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Ein Interview mit Jugendsozialarbeiter Fabian Reicher über den CSD-Anschlag und den Zusammenhang von Queerfeindlichkeit und Radikalisierung.
In Berlin wurden am Samstag bei einem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day, einer Demonstration für queere Rechte, eine Person getötet und 29 weitere verletzt. Der 21-jährige Tatverdächtige wurde bei einem Polizeieinsatz getötet und war den Behörden seit Jahren als Islamist bekannt.
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Die WZ hat mit Fabian Reicher, Jugendsozialarbeiter im Bereich Extremismusprävention, über den Zusammenhang von Queerfeindlichkeit, Islamismus und Radikalisierung gesprochen.
Was wir jetzt eigentlich brauchen, ist Solidarität von allen Gruppen und politische Schutzmaßnahmen für die queere Community. Die Zunahme an Queerfeindlichkeit, besonders Transfeindlichkeit, ist ein Problem, das wir auf Social Media seit Jahren sehen und sich natürlich irgendwann in reale Gewalt auf der Straße umschlägt.
Mit der queeren Rapperin Schwesta Ebra bin ich an Schulen unterwegs, wo wir anfangs viel Ablehnung erleben. Letztens waren wir an einer Schule, wo eine Schülerin direkt meinte: “Wir wollen sowas hier nicht, das ist nichts für uns.” Wir fragen die Schüler:innen dann, welche Schimpfwörter sie aus dem Rap kennen. Dann kommen sie schnell drauf, dass sich 90% der Schimpfwörter gegen Frauen richten und 10% gegen homosexuelle Männer. Dann reden wir über ihre eigenen Ausgrenzungserfahrungen und erzeugen dadurch einen Common Ground, damit die Kinder verstehen, dass die Abwertung von Menschen, egal aufgrund welcher Eigenschaft, ein Problem ist. Dann machen wir Videos mit ihnen für Social Media zu diesen Themen und gehen damit auch viral. Die meisten Kinder wollen mitmachen, weil es ihnen Spaß macht und wir ein gemeinsames Erlebnis schaffen. Wenn Kids mit Vorbehalten dann an einem Video mit einer offen queren Rapperin teilnehmen, ist das ein riesiger Schritt. Es geht im Kern um diese Begegnung, weil die Kids ein positives Erlebnis mit einer queeren Person haben. Das ist der Ansatz, der funktioniert: Den Kids ermöglichen, ihre Meinung zu sagen und Begegnungen zu schaffen, wodurch mehr Sichtbarkeit und Identifikation stattfindet.
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Infos und Quellen
Gesprächspartner:innen
Fabian Reicher ist Jugendsozialarbeiter im Bereich Extremismusprävention und Ausstiegsarbeit für die Beratungsstelle Extremismus. Mit dem Schulprojekt #WirAlleSindWien klärt er Schüler:innen über extremistische Narrative auf. Er ist Autor der Bücher „Die alternative Held:innenreise“ und „Die Wütenden“.
Anlaufstelle
Wenn du dir Sorgen machst, dass sich jemand in deinem Umfeld radikalisiert, hier gibt es Hilfe: www.beratungsstelleextremismus.at
Daten und Fakten
- CSD-Anschlag: In Berlin wurden am Samstag bei einem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD), einer Demonstration für queere Rechte, eine Person getötet und 29 weitere verletzt. Der 21-jährige Tatverdächtige wurde bei einem Polizeieinsatz getötet und war den Behörden seit Jahren als Islamist bekannt.
- Islamismus: Der Islamismus ist eine Sammelbezeichnung für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islam die Errichtung einer konstitutiv religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben. Religion und Staat sollen nicht mehr getrennt und der Islam institutionell verankert sein. Damit einher geht die Ablehnung der Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität. (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung Deutschland)
- "Islamischer Staat": Der sogenannte "Islamische Staat" (IS) ist eine dschihadistische Terrororganisation, die 2014 ein selbsternanntes Kalifat in Teilen Syriens und des Iraks ausrief. Er entstand aus Al-Qaida im Irak und nutzte extreme Gewalt, um Gebiete zu kontrollieren und eine radikale Interpretation des Islam durchzusetzen. Der IS verübte Massenmorde, Anschläge auf der ganzen Welt und versklavte unzählige Menschen. Durch internationale Militärinterventionen verlor er bis 2019 sein gesamtes Territorium, bleibt aber als Untergrundbewegung aktiv. Heute agiert der IS vor allem durch Schläferzellen, Online-Propaganda und Ablegergruppen in verschiedenen Regionen der Welt.
Das Thema in der WZ
Inside Syrien: Der Kampf gegen den IS geht weiter
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