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Bitter ist das Piratenleben

3 Min
Der Alltag von Seeräubern war immer von Armut und Krankheit geprägt.
© Illustration: WZ / Paul Kremsleithner. Bildquelle: Adobe Stock

Überfälle auf Frachtschiffe nahmen zuletzt vor der somalischen Küste wieder zu. Das Bild vom waghalsigen, edlen Seeräuber trifft heute ebenso wenig zu wie vor 350 Jahren.


Sie sind wieder da: Piraten, die mit ihren Booten die Gewässer vor Somalia und der jemenitischen Küste unsicher machen, Tanker und Containerschiffe kapern und von den Reedereien Lösegelder in Millionenhöhe erpressen. Nachdem die Überfälle in den vergangenen Jahren zurückgegangen waren, haben sie zuletzt wieder stark zugenommen.

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Da sind zunächst die aktuellen politisch-militärischen Unsicherheiten in Nahost, insbesondere der Krieg der USA und Israels gegen den Iran, die zur Umleitung der Schifffahrtsrouten entlang des Horns von Afrika geführt haben. Dazu kommt, dass die somalische Regierung, die durch einen Bürgerkrieg mit Islamisten geschwächt ist, nicht wie erhofft die Kontrolle über das Land festigen konnte und der Piraterie wenig entgegensetzt.

Ausgehungert und unter Drogen

Einen weiteren wichtigen Grund für die Überfälle kennt der ehemalige Chefmaschinist Danijel. Der Kroate hat jahrelang auf verschiedenen Frachtern gearbeitet und das Piratenunwesen aus unmittelbarer Nähe erlebt, wie er der WZ erzählt. „Das sind ursprünglich friedliche Fischer“, sagt er, „denen durch internationale Fangflotten die Lebensgrundlage entzogen wurde.“ Die Piraten hätten ihm in erster Linie leidgetan. „Die sind mit Booten Hunderte Seemeilen vor der Küste unterwegs. Dinger, die man als Nussschalen bezeichnen muss. Diese Kutter sind für die raue See weit draußen nicht gebaut.“ Außerdem seien die Piraten meist sehr jung und stünden unter Drogeneinfluss. Sie würden sich mit Seilen, an deren Enden Enterhaken befestigt seien, die hohe Schiffswand hochziehen und als Erstes die Kombüse auf der Suche nach Essbarem stürmen.

Die Besatzung eines Frachters, so der Maschinist, ziehe sich in so einem Fall in einen extra dafür angelegten, massiv befestigten Überlebensraum zurück, in den die Angreifer nicht vordringen könnten und in dem Verpflegung für viele Wochen sowie sanitäre Einrichtungen vorhanden seien.

Basisdemokratische Banditen

Keine Piratenromantik heute – und auch keine Piratenromantik in früheren Zeiten. Seeräuber führten selbst im sogenannten Goldenen Zeitalter der Piraterie im 17. und frühen 18. Jahrhundert ein Leben, das nichts mit dem Hollywood-Mythos zu tun hatte. So glamourös, wie es in „Fluch der Karibik“ mit Johnny Depp als Captain Jack Sparrow vermittelt wird, war es nicht. Vielmehr waren die Piraten von früher brutale Kriminelle, meistens bitterarm, von Krankheiten gezeichnet, selten wurden sie alt. Hatten sie Glück und machten Beute, waren Geld und Gold im nächsten Hafen schnell wieder ausgegeben.

Immerhin: Piratencrews waren in früheren Zeiten oft basisdemokratisch organisiert. Prinzipiell war jeder gleich, egal woher er kam und wie sein sozialer Status früher war. Kapitäne wurden von der Mannschaft gewählt und konnten von dieser wieder abgesetzt werden.

Und bis heute wird mehr oder weniger erfolgreich nach Wegen gesucht, der Piraterie Herr zu werden. Zuletzt waren es fallweise schwer bewaffnete Wachmannschaften, hoch bezahlte Söldner spezialisierter Unternehmen, die auf Frachtschiffen mitfuhren und die Piraten abwehren sollten. Unangenehme Gesellen, die auf Streit aus sind und mit denen Danijel keine guten Erfahrungen gemacht hat. „Die sind viel schlimmer als die Piraten selbst“, sagt er der WZ.


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Infos und Quellen

Gesprächspartner

Danijel (sein vollständiger Name ist der Redaktion bekannt) war mehr als zehn Jahre Chefmaschinist auf verschiedenen Frachtschiffen. Die WZ hat mit ihm auf der kroatischen Urlaubsinsel Hvar, die der Hafenstadt Split vorgelagert ist, über die Seefahrt und die damit verbundenen Gefahren gesprochen.

Quellen

  • Krzysztof Kotiuk: „Frohe Ostern Hansa Stavanger. 121 Tage in der Hand von Piraten“; aus dem Polnischen von Leo Walotek-Scheidegger; Verlag Delius Klasing (2010)
  • Heiner Boehncke, Hans Sarkowicz: „Störtebeker und Konsorten. Piraten in Nord- und Ostsee. Ein historisches Lesebuch“; Verlag Delius Klasing (2010)

Daten und Fakten

  • Einer der berühmtesten historisch verbürgten Piraten war Edward Teach alias Blackbeard, der im frühen 18. Jahrhundert in der Karibik sein Unwesen trieb. Um seine Gegner einzuschüchtern, steckte er sich angeblich brennende Lunten an den Hut.
  • Ein weiterer berühmter Seeräuber war Sir Francis Drake, der im 16. Jahrhundert im Auftrag der englischen Königin Elisabeth I. spanische Schiffe plünderte.
  • Noch früher, im 14. Jahrhundert, lebte Klaus Störtebeker, ein deutscher Pirat, der Nord- und Ostsee unsicher machte.
  • Unbedingt zu erwähnen ist Zheng Yisao, eine ehemalige chinesische Prostituierte, die im frühen 19. Jahrhundert zur mächtigsten Piratenführerin der Geschichte aufstieg. Sie befehligte eine Flotte von Hunderten Schiffen.

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