chancen für Firmen, die Maschinen für die Maker-Infrastruktur bauen: Stelzer nennt den österreichischen Lasercutter-Hersteller Trotec als Beispiel für eine lokale Erfolgsgeschichte. Und es gäbe auch weit größere Chancen für Maker, wäre die von der Wirtschaftskammer exekutierte österreichische Gewerbeordnung nicht so rigide. "Es reicht einfach nicht", kritisiert Stelzer, "von den Menschen Kreativität und unternehmerisches Denken einzufordern - und es ihnen zu verbieten, wenn sie für den Markt reif sind. Es wäre gut, wenn sich Österreich ein wenig mehr Innovation gestatten würde." Die österreichische Standardsituation für Talente abseits formaler Bildungswege: Das Know-How ist vorhanden, aber die Bewilligungen fehlen.

Lange Nächte, epische Rückschläge

Im Spätstadium meines Projekts bin ich froh darüber, dass die Wirtschaft höchst geschickt darin ist, alles, was vom Kaufen wegstrebt, durch Bequemlichkeit aufzuhalten. Egal, welchem Stamm der Macher angehört, er kann sich bei seinen Vorhaben auf ein hochdifferenziertes Sortiment an Tools und Materialen stützen. Auch die Teile für mein autonomes Hochbeet - Relais, Magnetschalter, Feuchtigkeitssensoren - liegen bereits auf Lager. Ich muss sie nur noch bestellen.

Das Beet und seine inneren Werte: Die Erde soll feucht und kühl bleiben, der Raspi nicht heiß laufen.

Unbezahlbar bleibt hingegen die Großzügigkeit der Community. Die Berichte über Hassorgien und digitale Kriminalität lassen mitunter vergessen, dass sich die ursprünglichen Versprechen des Internet immer noch erfüllen: Wissen wird großzügig geteilt, Probleme werden freimütig besprochen. Es gibt Abertausende Programme, die mit einer Open-Source-Lizenz zur gefälligen Weiterverwendung und beliebigen Anpassung freigegeben sind. Ich bin in diesem Reich ein Zwerg, der sich auf den Schultern von Riesen niederlassen darf. Nach hingebungsvollem Studium rätselhafter Schriften, epischen Rückschlägen und hektischen Konsultationen fließt das Wasser am Ende richtig. Und ja, ich spüre den Stolz in mir.

Mehr Informationen

Literatur

Maker Spaces in Wien

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