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47 & horny: Warum Robyn mir Hoffnung gibt

4 Min
Im März veröffentlichte Robyn nach jahrelanger Pause ihr Album „Sexistential“, das sich um ihre Erfahrungen mit vergleichsweise später Mutterschaft und die Wiederentdeckung ihrer Horniness dreht.
© Illustration: WZ, Bildquelle: Getty Images

Do you believe in life after … 30? Dank Vorbildern wie Robyn tue ich das. Wie die schwedische Künstlerin mit ihrem furchtlos-sexy Pop Frauen Mut macht.


In den 00er-Jahren war man davon überzeugt, dass es für Frauen ab 30 bergab geht – in ihren Popstar-Karrieren, in Sachen Aussehen und auch in sexueller Hinsicht. Heute verhält es sich (wie mit ziemlich vielen anderen veralteten Ansichten) so: Man wünscht sich, dass im Jahr 2026 so etwas niemand mehr ernst meinen würde. Die Realität sieht aber ein bisschen anders aus.

Das zeigt sich nicht nur an zugespitzten Debatten wie der um Madonna und der ewigen Frage, ob man mit Ü60 noch sichtbar und sexy sein darf. Das beginnt schon viel früher, in viel kleineren Situationen: Als 33-jährige Millennial-Frau spüre ich die Geister dieses Sentiments oft in meinem Alltag, ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich vieles schon viel früher hätte schaffen müssen, oder frage mich, ob ich zu alt fürs Dating bin. Ob es cringe ist, dass ich noch nicht unter der Haube bin und Apps wie Hinge nutze. Gedanken über die Zukunft, darüber, wie mein Leben mit Mitte 40 aussehen wird, fühlen sich manchmal gut, oft aber auch beängstigend an.

Ich weiß leider zu gut, wie unsere Welt auf Frauen blickt, bin mir zum Glück aber auch bewusst, dass all diese Ängste im Grunde nichts anderes als ein Kniefall vor dem Patriarchat, vor konstruierten Erwartungen und idiotischen Doppelstandards sind. Manchmal brauche ich aber einen kleinen Wink mit dem Zaunpfahl, um mich daran zu erinnern – und dieser kommt in letzter Zeit immer mal wieder von der schwedischen Künstlerin Robyn.

Mutter, 47, horny

Im März dieses Jahres veröffentlichte sie nach jahrelanger Pause ihr Album „Sexistential“, das sich um ihre Erfahrungen mit vergleichsweise später Mutterschaft und die Wiederentdeckung ihrer Horniness dreht. In dem Song „Sexistential“ singt sie da zum Beispiel über die sexuellen Erfahrungen während ihrer IVF-Behandlung, der sie sich mit 44 und ohne Partner unterzog:

So I was about to go have a kid on my own

And then my doctor said, “Now, Robyn, who would be your dream donor?”

Well, Adam Driver always did kinda give me a boner

Eine Kampfansage, die auch bei jüngeren Popsängerinnen Anklang findet, die Robyn feiern: Sie ist mit Charli xcx befreundet und trat als Special Guest bei einer ihrer „Brat“-Shows auf, war Teil von Zara Larssons Remix-Album „Midnight Sun: Girls Trip“ und besang auf dem Track „Puss Puss“ (auf Schwedisch so viel wie „Bussi Bussi“) die Sehnsucht nach einer weit entfernten Person, die man leider gerade nur via FaceTime erreicht. Oder anders gesagt: Es geht um Telefonsex.

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Und weil es auch im Pop ein Geben und Nehmen gibt, veröffentlichte Robyn erst kürzlich einen Remix ihres Songs „Talk to Me“, in dem sie das Telefonsex-Narrativ mit Zara fortführt. Auch Harry Styles ist Fan von Robyn: Für die Amsterdam-Shows seiner „Together, Together“-Residency konnte er sie als Opening Act gewinnen.

Darf sie das?

Auch in ihren Live-Auftritten gibt sich Robyn ungezügelt, präsentiert sich als Frau, die mit ihrem Körper im Reinen ist und keine Angst davor hat, auch mal falsch oder gar nicht verstanden zu werden. Nach einem Auftritt in der „Late Show with Stephen Colbert“ hagelte es auf Robyns Auftritt irritierte Reaktionen von Menschen, die nicht wussten, was sie mit einem „Rap“ über IVF-Behandlungen und One-Night-Stands anfangen sollten. „Sollte eine fast 50-jährige Frau sowas wirklich machen?“, fragte man sich da beispielsweise auf Social Media. Ich finde: Sie sollte nicht nur, sie muss.

In einem Statement zum Albumrelease von „Sexistential“ sagte Robyn: „I feel like the purpose of my life is to stay horny, [...] it doesn’t even have to be about sex, but it’s feeling sensual and attracted to things that I enjoy, and not letting anything take over that.“ Ganz ehrlich: Wer würde sich nicht genau das für sein Leben wünschen? Egal, ob mit 20, 33 oder 47.

Die freie Journalistin, Autorin und Popkultur-Expertin Verena Bogner schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne für die WZ.


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