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Balkan for Sale

10 Min
Der Ausverkauf des Balkans schreitet voran - eine Art Neokolonialismus
© Illustration: WZ, Bildquelle: Getty Images

Korrupte Eliten auf dem Balkan verscherbeln ihre Länder an Konzerne aus dem Ausland – so zumindest der Vorwurf. In Serbien und Albanien hat das bereits Revolutionen ausgelöst. Aus Bosnien und Herzegowina hört man bisher wenig. Wie lange noch?


    • Multinationale Konzerne investieren in Infrastrukturprojekte auf dem Balkan, oft begleitet von Intransparenz und Korruptionsverdacht.
    • Die lokale Bevölkerung verliert Land und Lebensgrundlagen, profitiert aber kaum von den Projekten und deren Erträgen.
    • Umweltzerstörung und fehlende Transparenz führen zu Protesten, neue Solidaritäten entstehen über nationale Grenzen hinweg.
    • Das Wasserkraftwerk Ulog in Bosnien ist seit 2024 in Betrieb.
    • Der Staudamm wurde von der chinesischen Firma Sinohydro gebaut und wird von der serbischen Firma EFT betrieben.
    • Die Baukosten betrugen rund 70 Millionen Euro.
    • Der Staudamm verursacht bis heute große Schäden an der Umwelt.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

„Wenn ihr den Stausee sehen wollt, müsst ihr hinter das Haus gehen.“ Milijana deutet mit ihrem Kinn auf einen Hügel am Hang, dann verschwindet sie wieder in die Küche, um Kaffee aufzusetzen.

Wir folgen ihren Anweisungen und stehen an der Kante vor einer Schlucht. Unten, zwischen bewaldeten Hängen, liegt die Neretva. Wo sie früher als einer der letzten Wildflüsse Europas frei floss, wird sie heute von einer 53 Meter hohen Mauer zurückgehalten. Das umstrittene Wasserkraftwerk bei Ulog, einem 20-Einwohner:innen-Dorf in Bosnien und Herzegowina, sieht man von hier aus nicht. Dabei ist Milijana quasi seine Nachbarin. Ihr ganzes Leben hat sie in diesem Haus am Hang verbracht, mehr als 70 Jahre.

„4.000 Quadratmeter haben sie mir von meinem Grundstück abgekauft. Ich hatte keine andere Wahl. Wir wurden hier alle vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Für den Bau des Kraftwerks beanspruchte die Republika Srpska auch Land von Bewohner:innen wie Milijana. Während sie das erzählt, stellt sie ein Tablett mit drei Tassen bosnischen Kaffees auf den Tisch. In ihrer Scheune sitzen wir zwischen alten Feldgeräten, an der Wand hängt ein orthodoxer Ikonenkalender. Milijana zuckt mit den Schultern:

Ihr aus Wien versteht das nicht. So läuft das hier überall.
Milijana

Wo läuft was wie?

Milijana spielt auf ein Muster an, das sich vor allem seit den 2010er-Jahren in der Balkanregion immer deutlicher abzeichnet: Multinationale Konzerne aus Ländern wie den USA, China, Russland oder den Golfstaaten investieren in Straßen, Luxusimmobilien, Wasserkraftwerke oder Lithiumminen. Die lokalen Regierungen spielen bereitwillig mit. Sie vergeben Konzessionen, also Bewilligungen, ein öffentliches Gut, etwa ein Gewässer, gewerblich zu nutzen. Sie schließen undurchsichtige Deals ab und geraten nicht selten unter Korruptionsverdacht. Immer wieder stellt sich dabei die Frage, wer über Land und Ressourcen eigentlich entscheidet – und wer von diesen Projekten profitiert.

„Es geht diesen Leuten nur um Profit, nicht um die Menschen und nicht um die Natur, die zerstört wird“, schimpft Milijana. Für ihr Grundstück erhielt sie etwa 5.000 Euro, ein Fünftel des Marktpreises. Die Errichtung des Kraftwerks soll den privaten Stromhändler und Investor EFT rund 70 Millionen Euro gekostet haben. „Auf diesem Land habe ich Gemüse angebaut und Tiere gehalten, Kühe, Hühner … So habe ich mir etwas dazuverdient.“

Milijana steht vor ihrem Haus
Milijana vermisst das Geräusch der fließenden Neretva
© Alena Wacenovsky

Was davon blieb, ist ein kleiner Gemüsegarten zur Selbstversorgung. Ob sie von ihrer Pension gut leben kann? Auf diese Frage hebt Milijana nur die Augenbrauen und schmunzelt.

Sie ist lange nicht die Einzige, die so ihr Land verloren hat. „Diese Praxis ist Usus“, sagt Ulrich Eichelmann, ein deutscher Ökologe, der sich mit der NGO Riverwatch für den Erhalt der bosnischen Flüsse einsetzt. Werde nicht verkauft, drohe eine staatliche Enteignung. „So ist das in Ulog, in Bosnien und in der ganzen Balkanregion.“

Die Sache mit der Wasserkraft

Die Konzessionen für das Kraftwerk in Ulog liegen bei EFT HE Ulog d.o.o., einer Zweckgesellschaft der EFT Group des serbischen Unternehmers Vuk Hamović. Für die Bauarbeiten stellte sie die chinesische Firma Sinohydro ein. Das 35-MW-Kraftwerk ging schließlich 2024 in Betrieb, trotz Protesten von Umweltaktivist:innen, Wissenschaftler:innen und Anrainer:innen. Zahlreiche weitere Wasserkraftwerke sind in Bosnien und Herzegowina bereits in Planung.

Eines der umstrittensten Projekte ist der Upper-Horizons-Komplex, der sich aktuell im Bau befindet: Drei Kraftwerke, zwei Stauseen, vier Umleitungstunnel, ein Pumpwerk und vier Karstfelder, die durch Entwässerungskanäle trockengelegt werden sollen. Auch hier sind es chinesische Gelder und eine chinesische Baufirma, die das Projekt im Auftrag der Republika Srpska (RS), eine der beiden bosnischen Entitäten, umsetzen. Journalist:innen kritisieren Intransparenz bei Verträgen zwischen Behörden und Investor:innen. Umweltverträglichkeitsprüfungen sind laut Expert:innen veraltet und mangelhaft. Naturschützer:innen sehen eine ökologische Katastrophe.

Im September war alles voller toter Fische. Wir haben sie kiloweise gesammelt.
Hrabren Kapić

Hrabren Kapić zündet sich eine Zigarette an, bevor er weiterspricht. Sauerstoffarmes Wasser, erklärt er, das aus dem Reservoir bei Ulog abgelassen worden war, führte vergangenen Herbst zu einem Massensterben von Flusstieren. „Die ersten Kilometer unter dem Kraftwerk war der Fluss völlig tot. Alles erstickt.“

Hrabrens Büro liegt in Konjić, einer Kleinstadt flussabwärts von Ulog. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich dicke Ordner, in der Mitte liegt ein Informationsschild über die vom Aussterben bedrohte Weichmaulforelle, für die die Neretva einer der letzten Lebensräume ist. Denn Hrabren ist Fischereiaufseher. Vom kantonalen Forstministerium hat er den Auftrag, das Ökosystem in seinem Flussabschnitt zu schützen. Mit seinem Team überwacht er die Fischpopulation und Wasserqualität, informiert Fischer:innen und verfasst Berichte.

Hrabren Kapić vor der alten Brücke von Konjic
Hrabren bezweifelt, dass Länder die in umweltschädliche Projekte in Bosnien investieren, dies auch zuhause machen würden
© Alena Wacenovsky

„Man muss verstehen, dass die Flüsse ein großes, natürliches Netzwerk bilden“, sagt er. Um uns das zu erklären, zeichnet er mit der Hand auf dem Tisch den Flussverlauf nach. Das Glück sei noch, dass die Neretva viele gesunde Zuläufe habe. So könne sie sich zumindest teilweise erholen. Upper Horizons wird aber auch Flüsse treffen, die in die Neretva münden, zum Beispiel die Buna und die Bunica. Millionen Kubikmeter Wasser sollen so jährlich aus dem Netz um die Neretva abgeleitet werden, um es anderswo zu sammeln.

Hrabren klopft auf den Tisch: „Ich kann nicht sagen, was dann passiert.“

Bauern leiden, wir profitieren mit

Genau mit dieser Frage beschäftigt sich Aida Kapetanović. Sie hat ihre Doktorarbeit zu Widerstandsbewegungen gegen Wasserkraftwerke in Bosnien und Herzegowina sowie Serbien geschrieben, jetzt arbeitet sie bei ACT (Foundation Atelier for Community Transformation). Die Plattform unterstützt und vernetzt lokale Umweltbewegungen. Betroffene Communities sind in den meisten Fällen nämlich kleine Dörfer mit einer Handvoll Einwohner:innen. „Das sind ganz normale Menschen mit ganz normalen Berufen, die mit und von den Flüssen leben.“

Als wir Kapetanović in Mostar treffen, ist sie gerade zurück aus Kroatien. Sie ist dorthin gefahren, wo die Neretva in die Adria mündet. Im Delta führt der sinkende Flusspegel bereits dazu, dass das salzige Meerwasser flussaufwärts strömt. „Vor zwei Tagen habe ich mit einem Bauern gesprochen, der Mandarinen und Oliven anpflanzt. Zur Bewässerung pumpt er Flusswasser aus der Neretva hoch. An den Schläuchen hat er mir die Salzkristalle gezeigt. Seine Bäume leiden schon darunter.“

„Aber wer hat denn nun etwas von all dem?“, wollen wir wissen. Kapetanović überlegt nicht lang: „Nicht die Menschen, die hier wohnen.“ Wasserkraftwerke sollen zwar grüne Energie bringen. Im Rahmen der EU-Green-Agenda hat sich Bosnien und Herzegowina das Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Ließe aber ein Konzern das Wasserkraftwerk bauen, gehöre ihm auch der erzeugte Strom. Der lande dann nicht unbedingt bei den Bosnier:innen, sondern auf dem Markt. Er könnte also auch in die EU und nach Österreich verkauft werden. Neben multinationalen Konzernen und lokalen Eliten, die in vielen Fällen unter Korruptionsverdacht stehen, profitieren also auch wir mit.

Aida Kapetanović sitzt in einem Cafe in Mostar
Die Vorgehensweise von mächtigen Ländern auf dem Balkan bezeichnet Aida als neokolonialistisch
© Alena Wacenovsky

„Wir erleben derzeit eine starke kapitalistische und neoliberale Ausgestaltung der grünen Transformation“, erklärt Aida. „Der Bedarf an erneuerbaren Energien wächst, und seit dem Krieg in der Ukraine gibt es den Wunsch in Europa, energiepolitisch unabhängiger zu werden. Diese Entwicklungen führen dazu, dass der Balkan zunehmend als Region betrachtet wird, aus der sich die Ressourcen für eine Energiewende gewinnen lassen.“

Balkan: Weltweiter Selbstbedienungsladen

Auch Hrabren wird am Ende unseres Gesprächs ernst und fragt, ob er ganz ehrlich sein darf. „Der Balkan ist ein guter Ort für solche undurchsichtigen Projekte. Die Natur ist noch intakt, und überall herrscht Korruption.“

Um die geopolitische Dimension von Ulog und Co. besser zu verstehen, fahren wir noch nach Sarajevo und treffen dort Nermina Kuloglija-Zolj. Als Journalistin beim Balkan Investigative Reporting Network Bosnia and Herzegovina (BIRN BiH) hat sie sich in ihren Recherchen schon oft mit Korruption und der Rolle von ausländischen Investitionen auseinandergesetzt. China sei dabei ein besonders wichtiger Akteur. Über die Belt and Road Initiative, auch als Neue Seidenstraße bekannt, investiert das Land weltweit in Infrastrukturprojekte. Dabei gehe es um Zugang zu Ressourcen, den Zugang zu europäischen Märkten und darum, ärmere Staaten durch Verschuldungen abhängig zu machen.

„Das Problem ist, dass die Verträge nicht einsehbar sind“, sagt Nermina. „Deshalb lässt sich schwer abschätzen, was die Folgen für Bosnien sein werden.“ Klar sei, dass das Land sich hoch verschuldet habe.

Dabei sei China nicht der einzige Staat, der seine Finger am Balkan im Spiel hat: Investor:innen aus den Golfstaaten, der Türkei und den USA sind ebenfalls ganz vorne mit dabei. Mancherorts löste das bereits regelrechte Revolutionen aus. Die Proteste in Serbien begannen nach dem Einsturz des Bahnhofdachs in Novi Sad 2024, dessen Renovierung Teil der Belt and Road Initiative war – 16 Menschen sind bei dem Unglück gestorben. In Albanien führten diesen Mai Pläne für den Bau eines Luxusresorts bei einem Naturschutzgebiet, das auch eine seltene Brutstätte für Flamingos ist, zu landesweiten Protesten. Das umstrittene Projekt wird von Unternehmen geleitet, die mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner in Verbindung stehen.

Flamingos gegen Kushner

„Bevor sie die Zäune aufstellten, gehörte der Strand den Menschen, die dort leben. Auch lokale Fischer nutzten ihn“, erzählt Elsa Paja aus Albanien. Sie ist bei der „Flamingo-Revolution“ ganz vorne mit dabei. Neben ihren Illustrationen auf Instagram schreibt die Künstlerin immer wieder den Slogan der Bewegung: „Albania is not for Sale.“

Am Telefon klingt Elsa wütend: „Zwei Wochen, bevor Ivanka Trump und Jared Kushner ihr Projekt auf der Insel Sazan vorstellten, änderte die Regierung 2024 ein Gesetz: Damit wurden plötzlich große Bauvorhaben in Schutzgebieten möglich. Für uns weist das darauf hin, wie mächtige Investoren und Oligarchen politische Entscheidungen beeinflussen. Es geht uns nicht nur um Umweltschutz, sondern um Transparenz, Rechtsstaatlichkeit und die fortlaufende Privatisierung öffentlicher Flächen.“

Der Staudsee der Neretva bei Ulog
Im neuen Stausee der Neretva lebt laut Hrabren nichts mehr
© Simon Bardini

Wieso begehren also die Bosnier:innen nicht auf? In Bosnien gehe es bisher meist um Infrastruktur- und Energieprojekte, nur vereinzelt um luxuriöse Gated Communities und Hotels – solche Investitionen kämen insbesondere aus der Türkei und den Golfstaaten. Auch der Ethnonationalismus, der nach dem Krieg und dem Genozid an Bosniak:innen (bosnischen Muslim:innen) in den 1990er-Jahren vor allem in der Republika Srpska noch immer tief verankert ist, erschwere eine gemeinsame Protestbewegung. Dass die Entitäten großteils getrennt voneinander agieren, mache die Situation ebenfalls undurchsichtig: So befindet sich etwa Ulog in der Republika Srpska, während die Folgen vor allem flussabwärts in der Föderation spürbar sind.

Unwahrscheinliche Solidaritäten

Aida Kapetanović ist sich dieser Ethnonationalismen sehr bewusst. Ihre Eltern flohen selbst als Bosniak:innen während des Krieges nach Italien. Sie sieht Hoffnung aber gerade in den lokalen Umweltbewegungen. Schließlich sei das Problem überall am Balkan dasselbe. Das mache Raum auf, auch für ungewöhnliche Solidaritäten. Um den Bau von Lithiumminen in Serbien und Bosnien zu verhindern, schlossen sich bereits Menschen aus beiden Ländern zusammen, um gemeinsam dagegen anzukämpfen.

„Diese Kämpfe haben auch eine neue, kollektive Identität hervorgebracht, die auf der Beziehung zur Landschaft und zu den Flüssen beruht statt auf nationalistischen Ideologien.“ Wie die Aktivist:innen sagen: „Flüsse kennen keine Grenzen, sie gehören allen.“

Dieser Beitrag ist im Rahmen von „eurotours 2026“ entstanden, einem Projekt des Bundeskanzleramtes, finanziert aus Bundesmitteln.


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Infos und Quellen

Gesprächspartner:innen:

  • Aida Kapetanović ist Politikwissenschaftlerin, Soziologin und Aktivistin bei der Plattform ACT. Ihre Dissertation schrieb sie zu Widerstandsbewegungen gegen Wasserkraftwerke in Bosnien sowie Serbien, ein Thema, das ihr sehr am Herzen liegt: Aida wuchs in Italien auf, während des Krieges wurden ihre Eltern aus Mostar vertrieben. Nach ihrem Studienabschluss kehrte sie zurück, um sich für den Erhalt der Flüsse einzusetzen.
  • Hrabren Kapić ist Fischereiaufseher im Kanton Herzegowina-Neretva und Präsident der Organisation für Sportfischerei in Konjic.
  • Milijana Sikimić ist direkte Anwohnerin am Ulog-Damm. Das Grundstück, auf dem sie aufgewachsen ist, musste sie aufgrund der Bauarbeiten großteils verkaufen.
  • Nermina Kuloglija-Zolj ist Investigativjournalistin bei BIRN BiH. Ihre Schwerpunkte sind Extremismus, Terrorismus, Genozidleugnung und Korruption. Sie hat sich in ihren Recherchen schon oft mit Korruption und der Rolle von China in Bosnien und Herzegowina beschäftigt.
  • Ulrich Eichelmann ist Leiter der Naturschutzorganisation Riverwatch. Von Wien aus leitet er Kampagnen und Projekte zum Schutz von Flüssen.
  • Elsa Paja ist als Künstlerin und Aktivistin bei den Flamingo-Protesten in Albanien aktiv. Ihre Illustrationen werden auf den offiziellen Kanälen der Bewegung geteilt.

Daten und Fakten:

  • Die Neretva ist einer der bedeutendsten Flüsse in Bosnien und Herzegowina. An ihr liegt etwa die zweitgrößte Stadt des Landes, Mostar. Der Fluss ist eines der letzten unregulierten Gewässer in ganz Europa und massiv durch Infrastruktur- und Energieprojekte wie den Ulog-Damm oder das Upper Horizons Projekt gefährdet.
  • 1995 wurde das Dayton Abkommen unterzeichnet, um den Krieg in Bosnien zu beenden. In Folge wurde Bosnien in zwei Entitäten aufgeteilt. Die von bosnischen Serb:innen kontrollierte Republika Srpska (RS) und die von Bosniak:innen und Kroat:innen dominierte Föderation Bosnien und Herzegowina. Außerdem gibt es noch die kleine Sonderverwaltungszone Brčko. Es entstand ein kompliziertes System, welches den Fortschritt des Landes durch seine unübersichtlichen Ministerien und deren Kompetenzen massiv hemmt. Immer wieder drohen Politiker:innen aus der RS mit einer Abspaltung der Entität vom Rest des Landes oder leugnen gar die Existenz des Staates Bosnien und Herzegowina. Unter ihnen ist der prominente Scharfmacher und ehemalige Präsident der RS, Milorad Dodik. Geschichtsrevisionismus, wie die Leugnung des Genozids von bosnischen Serb:innen an Bosniak:innen (bosnischen Muslimen), wird in der RS offen praktiziert.
  • Das Projekt Neue Seidenstraße wurde vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping 2013 vorgestellt. Durch die Initiative sollten Länder in Asien, Afrika, Südamerika und Osteuropa Hilfe bei der Konstruktion von Infrastruktur bekommen – vor allem in Form von chinesischen Krediten. Von 2013 bis 2023 wurden so eine Trillionen Dollar investiert. Es ist das größte Infrastrukturprogramm der Welt. Vordergründig geht es aber um die Ausweitung der chinesischen Einflusssphäre. Neben der Umweltschädlichkeit vieler Projekte, die gefördert wurden, haben sich viele ärmere Länder durch die Kredite auch hoch verschuldet.
  • Eines der anschaulichsten Beispiele für Probleme mit der Neuen Seidenstraße ist der Hambantota Port in Sri Lanka. Die dortige Regierung hatte ursprünglich indische Investoren angedacht, um den Hafen zu konstruieren. Diese wollten aber nicht investieren, da die Wirtschaftlichkeit des Großprojekts in Frage gestellt wurde; chinesische Investoren sprangen ein. Sri Lanka war nicht in der Lage, den Kredit zurückzuzahlen, und sah sich gezwungen, den Hafen an die China Merchants Port Holdings für 99 Jahre zu verpachten – inklusive Betriebsrechte. Dieses Muster hat sich seitdem dutzende Male wiederholt.

Quellen:

Das Thema in der WZ:

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