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Mit knapp einer Milliarde Übernachtungen jährlich ist die Anzahl an Buchungen über Airbnb und Co. in Europa so hoch wie noch nie zuvor. Doch wo Ferienwohnungen entstehen, verlieren vor allem junge Menschen Wohnraum.
Wo früher jemand dauerhaft wohnte, steht heute ein Schlüsseltresor neben der Eingangstür. Alle paar Tage reisen neue Gäste an, bleiben ein Wochenende oder eine Woche und ziehen wieder weiter. Kurzzeitvermietungen gehören längst zum Stadtbild vieler europäischer Metropolen – auch in Wien.
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Jede Minute werden auf dem europäischen Markt für Kurzzeitvermietungen durchschnittlich 162 Übernachtungen über Airbnb, Booking und die Expedia Group gebucht. Das entspricht europaweit rund 2,61 Millionen Übernachtungen täglich und beinahe einer Milliarde pro Jahr. Der sogenannte Plattformtourismus ist aktuell so beliebt wie noch nie zu vor.
Doch der Trend hat eine Kehrseite. Denn wo Ferienwohnungen entstehen, verschwindet Wohnraum für die lokale Bevölkerung. Wien befindet sich europaweit auf Platz sieben der beliebtesten Reiseziele auf Plattformen wie Airbnb – und die Folgen sind spürbar. Auf 1.000 Wiener:innen entfielen 2025 mehr als 3.500 Übernachtungen durch die Online-Plattformen – im Salzburger Pinzgau und Pongau waren es sogar 21.000.
Gemessen an der Bevölkerungszahl zählt Wien zu den am stärksten wachsenden Städten Europas. Besonders junge Erwachsene zwischen 25 und 34 Jahren, die studieren, erwerbstätig werden oder auch junge Paare, die eine Familie gründen wollen, zählen laut Statistik Austria zur Hauptgruppe der Wohnungssuchenden.
Wenn Wohnraum für junge Menschen knapp wird
Wenn nun die Anzahl an Übernachtungen der Plattformtourist:innen nicht signifikant abnimmt – wie im Falle Wiens – verliert die Bundeshauptstadt damit weiterhin Wohnraum, den die lokale Bevölkerung dringend braucht. Vereinfacht ausgedrückt: je mehr Menschen ihre Ferienunterkunft auf Airbnb buchen, desto schwieriger wird es für junge Menschen, eine Wohnung zu finden.
Im Juli 2024 führte Wien deshalb strengere Vorgaben für Kurzzeitvermietungen ein: Wohnungen dürfen seither höchstens 90 Tage pro Jahr touristisch vermietet werden. Für Ausnahmen ist die Zustimmung aller Wohnungseigentümer:innen im Haus erforderlich. Zudem gilt in Wohnzonen – also in jenen Bereichen, in denen Wohnungen in ihrem Bestand geschützt sind – eine Obergrenze von 20 Prozent dauerhaft kurzzeitvermieteter Wohnungen pro Haus.
Viel Wirkung zeigen die Maßnahmen aktuell noch nicht: Zwar sank die Anzahl an Übernachtungen, die in Wien auf den Online-Plattformen gebucht wurden, von 6,1 Millionen im Jahr 2024 auf 5,8 Millionen im Jahr 2025, doch im Dezember letzten Jahres erreichte der Wert ein Rekordhoch von knapp 700.000 Übernachtungen in nur einem Monat.
Die Grafik zu Wien zeigt einen Trend, der sich in ganz Europa abzeichnet. Nach dem Einbruch durch die Corona-Pandemie hat der Markt für Kurzzeitvermietungen nochmal richtig zugelegt. Allein zwischen 2024 und 2025 stieg die Zahl der gebuchten Übernachtungen in der EU sowie den EFTA-Staaten (Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz) um weitere 11,4 Prozent.
Europaweiter Boom
Zwar verlangsamt sich das Wachstum des Plattformtourismus allmählich, doch die Anzahl an Buchungen über Airbnb, Booking oder die Expedia Group wächst weiterhin deutlich schneller als die Zahl der Übernachtungen in klassischen Unterkünften. Wie die Eurostat-Daten zeigen, steigen zwar die Buchungen in Hotels und auf Campingplätzen, dieser Anstieg fällt jedoch wesentlich geringer aus als bei den Online-Plattformen.
Coolcation und Hitzeflucht: Urlaubssaison verändert sich
Was die Daten ebenfalls zeigen, ist, dass es für die südlichsten Urlaubsziele im Sommer langsam zu heiß wird. Nordische Länder und Länder mit kühlerem Meerzugang – wie etwa die polnische Ostseeküste – ziehen mittlerweile immer mehr Plattformtouristen an.
Reiseziele wie Sizilien, Kreta oder die Balearen bleiben zwar im Sommer weiterhin beliebt, jedoch verzeichnen sie gleichzeitig immer mehr Übernachtungen außerhalb der traditionellen Hauptsaison – insbesondere der April wird beliebter.
„Die mittel- und nordeuropäischen Regionen werden voraussichtlich für ganzjährige touristische Aktivitäten attraktiver werden. Umgekehrt wird für 52 europäische Regionen in den südlicheren Ländern ein Rückgang der Touristenzahlen erwartet.“ Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsbericht der EU darüber, wie der Klimawandel die Tourismusnachfrage verändern wird.
Im nordnorwegischen Tromsø ist das bereits Realität. Unser norwegisches Partnermedium im Rahmen des Urban Journalism Network, iTromsø, wertete die Steuerdaten der 80.000 Einwohner:innen große Stadt aus und kam zum Ergebnis, dass die Einnahmen aus Airbnb in den letzten vier Jahren um fast 500 Prozent stiegen, während sich die Anzahl der Kurzzeitmietwohnungen verdreifachte. Ein so großer Anstieg, dass die Stadtverwaltung derzeit Verdachtsfälle illegaler Kurzzeitmietwohnungen untersuchen muss.
Europaweiter Kampf gegen Airbnb
Tromsø ist damit kein Einzelfall. Der Kampf gegen Airbnb wird mittlerweile in vielen europäischen Städten geführt. Denn wie eingangs erwähnt, gerät der Wohnungsmarkt dort, wo der Plattformtourismus besonders stark wächst, zunehmend unter Druck. Deshalb verschärfen viele Städte ihre Regeln für Kurzzeitvermietungen.
Wie im Extremfall Barcelona: Die katalonische Stadt mit 1,6 Millionen Einwohner:innen verzeichnet jährlich mehr als zehnmal so viele Tourist:innen. Zu viel für die lokale Bevölkerung und vor allem für den heimischen Wohnungsmarkt. Als Reaktion will die Stadtregierung deshalb bis November 2028 sämtliche Airbnbs abschaffen. Aktuell zeigen die Daten jedoch, dass sich der Anstieg an Übernachtungen zwar verlangsamt, aber noch nicht zum Stillstand gekommen ist.
Besser funktionieren die Maßnahmen in Amsterdam. Die niederländische Hauptstadt verabschiedete 2019 ein Gesetz, das Gastgeber:innen verpflichtet, ihre Immobilien zu registrieren. Darüber hinaus begrenzte der Stadtrat die Anzahl der Nächte, an denen eine Wohnung vermietet werden darf, von 60 auf 30 Nächte pro Jahr. Heute zeigen die Ergebnisse Wirkung: In Amsterdam fiel die Anzahl an Kurzzeitvermietungen von 2,2 Millionen im Jahr 2019 auf unter einer Million im Jahr 2025.
Maßnahmen, auf die Wien aktuell nur hoffen kann. Immerhin kündigte das Büro von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) kürzlich an, noch heuer eine Registrierungspflicht für Airbnb-Wohnungen einführen zu wollen.
Dieses Projekt wurde vom Urban Journalism Network und seinen Partnern koordiniert.
Recherche: Gaby Khazalova
Grafiken: Bene Brandhofer, David Meidinger
Koordination der Datenvisualisierung: Hendrik Lehmann
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Die Zahlen der Übernachtungen stammen aus den neuesten Daten von Eurostat. Erfasst werden darin alle Aufenthalte, die im Jahr 2025 über die drei größten Plattformen für Kurzzeitvermietungen – Airbnb, Booking.com und die Expedia Group – gebucht wurden.
- Methodologie: Die Eurostat-Veröffentlichung enthält sogenannte „experimentelle Statistiken“: Datenerhebungen zu Kurzzeitvermietungen, die über Online-Plattformen gebucht wurden. Die Daten werden Eurostat „auf freiwilliger Basis“ von drei großen Online-Plattformen der Sharing Economy – Airbnb, Booking.com und Expedia Group – zur Verfügung gestellt. Bemerkenswert ist, dass 2025 das erste Bezugsjahr ist, das Daten von drei statt vier Plattformen widerspiegelt, nachdem sich Tripadvisor Ende 2024 öffentlich aus diesem Geschäftsbereich zurückgezogen hat. Dieser Rückzug hat keinen Einfluss auf die Vergleichbarkeit der Daten über die Jahre hinweg.
- Gemäß der Methodik umfassen die bereitgestellten Daten Buchungen in der Kategorie „Ferienunterkünfte und sonstige Unterkünfte für Kurzaufenthalte“; Hotels sind daher gemäß der Eurostat-Kategorisierung nicht enthalten (die genaue Definition von Hotels lautet: „möblierte Unterkünfte für Kurzaufenthalte mit täglicher Reinigung, Bettenmachen sowie Speisen- und Getränkeservice“).
- Die Daten zu den „Übernachtungen“ geben die Anzahl der gebuchten Übernachtungen wieder, wobei auch die Anzahl der Übernachtenden gezählt wird. Wenn beispielsweise eine vierköpfige Familie zwei Nächte an einem Ort verbringt, zählt dies als acht Übernachtungen. Dies liefert eine grobe Schätzung der Besucher:innenzahl.
- Die Daten werden von Eurostat auf Landesebene, auf Ebene der NUTS-2-Regionen, der NUTS-3-Regionen und auf Stadtebene (gemäß der Klassifizierung im Urban Audit) veröffentlicht. Die Einträge werden von Plattformen auf der Ebene der LAUs (lokale Verwaltungseinheiten) bereitgestellt, und Eurostat aggregiert sie anschließend entsprechend dem geografischen Klassifizierungssystem. Es ist wichtig zu beachten, dass die Daten auf Stadtebene einer anderen Klassifizierung folgen und keine Untergliederung der regionalen NUTS-Ebenen darstellen.
- Die Daten von Eurostat wurden am 2. Juli 2026 veröffentlicht. Sie zeigen die neuesten Trends im plattformbasierten Tourismus in europäischen Ländern, Städten und Regionen.
- Eurostat empfiehlt nicht, die Daten zum Plattformtourismus mit den klassischen Daten zum Hoteltourismus zu addieren, da sich bestimmte Unterkunftsarten überschneiden könnten. Vergleicht man die Trends jedoch als relative Veränderung, so lässt sich feststellen, dass der Plattformtourismus deutlich schneller wächst.
- Inside Airbnb ist eine unabhängige Analyse- und Watchdog-Website. Das Projekt gehört dem in New York lebenden Aktivisten und Technologen Murray Cox, der es im Jahr 2015 ins Leben gerufen hat.
Quellen
Das Thema in der WZ
- Teures Wohnen im Westen – gratis leben im Osten
- Wohnungswucher Wien: Wer kann sich das noch leisten?
- Der Wohnungsmarkt ist kein Sims-Spiel
- Podcast: Wie hoch dürfen die Mieten steigen?
- Warum immer mehr Menschen mieten
- Die Suche nach den Airbnbs im Gemeindebau
Das Thema in anderen Medien
- Falter: Immer Ärger mit AirBnB
- ORF Wien: Grüne fordern mehr Regeln für Airbnb & Co
- Der Standard: Für Kurzzeitvermieter via Airbnb und Co gibt es in Wien bald Registrierungspflicht
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