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2026: Globale Krisen, politischer Rückschritt und digitale Überforderung. Zeit, die Lautstärke runterzudrehen. Aber ganz still darf’s nicht werden.
Ein Jahr, das sich genauso anfühlt wie das Wetter vor meinem Fenster: sehr kalt und sehr grau. Egal, wo man hinschaut (oder hinklickt): Bedrohung. Ein Jahr, in dem man nur einmal falsch auf das Smartphone tippen muss, und schon starrt man in eine Weltlage, die so deprimierend ist, dass man sich fragt, ob es moralisch vertretbar wäre, den Rest des Tages einfach unter der Bettdecke zu verbringen. Der Blick auf mein Konto löst übrigens ähnliche Gefühle aus, danke, Energie- und Lebensmittelkosten.
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Nachhaltigkeit rennt nur noch unter „ferner liefen“. Der sogenannte Omnibus der EU fährt unter dem Deckmantel der Entbürokratisierung über alles drüber, was an „nachhaltigen“ Verbesserungen in den vergangenen Jahren erreicht wurde. Berichtspflicht? Pah. Taxonomie? Wird wohl aufgeweicht. Die Green Claims Initiative, die ein massives Beil gegen Greenwashing gewesen wäre? Liegt auf Eis. Verbrennerverbot? Was ist das?
Von weiteren politischen Entwicklungen, weitergegebenen Friedensnobelpreisen, Protesten mit tausenden Toten im Iran (wo sind eigentlich die Free Iran Demonstrationen?) und einem komplett absurd erscheinenden Streit um Grönland (das übrigens zu wirklich fantastischen Memes von Grönländer:innen selbst führt, diese Seite von Social Media macht grad sogar fast Spaß). Dass dieser gar nicht so ungefährlich ist, davon fang ich jetzt mal gar nicht an.
Aber ich hatte eine bahnbrechende Erkenntnis: Auch, wenn es sich so anfühlt - es ist nicht zwingend nötig, sich jeden Morgen freiwillig in die globale Ohnmacht zu stürzen. Ja, ehrlich!
Wie ich das mache? Ich mache meine Welt kleiner.
Ich fokussiere mich auf meine Umgebung und meine Selbstwirksamkeit.
Ich esse noch weniger tierische Produkte als sowieso schon.
Fürs Klima. Warum? Weil ich letztens einen Bericht gelesen habe, wonach weltweit der Fleischkonsum wieder steigt, in Österreich ist er aber immer noch rückläufig. Das ist ein leiwander Trend, den ich unterstütze. Außerdem gibt es Untersuchungen, dass die Ernährung noch mehr Impact aufs Klima hat als angenommen, da man gerade auf dieser Ebene massiv Methan einsparen kann. Und Methan ist um ein Vielfaches schädlicher als CO2. Die wunderbare Wissenschaftskommunikatorin Mai Thi Nguyen-Kim hat dazu kürzlich ein sehenswertes YouTube-Video rausgebracht, das ich in den Quellen verlinke.
Ich stricke. Ja, richtig gelesen. Ein Faden, zwei Nadeln, eine Masche nach der anderen. Weil ich in den Läden kaum noch Pullis ohne Polyester finde, stricke ich mir meine Pullis einfach selbst, plastikfrei. Und der extrem gute Nebeneffekt: Stricken entspannt, ich nenne es immer Yoga fürs Hirn. Plus: Ich habe keine Hand frei zum Doomscrollen. Win Win Win.
Leseempfehlungen aus der Redaktion gefällig?
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WZ Weekly
Einblicke in die WZ-Redaktion. Ohne Blabla.
Ohne Gesundheit keine Weltrettung
Ich surfe weniger auf Social Media. Ja, ich, die ständig auf Instagram herumhängt und am Abend hin und wieder in Rabbit Holes von TikTok gerät. Das ist vermutlich der radikalste Punkt. Nicht, weil dort alles gleichzeitig passiert - Empörung, Tragödie, Werbung, Katzenvideos -, sondern, weil ich dem, was ich da sehe, immer weniger vertraue. Immer öfter schaue ich in den Kommentaren unter Reels, ob viele User mit „AI“ kommentieren.
Ich habe mich letztens dabei erwischt, wirklich auf ein AI-Reel reingefallen zu sein. Und das verunsichert mich massiv. Wenn man nicht mehr glauben kann, was man im Bewegtbild sieht, kann das nicht nur das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung trüben, sondern sogar demokratiegefährdend sein. Darum: Weg mit dem virtuellen Mist, her mit dem Echten.
Warum das alles?
Weil es zwar große Hebel braucht, um in Sachen Klimawandel etwas zu bewegen, aber ich im Kleinen auch nicht auf mich vergessen darf. Damit meine ich nicht, dass ich ab sofort so nachhaltig wie möglich leben muss, sondern dass ich auf mich achten muss, um geistig gesund und motiviert zu bleiben. Denn nur in dieser Selbstwirksamkeit kann man auch wirklich etwas bewegen.
Und ja: Es gibt auch Gutes. Es ist leiser, es trendet nicht, es klickt sich schlecht. Aber es ist da. Und mich darauf zu konzentrieren, das ist mein Vorsatz für 2026. Das hat nichts mit Biedermeier zu tun (ok, das Stricken vielleicht schon ein bisschen).
Natürlich werde ich mich weiterhin informiert halten, und ich weigere mich, Teil einer schweigenden Mehrheit zu werden, die sang- und klanglos dabei zusieht, wie uns der Planet unterm Hintern wegbrennt und es dabei sogar noch ziemlich nach Plastik stinkt. Natürlich muss man laut bleiben. Niemals sollte man auf Mute schalten. Aber man kann und darf es sich erlauben, hin und wieder zugunsten der eigenen Gesundheit den Lautstärkeregler etwas runterzudrehen.
Nunu Kaller schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne zum Thema Nachhaltigkeit. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.
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Infos und Quellen
Quellen
- Youtube: Wir haben etwas übersehen. MAITHINK X
- EU Umweltbüro: OMNIBUS-Verordnung
- Die Presse: „Weil Ihr Land mir den Friedensnobelpreis verweigert“: Trumps wirrer Grönlandbrief an Norwegen
- Bund: Wichtiges Anti-Greenwashing-Gesetz der EU droht zu scheitern
- IDW: Taxonomie-Verordnung: EU-Kommission startet Konsultation zur Vereinfachung der technischen Bewertungskriterien
- ORF: Österreich trotzt Abgesang auf Veganes
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